Rasiermesser
Rasiermesser
- Geschichte der Rasiermesser
- Rasiermesser - Bauform und Schliffarten
- Die verschiedenen Kopfformen von Rasiermessern: Welche passt zu Ihnen?
- Welche Kopfform passt zu Ihnen?
- Angaben der Klingenbreiten beim Rasiermesser
- Die verschiedenen Schliffarten von Rasiermessern
- Schärfen und Polieren von Rasiermessern
- Nagelprobe beim Rasiermesser: so prüfen Sie Schärfe und Flexibilität
- Haarprobe beim Rasiermesser: Ein Test für ultimative Schärfe
EXPERTENWISSEN RASIERMESSER
Geschichte der Rasiermesser
Das Rasiermesser, wie wir es heute kennen, entwickelte sich im 17. und 18. Jahrhundert. Besonders in Frankreich und England wurde die Herstellung der Rasiermesser verfeinert. Mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert kam es zu bedeutenden Fortschritten in der Metallverarbeitung, was die Qualität und Verfügbarkeit von Rasiermessern weiter verbesserte. Firmen aus Solingen sowie später der in Frankreich ansässige Hersteller Thiers Issard, wurden für ihre hochwertigen Klingen weltweit bekannt.
Die Nassrasur blieb bis ins frühe 20. Jahrhundert die vorherrschende Methode zur Bartpflege. Erst mit der Einführung des Sicherheitsrasierers durch King Camp Gillette im Jahr 1901 begann sich die Rasierkultur zu verändern. Der Sicherheitsrasierer ermöglichte eine einfachere und sicherere Rasur, ohne die Schärfe und Präzision eines Rasiermessers und die entsprechende Handfertigkeit zu benötigen.
Trotz der Verbreitung moderner Rasierer und elektrischer Geräte hat das Rasiermesser nie an Reiz verloren. Im Gegenteil: In den letzten Jahren erlebt die Nassrasur eine Renaissance. Männer schätzen die ritualisierte Pflege, die Präzision und das stilvolle Erbe, das mit dem Rasiermesser verbunden ist. Die Nassrasur steht heute für Handwerkskunst, Achtsamkeit und den bewussten Umgang mit dem eigenen Körper.
Rasiermesser - Bauform und Schliffarten
Alles im Griff
Beim Griff eines Rasiermessers kommt es auf Ergonomie, Material und Balance an. Ein ergonomisch geformter Griff liegt sicher und bequem in der Hand, was für präzises Führen wichtig ist. Hochwertige Materialien wie Holz, Horn oder Kunststoff sorgen für Langlebigkeit und eine angenehme Haptik. Zudem sollte der Griff gut ausbalanciert sein, um die Kontrolle über das Rasiermesser zu erleichtern und eine gleichmäßige Führung zu ermöglichen. Bei klassischen Rasiermessern verschwindet die Klinge im Griff, wenn das Messer nicht in Gebrauch ist. Diese Bauweise dient dem Schutz der Klinge und verhindert Verletzungen. Der Griff fungiert dabei als Schutzhülle, in welche die Klinge eingeklappt wird. Bei einem Rasiermesser mit feststehender Klinge oder Wechselklinge ist dies nicht der Fall.
Die verschiedenen Kopfformen von Rasiermessern: Welche passt zu Ihnen?
Die Wahl der richtigen Kopfform bei einem Rasiermesser ist entscheidend für die Präzision und Handhabung der Rasur. Jede Kopfform bietet bestimmte Vorteile und eignet sich für unterschiedliche Rasiertechniken und Hauttypen. Hier sind die wichtigsten Kopfformen im Überblick:
Rundkopf:
Der Rundkopf (auch runder Kopf) hat eine sanft abgerundete Spitze.
Vorteile: Diese Kopfform ist besonders für Anfänger geeignet, da die abgerundete Spitze das Risiko von Schnitten minimiert. Der Rundkopf ist ideal für die großflächige Rasur im Gesicht oder am Hals.
Nachteile: Weniger präzise bei Detailarbeiten wie dem Rasieren um Bartkonturen oder an engen Stellen.
Gradkopf (Square Point):
Beim Gradkopf ist die Klinge gerade und die Spitze bildet einen scharfen 90°-Winkel.
Vorteile: Die scharfe Ecke ermöglicht präzises Arbeiten an Kanten wie beim Zurechtstutzen von Bärten oder dem Rasieren an schwer erreichbaren Stellen (z. B. unter der Nase).
Nachteile: Höheres Risiko von Schnitten, besonders für ungeübte Nutzer, da die scharfe Spitze sehr präzise, aber auch weniger verzeihend ist.
Französischer Kopf (French Point):
Der französische Kopf hat eine gebogene, leicht spitze Form, die an einen Viertelkreis erinnert.
Vorteile: Ähnlich wie der Gradkopf bietet er eine gute Kontrolle in schwierigen Bereichen, jedoch mit einer weniger scharfen Spitze. Dadurch wird die Handhabung etwas sicherer.
