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Horn

Seit Menschengedenken ist Horn einer der vielseitigsten, schönsten und natürlichsten Werkstoffe. Es liegt angenehm in der Hand, ist feuchtigkeitsregulierend, enthält keine allergenen Stoffe und eignet sich daher hervorragend für Produkte, die in Kontakt mit menschlicher Haut kommen, wie z.B. Kämme, Schmuck, Löffel, Messergriffe etc. Das geschmacksneutrale Material wird nicht als Fremdkörper wahrgenommen; auch sensibelste Lebensmittel wie z.B. Kaviar lassen sich mit einem Hornlöffel in ihrem unverfälschten Aroma genießen. Horn ist härter und dichter als die meisten Holzarten. Obwohl es ebenso eine Faserstruktur aufweist, verhält es sich bei der Bearbeitung weitgehend homogen, es lässt sich problemlos drechseln oder detailreich beschnitzen. Horn kann bei Austrocknung verspröden; eine Schellackbehandlung oder regelmäßiges Ölen bietet Schutz.

 
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Expertenwissen - Horn

Eigenschaften

Seit Menschengedenken ist Horn einer der vielseitigsten und schönsten Naturwerkstoffe. Im Gegensatz zu Kunststoff liegt es angenehm in der Hand, es ist warm und feuchtigkeitsregulierend. Horn enthält keine allergenen Stoffe und ist daher ideal für Produkte, die in Kontakt mit menschlicher Haut kommen, wie z.B. Kämme, Schmuck, Löffel, Messergriffe etc. Horn ist vollkommen geschmacksneutral und wird nicht als Fremdkörper wahrgenommen, auch sensibelste Lebensmittel wie z.B. Kaviar lassen sich mit einem Hornlöffel in unverfälschtem Aroma genießen.

Horn enthält Keratin, die gleiche Substanz, aus der unsere Haare bestehen. Es nimmt Feuchtigkeit und Fett auf und entfaltet deshalb beim Kämmen der Haare eine pflegende Wirkung. Während Kunststoffkämme meist produktionsbedingt einen Grat aufweisen, wird durch die sauber gerundeten Zähne von handwerklich hergestellten Hornkämmen eine Reizung der Kopfhaut oder Beschädigung der Haare vermieden und der Schuppenbildung vorgebeugt. Das Kämmen mit Horn führt auch zu keinerlei elektrostatischer Aufladung, wie es oft bei Kämmen aus thermoplastischen Kunststoffen üblich ist.

Naturgemäß ist jedes Hornprodukt in Farbe und Zeichnung einzigartig. Durch die manuelle Verarbeitung entsteht ein in Anmutung und Haptik unverwechselbares Unikat. Kleine Unregelmäßigkeiten werden nicht als Mangel sondern als Merkmale der handwerklichen Herstellung wahrgenommen.

Horn ist härter, dichter und verschleißfester als die meisten Holzarten. Es läßt sich jedoch ähnlich wie Holz durch Sägen, Schleifen, Polieren, Drechseln oder Schnitzen bearbeiten. Horn ist auf Zug und Biegung weniger hoch belastbar, jedoch in hohem Maße druckfest. Aus diesem Grunde wurde es schon seit der Steinzeit zur Verbesserung der Spannkraft von Jagd- und Reiterbögen verwendet, die dazu auf der Druckseite mit Hornplatten laminiert wurden. Demselben Zweck dienten die Hornarmierungen bei mittelalterlichen Armbrüsten.

Herkunft und Qualität

Horn wird als Werkstoff von nahezu allen hörnertragenden Tieren gewonnen also z.B. Rind, Watussi, Schaf, Ziege, Zebu, Wasserbüffel, Jak etc. Das Horn fällt als Nebenprodukt bei der Schlachtung an, die Tiere werden also nicht wegen des Horns getötet.

Selbstverständlich stammt das Horn, das wir in den Handel bringen durchwegs von Tieren, die nicht dem Artenschutz unterliegen und nicht im Bestand bedroht sind. Meist handelt es sich um domestizierte oder halbwilde Arten des indischen oder afrikanischen Büffels.

Farblich variiert Horn, je nach Herkunft von schwarz über braun meliert bis hin zu gelb oder fast transparent, wie man es z.B. bei Albino-Tieren findet. Die Farbe sagt nichts über die Qualität aus. Diese wird in erster Linie von den Lebensbedingungen der Tiere bestimmt. So werden Hörner von Tieren, die in der freien Natur oder unter rauhen Bedingungen leben, erfahrungsgemäß härter und feinstrukturierter. Ebenso spielt die Lagerung und Verarbeitung eine große Rolle. Die Mehrzahl der in den Handel gelangenden Hörner stammt aus Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit. Bei der Lagerung ist darauf zu achten, daß die Hörner nicht zu schnell trocknen, da sie sonst ähnlich wie bei Tropenholz zur Rißbildung und Versprödung neigen. Auch bei der Verarbeitung, z.B. dem Aufschneiden oder Verschweißen ist eine zu starke lokale Erhitzung zu vermeiden.

Das farbintensive, meist reich gemusterte Horn des Madagaskar Zebus hat dieses Ursprungsland zu einem Zentrum der Horngewinnung und Verarbeitung werden lassen. Zur guten Qualität der Produkte, ausgewiesen durch hohe Bruchfestigkeit und feine Struktur, tragen sowohl die artgerechte Freilandhaltung der Tiere bei, als auch das tradierte Wissen und Formempfinden dort ansässiger Hornhandwerker.

