Sie träumen von einer eigenen Werkstatt, aber wissen nicht, wo Sie anfangen sollen? In unserer mehrteiligen Videoreihe zeigen wir Ihnen, wie Sie mit wenigen, grundlegenden Werkzeugen und drei Europaletten als provisorische Werkbank starten können und sich nach und nach eine funktionierende Holzwerkstatt selbst aufbauen. Hier finden Sie wichtige Informationen zum Projekt, wie die Listen und Pläne zum Nachlesen und Herunterladen.
- Wie anfangen?
- Werkzeug-Grundausstattung
- Welches Material für die Werkbank?
- Zuschnitt und Abrichten des Holzes
- Arbeitsschritte beim Zuschnitt
- Voraussetzung: Scharfe Werkzeuge!
- Holzverbindung: Keilzapfen
- Arbeitshöhe der Bank festlegen
- Verleimen der Keilzapfen
- Fertigstellen der Werkbank
- Arbeiten auf der selbstgebauten Werkbank
»Einfach mal anfangen«
Im ersten Teil legen wir dafür die Basis: Wir besprechen die Grundausstattung an Werkzeugen und das benötigte Material für den Bau unseres ersten Projekts, einer niedrigen Werkbank. Peter Lanz stellt zunächst die Idee vor und erklärt ausführlich, welche Werkzeuge er für den Einstieg empfiehlt. Auch das Material, eine Bohle massiver Buche, und Alternativen werden besprochen. Als provisorische Werkbank dienen zunächst drei Europaletten. Wie Sie diese für die Arbeit vorbereiten und welche Spannmöglichkeiten sie bieten, um zum Beispiel unser Buchenbrett zu besäumen und auf Länge zuzuschneiden, ist ebenfalls Bestandteil unseres ersten Tutorials.
Welche Werkzeuge brauche ich für meine Holzwerkstatt?
Für alle, die bei diesem Projekt mitmachen möchten, hier unsere Werkzeugempfehlungen:
Anreißwerkzeuge:
- DICTUM® Meterstab aus Weißbuche
- DICTUM® Schreinerbleistift
- Kapro® Winkel »Ledge-it«300 mm
- DICTUM® Streichmaß mit Feineinstellung
Schärfset für Stemm- u. Hobeleisen aus hochlegiertem Stahl und eine Bohrmaschine oder ein robuster Akkuschrauber. Zum Anzeichnen von langen Geraden noch ein Stück Schnur und ein paar kleine Nägel.
Vorläufige Werkbank
Als vorübergehende Werkbank dienen drei Europaletten. Sie sind schwer und stabil. Außerdem bieten sie die Möglichkeit, das Werkstück in allen möglichen Lagen festzuspannen, um es so an allen Enden bearbeiten zu können.
Arbeiten auf der provisorischen Werkbank: Zum Aufspannen der Werkstücke werden die beiden Temperguss-Schraubzwingen genutzt. Diese können durch die Spalten zwischen den Brettern der Palette eingesetzt und verdreht werden, sodass sie die Teile fest auf die Palette drücken. Zum Bearbeiten der Längskanten, können sie die oberen Paletten etwas nach hinten verschieben, das Werkstück auf die Fläche der untersten Palette aufstellen und mit den Zwingen gegen die Klötze der Platten spannen. Sollte die obere Palette beim Arbeiten wackeln oder sich verschieben, können Sie auch die Paletten mit einer Schraubzwinge untereinander verspannen.
Der erste Schritt zur eigenen Werkstatt
Für alle weiteren Projekte benötigen wir einen soliden Arbeitsplatz in Form einer stabilen Werkbank. Sie soll robust gebaut sein und alle Einspannmöglichkeiten bieten, um auf ihr nach und nach eine kleine Werkstattausstattung zu bauen. Wir haben uns für eine sog. »Roman Workbench« entschieden - eine niedrige Bank, auf der die Werkstücke durch runde Pins bzw. Bankhaken und das eigene Körpergewicht gehalten werden. Die Bohrungen für die Pins sind so angeordnet, dass Werkstücke unterschiedlicher Größe liegend, stehend und auch quer aufliegend sicher gehalten werden können.
Abb.: So sieht unsere fertige Werkbank aus. Ein einfache Konstruktion, die vielseitige Einspannmöglichkeiten bietet.
Material für die Werkbank
Sie brauchen nur ein Stück Holz, z. B. eine Massivholz-Bohle, die mind. 1200 bis ca. 2000 mm lang ist. Im Video verwendet Peter Lanz Buche (ca. 1200 x 400 x 52 mm). Sie können jedoch auch andere Harthölzer wie Eiche oder Esche und auch Nadelhölzer (Kiefer, Tanne) verwenden. Unsere Werkbank wird 1200 mm lang und 200 mm breit. Solch flache Hobelbänke können durchaus länger und breiter sein (z. B. 2000 x 350 mm). Sie können die Maße an Ihre Projekte bzw. Ihre Werkstatträume anpassen.