Nachteile: Er erfordert dennoch etwas Übung, da die spitze Form ein exaktes Führen der Klinge erfordert.
Spanischer Kopf (Spanish Point):
Der spanische Kopf hat eine leicht konkave Einbuchtung an der Spitze, die eine scharfe, aber feine Kante bildet.
Vorteile: Bietet präzise Kontrolle und eine scharfe Spitze für Detailarbeiten, während die konkave Form das Verletzungsrisiko etwas reduziert.
Nachteile: Auch dieser Kopf erfordert Erfahrung, da die spitze Form Schnitte verursachen kann, wenn sie nicht vorsichtig geführt wird.
Welche Kopfform passt zu Ihnen?
Anfänger sollten ein Rasiermesser mit Rundkopf bevorzugen, da dieser sicherer und einfacher zu handhaben ist.
Fortgeschrittene und Nutzer, die präzise Konturen rasieren möchten, profitieren von einem Gradkopf oder Französischen Kopf, da diese mehr Kontrolle und Genauigkeit bieten.
Profis oder erfahrene Nutzer, die eine Mischung aus Präzision und Sicherheit suchen, könnten den Spanischen Kopf bevorzugen.
Die Wahl der richtigen Kopfform hängt von Ihrem Erfahrungsgrad und den Rasurpräferenzen ab.
Angaben der Klingenbreiten beim Rasiermesser
Die Klingenbreiten der Rasiermesser werden traditionell in Inch angegeben.
Ein 3/8"-Messer ist ein eher kleines Messer, das zum Beispiel von Friseuren zum Ausrasieren des Nackenbereichs oder für nicht stark gerundete Körperstellen verwendet wird.
Die meisten Rasiermesser werden in 4/8", 5/8" und 6/8" angeboten; das sind die idealen Größen zum Rasieren. 7/8" und 8/8" erfordern besondere Erfahrung, während Anfänger mit 4/8" oder 5/8" beginnen sollten. Grundsätzlich sollte sich die Größe an der Hand- und Gesichtsgröße orientieren. Die 5/8" bzw. 6/8" Breiten sind die gängigen Breiten für die Bartrasur und eignen sich bevorzugt für Kinn- und Wangenbereiche.
Beim Barber werden meist Rasiermesser mit Wechselklingen verwendet, da diese eine hygienische Alternative zum Rasiermesser ohne Wechselklinge bieten. Nach jeder Nutzung werden die Rasierklingen ausgetauscht, so ist das Messer schnell bereit für eine präzise Rasur, ohne dass die Klinge regelmäßig geschärft werden muss.
Die verschiedenen Schliffarten von Rasiermessern
Die Wahl des richtigen Rasiermessers kann den Unterschied zwischen einer guten und einer herausragenden Rasur ausmachen.
Hier sind die wichtigsten Schliffarten und ihre Eigenschaften:
Flacher Schliff (Derber Schliff):
Der flache oder derbe Schliff ist der traditionellste Schliff. Hierbei wird die Schneide des Rasiermessers in einem gleichmäßigen Winkel geschärft, ohne eine Hohlform zu erzeugen.
Vorteile: Er bietet eine robuste Schneide, die sich gut für starke, tägliche Nutzung eignet.
Nachteile: Weniger flexibel, kann ein etwas gröberes Rasurbild erzeugen.
Halbhohlschliff:
Der Halbhohlschliff hat eine teilweise hohl geschliffene Schneide, die eine Mischung aus Flexibilität und Stabilität bietet.
Vorteile: Er ermöglicht eine präzisere Anpassung an die Hautkonturen und ist vielseitig genug für unterschiedliche Hauttypen und Bartwuchse.
Nachteile: Kann für Anfänger etwas schwieriger zu handhaben sein.
Vollhohlschliff:
Beim Vollhohlschliff wird das Messer vollständig hohlgeschliffen, wodurch eine sehr dünne, flexible Schneide entsteht.
Vorteile: Bietet eine außergewöhnlich sanfte Rasur und kann sich hervorragend an die Hautkonturen anpassen. Ideal für eine besonders gründliche und komfortable Rasur.
Nachteile: Erfordert regelmäßige Pflege und Schärfen, da die Schneide empfindlicher ist und schneller abstumpfen kann.
Der Schliff eines Rasiermessers beeinflusst direkt die Qualität der Rasur und den Pflegeaufwand. Während der Vollhohlschliff für eine besonders glatte Rasur sorgt, bietet der Halbhohlschliff eine gute Balance zwischen Flexibilität und Haltbarkeit. Der flache Schliff ist ideal für robuste Anwendungen. Die Wahl des richtigen Schliffs hängt von Ihren persönlichen Vorlieben und Ihrem Hauttyp ab. Eine präzise Wahl kann Ihre Rasur-Erfahrung erheblich verbessern.