Zu unterscheiden vom Horn ist Geweih- oder Zahnmaterial, obwohl dieses oft ebenso als "Horn" oder "Gehörn" bezeichnet wird. Hirschgeweih, Rentiergeweih, Elchgeweih, Wildschweinzahn etc. besteht nicht aus Keratin sondern im wesentlichen aus Calciumphospat, also Knochensubstanz. Demgemäß ist es auch wesentlich härter als Horn und erfordert andere Bearbeitungstechniken.

Verarbeitung

Eine Besonderheit des Horns ist, daß es sowohl mechanisch gut zu bearbeiten, als auch unter Hitzeeinwirkung plastisch verformbar ist.

  1. Mechanische Bearbeitung

    Zum Aufsägen eigenen sich japanische Zugsägen mit Universalverzahnung, z. B. Dozuki Universal (Nr. 712808) oder Kataba Universal (Nr. 712478). Bei der Verwendung von Band- oder Kreissägen ist darauf zu achten, daß das Material nicht überhitzt (Versprödung und Verletzungsgefahr durch Verklemmen). Ggf. mit Wasser kühlen. Horn läßt sich sehr gut raspeln, feilen, oder bohren, da es keine ausgeprägte Faserstruktur hat. Die Feinbearbeitung erfolgt mit Schleifleinen (Nr. 706350-57) und anschließend Micro Mesh Polierpads (Nr. 705420), unter Zugabe von Wasser oder nichttrocknendem Öl (z.B. Kamelienöl (Nr.705280), bis hin zur Hochglanzpolitur.

    Alternativ können auch traditionelle Poliermittel wie Bimsmehl (Nr. 810050) und Tripel, mit Öl oder Wasser gebunden, auf einem Baumwolltuch oder mittels Schwabbelscheibe verwendet werden. Für formgenaue Schleif- und Polierarbeiten hat sich eine mit Rauleder bespannte Holzscheibe unter Verwendung von Polierpaste (Nr. 705266) bewährt.

  2. Plastische Verformung (Biegen)

    Wenn Horn auf eine Temperatur von ca. 150-200°C erhitzt wird, lässt es sich gut biegen. Fixiert man es während der Abkühlung, so hält es die Form weitgehend. Dünne Teile kann man z.B. mit einem Heißluftföhn erhitzen. Da Horn ein schlechter Wärmeleiter ist muss man dabei behutsam vorgehen, um die Oberfläche nicht zu verbrennen. Stärkeres Material sollte zuerst für min. 20 Minuten im Wasser gekocht werden.

    Auch ein Erhitzen im Ölbad bis auf Biegetemperatur ist möglich, es eignet sich dazu z.B. eine Fritteuse mit Speiseöl. Auf diese Weise kann man Horn auch zu dünnen Platten verpressen oder bei entsprechend hoher Temperatur auch Laminate (Verschweißungen) von Hornteilen vornehmen. Die Teile sind dann bis zur vollständigen Auskühlung und Trocknung zu pressen.

  3. Kleben

    Wie bei allen Klebeverbindungen ist es vorteilhaft, die Oberflächen der beiden Klebepartner anzurauen, z.B. mit Schleifpapier Körnung 60. Da Horn Öl enthält, muss es vor dem Verkleben gründlich entfettet werden. Sie können dazu ein Lösungsmittel wie Aceton verwenden, besser ist es jedoch die Oberfläche mit einem Scheuermittel und Wasser zu reinigen (bindet das Fett im Gegensatz zum Lösungsmittel).

    Für Horn-Metall und Horn-Holz Paarungen (Messergriffe) eignet sich Epoxidkleber (Nr. 450382). Er ist transparent und spaltfüllend, erfordert jedoch vollkommen fettfreie Oberflächen. Sehr zuverlässige Klebungen, selbst mit ölhaltigen Hölzern, werden mit einem Resorcinharzkleber erzielt, der jedoch nicht transparent aushärtet. Für die Verklebung von kleineren Hornteilen untereinander kann Cyanacrylatkleber (Sekundenkleber) verwendet werden, er eignet sich auch die Korrektur kleiner Oberflächendefekte.

    Wie oben erwähnt können Hornplatten untereinander auch nach entsprechend hoher Erhitzung durch Pressen laminiert (verschweißt) werden.

  4. Oberfläche, Färben

    Um das Austrocknen und das damit verbundene Erblinden von polieren Hornoberflächen zu verhindern, kann man entweder regelmäßig mit einem nicht harzenden Öl (z.B. Kamelienöl) oder Wachs nachpolieren oder man bringt eine dünne Schellackversiegelung (DVD Nr. 713753) auf. Diese bewahrt oder verstärkt sogar den Glanz, macht das Horn unempfindlich gegenüber Handschweiß und verhindert die Versprödung. Schellack ist jedoch empfindlich gegenüber Lösungs- und Reinigungsmittel.

    Horn kann gebleicht, gebeizt und mit Anilinfarben gefärbt werden.

Pflege

Hornartikel sind nicht nur langlebig, sie gewinnen sogar durch den Gebrauch an Charakter, wenn man einige wenige Pflegehinweise beachtet:

  • Nicht zu lange trockener Hitze (Scheinwerfer, Sonne) aussetzen.
  • Nicht zu trocken lagern.
  • Nie in die Spülmaschine, nicht zu lange in Wasser oder in kochende Speisen geben.
  • Nicht mit lösungsmittelhaltigen Haushaltsreinigern oder Scheuermitteln reinigen. Abspülen mit warmen Wasser und leichter Seifenlauge genügt.
  • Keine hohen Biegebelastungen ausüben. Bei Minustemperaturen wird Horn spröde, die Bruchfestigkeit nimmt ab.
  • Gelegentlich mit Speiseöl, Kamelienöl oder Vaseline einreiben und nachpolieren.
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