Stemm- und Hobeleisen müssen scharf sein, damit sie die Holzfasern sauber schneiden und nicht ausreißen. Eine scharfe Schneide sorgt für präzises Arbeiten, glatte Oberflächen und deutlich weniger Kraftaufwand. Dadurch arbeiten sie kontrollierter, sicherer und erzielen bessere Ergebnisse.
Schleifen der Spiegelseite und Fase sowie Abziehen
Entscheidend für die gute Funktion von Stemm- und Hobeleisen ist, dass die Spiegelseite (Rückseite) absolut plan ist. Bei neuen Werkzeugen ist die Spiegelseite oft nicht zu 100 % plan bzw. trägt noch grobe Schleifspuren von der Fertigung. Um jedoch eine scharfe Schneide zu erhalten, muss diese fein ausgeschliffen werden. Je nach Tiefe der Schleifspuren bzw. der Fertigungsplanheit muss die Spiegelseite zuerst vorgeschruppt werden. Westliche Stemm- und Hobeleisen können auf einem Diamantblock abgerichtet werden. Bei ihnen genügt es in der Regel, die ersten 2/3 der Spiegelseite abzurichten. Danach wird die Spiegelseite lediglich mit dem feinsten Schärfstein beim Abziehen bearbeitet.
- Spiegelseite im 90°-Winkel zur Längs- seite des Diamantblocks auflegen
- Schneide so nah wie möglich an der gegenüberliegenden Schärfsteinkante führen
- Klinge unter leichtem Druck und Führung durch die Finger am Stein vor- und zurückbewegen
- Glänzende Flächen zeigen die ebenen Stellen der Spiegelseite, während die dunkleren noch keinen Kontakt mit dem Schärfstein hatten (wichtig sind der vordere Bereich an der Schneide, circa 3 mm, und die Kanten)
- Nach diesem Vorschliff auf feineren Steinen (z. B. Körnung 1000 und 6000) mit gleichen Bewegungen wie beim Vorschliff auspolieren, bis keine Kratzer mehr sichtbar sind
Japanische Eisen können mit Diamantblöcken abgerichtet werden oder mithilfe eines Polierstahls und Siliziumkarbidpulver.
Auf dem Polierstahl wird das Eisen zusammen mit Siliziumkarbidpulver und
Wasser bei relativ hohem Druck bearbeitet. Ein Stück Holz erleichtert dabei
den Druckaufbau. Das Schleifpulver zerreibt sich dabei zu einer feinkörnigen
Paste, die zugleich einen Poliereffekt erzeugt. Dieses Abrichten der
Spiegelseite erfolgt in der Regel nur einmalig bei fabrikneuen Werkzeugen.
Hierzu werden plane, abgerichtete Abziehsteine verwendet. Danach wird die
Spiegelseite lediglich mit einem feinem Schärfstein abgezogen.
Schleifen der Fase
Anschließend kann der Fasenwinkel geschärft werden. Er beträgt, abhängig vom Verwendungszweck des Werkzeugs, 23° bis etwa 40°. Zur Überprüfung des Fasenwinkels empfehlen wir eine Winkellehre oder einen kleinen Winkelmesser.
► Je kleiner der Fasenwinkel (1), desto geringer die Schnittkräfte und desto
empfindlicher die Schneide. Je größer der Fasenwinkel (2), desto höher die Schnittkräfte und um so robuster die Schneide. Aus diesem Grund ist die Ermittlung des Fasenwinkels
ein Optimierungsprozess, abhängig von der Holzart, der Arbeitsweise
und der Stahlqualität.
Das Schärfen entspricht im Wesentlichen dem Vorgehen bei Messern, man schärft zuerst auf Körnung 1000 die Fase. Das Eisen wird leicht diagonal auf den Stein aufgesetzt und unter Beibehaltung des Fasenwinkels werden gleichmäßige lineare Schärfbewegungen durchgeführt. Auch hier sind Kipp- und Wippbewegungen möglichst zu vermeiden. Nutzen Sie die gesamte Oberfläche des Steins, um eine hohe Effizienz und einen gleichmäßigen Verschleiß des Schärfsteins zu gewährleisten.
Abziehen
Nun zieht man auf Körnung 4000 bzw. 8000 sowohl die Fasenseite als auch die Spiegelseite des Eisens ab. Zur Verbesserung der Abziehwirkung und Spiegelpolitur der Schneide kann mit einem Nagurastein, durch Reiben auf dem Abziehstein, eine sehr feinkörnige Abziehpaste erzeugt werden.
Durch Wippbewegungen beim Schärfen entsteht eine ballige, ungeeignete Schneidengeometrie (1). Ähnliche Fasenabrundungen werden von schnell laufenden Filzpolierscheiben erzeugt, von denen wir abraten.
Bei Hobeleisen genügt es für eine gute Funktion nicht, nur das Eisen zu bearbeiten. Auch die Spanbrecherkante muss auf dem Schärfstein plan abgerichtet werden, sodass eine spielfreie Passung entsteht
und sich keine Späne verklemmen können (2).
Bei dicken (japanischen) Eisen ist durch die größere Auflagefläche die Einhaltung des Winkels eher zu gewährleisten als bei dünnen Eisen. Ein Indikator für gleichmäßigen Anpressdruck ist die Schleifspur, die auf dem Stein verbleibt. Zur exakten Einhaltung des Fasenwinkels kann eine Schleifführung von Vorteil sein.