Unsere Buchenbohle ist 52 mm stark, bei Nadelhölzern sollte das Material etwas dicker sein (70 bis 80 mm), um ausreichend Gewicht und Stabilität in die Werkbank zu bringen. Die Bohle soll für alle benötigten Teile reichen, also für Arbeitsplatte und vier Beine, und muss entsprechend etwas breiter oder länger als die spätere Arbeitsplatte sein. Unser Material war ca. 400 mm breit, so dass wir einen breiten Streifen von 200 mm für die Arbeitsfläche und zwei Streifen mit je 52 mm für die Beine längs auftrennen konnten. Ein längeres Brett können Sie auch quer ablängen, um das Material für die Beine zu bekommen.
Grobzuschnitt und Abrichten des Holzes
Im zweiten Teil unseres Werkstatt-Aufbau-Tutorials geht es mit der Arbeit richtig los! Nachdem der Arbeitsplatz eingerichtet ist, fangen wir an, das Material für die künftige Werkbank vorzubereiten und zuzuschneiden. Peter zeigt Ihnen, wie Sie mit Handwerkzeugen eine gerade Fläche herstellen, um die Bauteile exakt anreißen zu können – eine der wichtigsten Grundlagen für die spätere Fertigung von stabilen Holzverbindungen.
Arbeitsschritte beim Grobzuschnitt
- Besäumen mit der Gestellsäge
Dabei wird die sog. Waldkante von der Bohle entfernt und eine erste gerade Kante erzeugt. - Abrichten
Diese Kante wird mit dem Hobel abgerichtet und dient anschließend als Referenz für alle folgenden Längsschnitte. - Anreißen und Auftrennen der Teile
Auf der Bohle werden die Breite der Arbeitsfläche und die Streifen für die Beine angerissen und mit der Gestellsäge entsprechend längs aufgetrennt. - Abrichten
An allen Teilen wird zunächst eine Längskante und eine Fläche rechtwinklig ausgehobelt. - Ablängen
Für die Beine werden die beiden schmalen Streifen in vier Teile je ca. 550 mm Länge unterteilt. Die endgültige Höhe der Werkbank und die Länge der Beine werden später noch ermittelt.
Arbeiten mit Gestellsägen
Für den Zuschnitt benutzen wir eine Gestellsäge. Über Gestellsägen, deren Aufbau und Funktion sowie das sichere Arbeiten damit, haben wir bereits einen ausführlichen Blogbeitrag erstellt.
Scharfe Werkzeuge sind Voraussetzung
Um gute Ergebnisse und glatte Oberflächen zu erhalten und beim Arbeiten mit den Kräften haushalten zu können, sind gut geschärfte Werkzeuge eine Grundvoraussetzung. Wie Sie Ihre Hobeleisen und Stechbeitel auf einem Kombistein mit den Körnungen 1000 und 6000 richtig schärfen, demonstriert Peter Lanz im dritten Teil der Videoreihe. Anschließend zeigt er, wie ein Hobel Nr. 62 präzise eingestellt wird, um damit schnell und effizient zu hobeln.
Abb.: Mithilfe einer Schärfführung können Sie den Fasenwinkel der Werkzeugschneide exakt reproduzieren
In unserer YouTube-Playlist »Richtig schärfen« erfahren Sie, was Schärfe überhaupt ist, wie Sie unterschiedliche Werkzeuge und Messer wie ein Profi schärfen und welche Hilfsmittel Ihnen dabei die Arbeit erleichtern können. Wenn Sie das Schärfen unter professioneller Anleitung erlernen möchten, besuchen Sie einen unserer Schärfkurse in der DICTUM Kurswerkstatt.
Keilzapfen – einfacher als er aussieht!
Wenn alle Beine quadratisch ausgehobelt sind und auch die Platte ihre endgültige Größe hat, ordnen Sie alle Teile so an, wie sie später in der Werkbank auch miteinander verbunden werden und kennzeichnen Sie sie mit dem Schreinerdreieck. Anschließend können Sie die Holzverbindungen anreißen. Wie dies im Detail abläuft, sehen Sie im vierten Teil unserer Videoreihe.
Für unsere Werkbank nutzen wir den sog. Keilzapfen, eine Verbindung, die zunächst etwas kompliziert aussieht, nach dem Anreißen jedoch recht einfach zu fertigen ist. Um Ihnen das Anreißen zu erleichtern, haben wir zusätzlich zu den hier abgebildeten Maßzeichnungen auch eine Abwicklung (PDF zum Herunterladen) erstellt, aus der Sie alle wichtigen Maße übernehmen können.