Schärfen und Polieren von Rasiermessern
Viele Wege führen zum Ziel:
Beim Schärfen scheiden sich oft die Geister - was für den einen gut ist, muss für den anderen noch lange nicht die perfekte Lösung sein. Wir wollen Ihnen eine allgemeine Empfehlung von unserer Seite geben:
Bei einer Klinge, die restauriert werden muss:
Grundsätzlich sollte eine zu restaurierende Klinge auf einem Abziehstein abgerichtet werden. Hierfür empfehlen wir unsere Shapton Steine. Die keramische Bindung macht die Steine härter als Wassersteine und wegen der höchst verfügbaren Körnungen bis 16 000 ideal für das feine Schleifen von Rasiermessern. Vielen wird diese Schärfe bereits ausreichen, andere werden die Klinge mit Schleifpasten weiter auspolieren wollen. Nach dem Abziehen auf dem Stein (bzw. den Steinen), um die richtige Schneidengeometrie wiederherzustellen, empfehlen wir nacheinander die Anwendung von Bio-Diamantpasten der folgenden Güte: 6 Mikron, 3 Mikron, 1 Mikron und 0,25 Mikron. Auf diese Schritte folgen das Abziehen mit Chromoxid-Polierpaste und das anschließende Abledern des Rasiermessers ohne Paste.
Bei einem gebrauchsfertigen Rasiermesser, das dennoch nicht perfekt scharf ist:
Für Anfänger reicht die Thiers-Issard Schärfpaste auf Aluminiumoxidbasis aus, um eine Klinge in einen rasierfähigen Zustand zu bringen. Nach der Paste wird ohne Paste abgeledert. Profis empfehlen wir folgende Reihenfolge in der Anwendung: Bio-Diamant-Schärfpasten 6 Mikron, 3 Mikron, 1 Mikron, 0,25 Mikron, Chromox und schließlich das Abledern ohne Paste. Darüber hinaus zur regelmäßigen Pflege dieses Rasiermessers alle 2 bis 3 Wochen nacheinander folgende Anwendung: Bio-Diam 1 Mikron, Bio-Diam 0,25 Mikron, Chromox und schließlich ein Abledern ohne Paste.
Bei einem Rasiermesser, das bereits regelmäßig im Einsatz ist:
Wir empfehlen entweder vor der Rasur den Einsatz eines Abziehriemens mit Polierpaste von Thiers-Issard, gefolgt vom Abziehen ohne Paste, oder, von Beginn an, das Abziehen ganz ohne Paste.
Nagelprobe beim Rasiermesser: so prüfen Sie Schärfe und Flexibilität
Die Nagelprobe ist eine einfache Methode, um die Stärke und Flexibilität einer Rasiermesserklinge zu überprüfen. Dabei presst man die Schneide leicht flach auf den Daumennagel. Wenn sich die Klinge dabei sichtbar nach oben wölbt, zeigt dies, dass das Rasiermesser dünn genug ausgeschliffen ist. Sollte dies nicht der Fall sein, kann die Klinge durch Abziehen oder Schleifen verfeinert werden.
Gleichzeitig lässt sich bei der Nagelprobe der Grat der Klinge überprüfen. Um kleinste Unregelmäßigkeiten zu entdecken, fährt man vorsichtig mit dem Daumennagel ohne Druck an der Schneidkante entlang. Wenn die Klinge an bestimmten Stellen hängen bleibt, deutet das auf Verletzungen im Grat hin. Oft müssen diese Stellen mehrfach geprüft werden, da winzige Brüche im Grat erst nach dem ersten Erfühlen auftreten können.
Haarprobe beim Rasiermesser: Ein Test für ultimative Schärfe
Neben der Nagelprobe ist die Haarprobe eine bewährte Methode, um die Schärfe eines Rasiermessers zu testen. Dabei hält man ein einzelnes Haar an der Wurzel fest und bringt es vorsichtig zur Schneide des Rasiermessers. Ein perfekt geschärftes Rasiermesser sollte das Haar mühelos durchtrennen, ohne Druck ausüben zu müssen. Wird das Haar bereits durch eine leichte Berührung der Klinge zerschnitten, ist dies ein Zeichen für extreme Schärfe.
Wichtige Hinweise zur Haarprobe:
Die Haarprobe sollte idealerweise an einem sauber gewaschenen, trockenen Haar durchgeführt werden, da Öle oder Feuchtigkeit die Ergebnisse verfälschen können.
Diese Methode zeigt nicht nur die Schärfe, sondern auch die Gleichmäßigkeit der Schneide: Wenn das Haar an manchen Stellen der Klinge reißt oder ausweicht, ist die Schneide an diesen Punkten möglicherweise ungleichmäßig geschärft.
Fazit: Die Haarprobe ist eine präzise Methode, um zu überprüfen, ob ein Rasiermesser rasierbereit und in optimalem Zustand ist. Eine scharfe und gleichmäßig geschliffene Klinge sorgt für eine besonders sanfte und gründliche Rasur.