Hobeleisen – Die Lie-Nielsen-Methode
Lie-Nielsen Toolworks, Hersteller hochwertigster Metallhobel, hat in Zusammenarbeit mit David Charlesworth eine Schärftechnik zusammengestellt, die mit wenig Aufwand und in kürzester Zeit schärfste Schneiden an Hobeleisen erzeugt. Polieren Sie als erstes die Spiegelseite des Hobeleisens mit dem sogenannten Linealtrick. Dazu wird auf die Längskante eines feinen Abziehsteins ein dünnes Stahllineal gelegt und über der gegenüberliegenden Längskante des Steins die Spiegelseite des Eisens vorne an der Schneide poliert (1).
Anschließend wird eine Mikro- bzw. Sekundärfase an der Primärfase des Hobeleisens angeschliffen (2). Das bedeutet, dass an die Fase, z. B. 25° bei Putzhobeln, eine zweite um ein paar Grad stumpfere Sekundärfase (z. B. Fasenwinkel 30°) angeschliffen wird. Mit Hilfe einer Schleifführung und einer selbstgebauten Schablone zum Einstellen der Winkel (siehe unten) wird zuerst die Primärfase auf einem groben Schärfstein bzw. Diamantblock angeschliffen.
Nach Verstellen des Schleifwinkels auf den gewünschten End-Fasenwinkel (30°, 35°, 40°, 45°) wird auf einem feineren Stein (z. B. Körnung 1000) eine Sekundärfase angeschliffen (1). Dazu benötigen Sie nur ein paar Züge über den Stein. Das Resultat ist eine extrem schmale zweite Fase. Zum Polieren der Sekundärfase bedarf es lediglich zehn Züge auf einem 6000er Abziehstein.
Abschließend, mit dem Linealtrick, die Spiegelseite mit 10-20 Zügen fein polieren. Zum Nachschärfen ziehen Sie nur die Sekundärfase ab und polieren mit dem Linealtrick die Spiegelseite. Im Laufe der Zeit wird die Sekundärfase immer breiter, d. h. die Fläche, die es zu polieren gilt, immer größer. Damit dies schnell bewerkstelligt werden kann, schleifen Sie von Zeit zu Zeit die Primärfase auf dem gröbsten Stein, den Sie haben, so weit zurück, dass das Nachschärfen der Sekundärfase wieder flott vonstattengeht.
Alternativ kann dazu auch eine Schärfführung und selbstklebendes Schleifpapier, das auf eine Granitplatte aufgeklebt wird, verwendet werden (2).
Auch Stemmeisen können mit der Lie-Nielsen- Methode geschärft werden. Allerdings darf bei diesen der Linealtrick nicht angewendet werden. Bei Stemmeisen muss die Spiegelseite absolut flach bleiben, denn sie dient beim feinen Arbeiten als Führungsfläche.
Schablone zum Einstellen der Winkel an der Schleifführung
- Anschlag
- Anschlagleiste
für Bankplatte
- Schleifführung
Durch Beilegen eines Distanzholzes zwischen Anschlag und Schneide kann der Fasenwinkel zusätzlich vergrößert werden, z. B. zum Anbringen einer Sekundärfase (4).
Gerundete Hobeleisen
Eine exakt gerade Schneide ist bei den meisten Hobelanwendungen wünschenswert. Jedoch gibt es Situationen, in denen sich die scharfkantigen Außenecken der Schneide beim Hobeln größerer Flächen im Holz abzeichnen und Riefen hinterlassen. Um dies zu vermeiden, können eine leichte Krümmung über die gesamte Schneidkante oder ein Abrunden der Ecken an der Fase des Hobeleisens Abhilfe schaffen.
Anschleifen einer leichten Rundung
Als Faustregel gilt: die Ecken müssen nur etwas weiter gerundet werden als der abzutragende Span dick ist – für einen Putzhobel ca. 0,05 mm (1). Bei größerer Spanabnahme, wie z. B. beim Schrupphobel, wird die Schneidkante über die gesamte Breite gerundet (2).
Zum Erzeugen gerundeter Schneiden gibt es Schärfhilfen mit gerundeter Auflagerolle (3), die es ermöglichen, unter genauer Einhaltung des Fasenwinkels Hobeleisen mit einer leichten Rundung zu versehen.
Schärfhilfen
Schärfhilfen besitzen in der Regel zwei Backen und ermöglichen ein reproduzierbares, exakt winkliges Schärfen aller Klingen mit geraden Schneiden. Je nach Ausführung auch für kurze, irreguläre, konische und japanische Eisen, sowie für leicht gerundete oder schräg angeschliffene Eisen geeignet. Schärfhilfen werden in zwei Gruppen eingeteilt:
1. Schärfhilfen mit seitlicher Klemmung
Eigenschaften:
- Referenzflächen sind Spiegelseite und Kanten
- Nur für Stemm- und Hobeleisen geeignet die maschinell gefertigt werden und dadurch 100 % parallele bzw. winklige Kanten aufweisen (westliche Stemmeisen)
- Bei großer Kantenstärke keine Klemmung möglich
- Gute Handhabung ohne störende horizontale Klemmschrauben
- Gute Fixierung durch lange Druckflächen
2. Schärfhilfen mit horizontaler Klemmung
Eigenschaften:
- Referenzflächen sind Spiegelseite und Oberseite
- Ideal für Stemm- und Hobeleisen die aufgrund Handfertigung keine 100 % parallelen bzw. winkligen Kanten aufweisen (japanische Stemmeisen)
- Für konische Stemmeisen geeignet
- Zeitaufwendig in der Einstellung, da keine Winkelvorgabe
- Schräge Anschliffe möglich