Wir empfehlen, dass Sie die Anfertigung eines Keilzapfens zunächst an einem Probestück auszuprobieren, um nachher Fehler an den bereits fertig dimensionierten Teilen der Werkbank zu vermeiden. Die Aussparungen in der Platte werden zunächst mit der Gestellsäge eingeschnitten. Ein zusätzlicher Entlastungsschnitt vereinfacht das anschließende Ausstemmen mit dem Stechbeitel. An den Beinen wird die angezeichnete Schräge zuerst mit der Gestellsäge grob abgesägt und dann mit dem Hobel genau bis zum Riss gehobelt. Anschließend sind noch ein paar kleinere Anpassungen an den Aussparungen nötig. Weil die Beine in zwei Richtungen geneigt sind, müssen Sie die Fläche der Innenkante etwas nachstemmen, bis der Keilzapfen an allen Seiten dicht anliegt.
So wird die Arbeitshöhe der Werkbank festgelegt
Nachdem die Holzverbindungen eingepasst sind, wird zunächst das Schreinerdreieck auf die Unterseite aller Teile (Arbeitsplatte und Beine) übertragen, damit es später beim Verleimen sichtbar ist, und alles noch einmal zusammengesteckt. Denn vor dem Verleimen müssen die Beine auf ihre endgültige Länge abgesägt werden. Wir haben uns für eine Arbeitshöhe von 500 mm entschieden und müssen alle Beine um etwas mehr als 50 mm kürzen. Um dabei die Werkbank waagerecht auszurichten, gibt es zwei Möglichkeiten, die Peter Lanz im 5. Teil der Videoreihe demonstriert.
1. Stehend Nivellieren mit Klötzchen
Wenn die Werkbank bereits recht sicher steht und Sie einen ebenen Boden haben (oder eine andere ebene Fläche, auf der die Werkbank stehen kann), können Sie den Überstand der Beine ausmessen. Sägen Sie sich dann ein Holzklötzchen in der Länge des Überstandes zu und legen einen Bleistift darauf, mit dem Sie an allen Beinen ringsum das Endmaß markieren. Tipp: halbieren Sie den Bleistift an der Spitze, sodass diese direkt auf dem Klötzchen aufliegt.
Abb.: Anzeichnen des Überstands mit Klötzchen (links) oder Hilfsleiste (rechts)
2. Unterseite der Bankplatte als Referenz
Ist Ihr Werkstattboden sehr uneben oder die Beine unterschiedlich lang, und wackelt die Werkbank sehr, können Sie die Länge auch von der Unterseite der Bankplatte aus anreißen. Drehen Sie dazu die Werkbank um und sägen Sie eine Hilfslatte in der gewünschten Länge zu. Nun führen Sie die Latte um die Beine herum und markieren dabei deren Länge. Tipp: nehmen Sie einen Schreinerwinkel zu Hilfe, damit Sie die Latte stets senkrecht führen und alle Beine gleichlang werden. Diese Methode funktioniert nur zuverlässig, wenn die Unterseite der Bankplatte plan ist. Sollte sie uneben sein, müssen Sie ggf. die Beine später nacharbeiten.
Anschließend werden die Beine entlang der Markierungen mit der Gestellsäge abgesägt. Damit das Holz nicht absplittert, wenn die Werkbank über den Boden geschoben wird, sollten Sie die Schnittflächen anschließend ringsum gut anfasen. Jetzt ist auch ein guter Zeitpunkt, um alle Längskanten an Platte und Beinen zu brechen bzw. leicht anzufasen. Nach dem Verleimen ist dies kaum mehr möglich.
Werden die Beine der Werkbank verleimt?
Ja, die Keilzapfenverbindungen werden verleimt, um dauerhaft sicheren Halt zu gewährleisten, vor allem, wenn die Werkbank einmal angehoben wird. Bestreichen Sie alle Flächen an den Keilzapfen und in den Aussparungen der Bankplatte reichlich mit Holzleim, insbesondere an den Stirnholzflächen zieht der Leim rasch ein. Achtung: am Zapfen nur die Innenflächen mit Leim bestreichen, nicht die Außenfläche des Beins! Verleimen Sie ein Bein nach dem anderen und klopfen Sie die Keilzapfen stets fest in die Aussparungen. Achten Sie darauf, dass die Zapfen ringsum dicht anliegen und überall der Leim herausquillt – das ist ein gutes Indiz dafür, dass alles passt. Die Verbindungen brauchen nicht mit Zwingen gepresst werden, ordentlich eingeklopft bekommt der Keilzapfen auch so genügend Druck.
Fertigstellen der Werkbank
Im 6. Teil unserer Serie »Werkstatt von 0 auf 100« wird die Arbeitsfläche der Werkbank geputzt und die essenziellen Einspannmöglichkeiten angebracht. Dazu sägen wir zunächst die Überstände der Beine ab, verputzen die Keilzapfen und richten die gesamte Oberseite der Bankplatte mit dem Hobel Nr. 62 noch einmal ab.
Abb.: Positionen der Bankhakenlöcher, Layout für Werkbänke mit einer Länge von 1500 bis 2150 mm
Um Werkstücke auf der Werkbank einspannen und bearbeiten zu können, werden keine Spannzangen benötigt, wie sie an herkömmlichen Hobelbänken zu finden sind. Wir benötigen nur ein paar Bohrungen, in die Bankhaken und Niederhalter eingesetzt werden können. Wichtig ist die richtige Positionierung der Löcher. Auch dafür haben wir uns am Vorbild der »Roman Workbench« von Christopher Schwarz orientiert, wie er sie u. a. im Buch »Ingenious Mechanicks - Early Workbenches & Workholding« (Nr. 714362) beschreibt. Einen Plan mit den genauen Positionen der Bohrungen können Sie durch Klicken auf das Bild als PDF herunterladen. Für die Bohrungen haben wir einen Akkuschrauber mit 19 mm Schlangenbohrer (»Auger Bit«) verwendet.
Als Bankhaken dienen einfache Holzstifte, die wir aus Reststücken des Werkbankmaterials zunächst mit Stechbeitel und Hammer spalten und anschließend mit dem Hobel erst abrichten, dann zu achtkantigen Stäben aushobeln und letztendlich komplett abrunden.
Welche Spannmöglichkeiten bietet die selbstgebaute Werkbank?
Unsere Werkbank bietet alle Spannmöglichkeiten, die zur Bearbeitung von Stirnseiten, Längskanten und Flächen nötig sind.
Sägen: Beim Ablängen und Auftrennen in Längsrichtung kann das Werkstück mit dem Knie gehalten werden. Damit nichts verrutscht, können zwei Stifte als Anschlag in gegenüberliegende Löcher der Werkbank gesteckt werden. Kleine Werkstücke können mit einem Niederhalter (Nr. 705756) gespannt werden. Dazu wird der Niederhalter in eines der Löcher gesteckt. Seine verbreiterte Spannfläche liegt auf dem Werkstück auf, gegebenenfalls kann eine Zulage dazwischengelegt werden. Durch einen Schlag mit dem Hammer von oben auf den Kopf wird der Niederhalter verklemmt. Das Werkstück kann zusätzlich mit einem Stift als Anschlag gegen Verdrehen gesichert werden. Zum Lösen wird seitlich gegen den Kopf des Niederhalters geschlagen.
Hobeln: Zum Hobeln der Flächen wird das Werkstück gegen zwei Stifte in den parallelen Löchern nahe des Plattenendes gelegt. Vor dem Werkstück sitzend kann dieses dann gehobelt werden. Lange Werkstücke können auch durch Draufsetzen gehalten werden. Man hobelt, soweit die Armlänge ausreicht, dann wird das Werkstück nachgeschoben. Zum Schruppen von sägerauem Holz, also quer zum Brett, oder zum Hobeln von sehr breiten, kurzen Werkstücken wird das Werkstück auf der Werkbank sitzend mit den Knien gegen die Anschläge in den Löchern am Ende der Bank gedrückt und der Bereich zwischen den Beinen gehobelt. Um die gesamte Fläche erreichen zu können, wird das Brett seitlich verschoben. (Fotos/Screenshots von Arbeiten auf der Werkbank)
Abb: Für die Bearbeitung von Kanten, Stirnseiten und Flächen bietet die Werkbank vielseitige Einspannmöglichkeiten
Beim Hobeln der Längskanten von Brettern wird ein Stift in eines der beiden zentral gebohrten Löcher als Anschlag eingesetzt. Damit das Brett nicht seitlich umkippt, sucht man zwei passende Löcher links und rechts neben dem stehenden Brett und setzt Stifte hinein, die das Werkstück seitlich unterstützen. Wenn Sie mehr als drei Stifte verwenden, können zusätzliche Keile zwischen Werkstück und Stiften für einen noch besseren Halt sorgen. Für das Hobeln der Enden (Bestoßen) mit einem auf der Seite liegenden Hobel kann ein zweites Brett unter das Werkstück gelegt werden, oder es kommt eine Bestoßlade zum Einsatz.
Holzverbindungen: Auch das Anfertigen von Holzverbindungen sowie das dazu nötige Stemmen ist auf der selbstgebauten Werkbank möglich. Wie dies im Einzelnen funktioniert, werden wir Ihnen in den künftigen Teilen unserer Reihe »Werkstatt von 0 auf 100« im Detail erklären. Sie dürfen sich auf weitere interessante Projekte freuen!