Wie man eine Schneide von einem stumpfen in einen scharfen Zustand versetzt - darüber gehen die Meinungen auch in Fachkreisen oft weit auseinander. Wir bevorzugen die Technik, die sich seit Jahrhunderten für die schärfste aller Klingen, das Samuraischwert, bewährt hat:
Das Schärfen mit Wassersteinen.
Diese Methode, gleichermaßen geeignet für Messer und Werkzeuge, wird hier zusammen mit vielen Tipps und Tricks unserer Schärfexperten vorgestellt.
Was ist Schärfe?
Rein technisch verstehen wir darunter die Verschneidung zweier Flächen, der Fasenfläche bzw. Fase und der Spiegelfläche einer Klinge. Sie definieren den Schneidenwinkel. Ihre Schnittlinie bildet die Schneide, auch »Schneidkante« genannt. Beim Schärfen geht es also darum, Material an der oder den Fasenflächen präzise abzutragen, um wieder eine perfekte »Verschneidung« zu erzielen. Um eine extreme Schärfe zu erreichen, müssen diese beiden Flächen, die sich in der Schnittlinie treffen, so fein wie möglich auspoliert werden. Die erzielbare Schärfe hängt dabei von vier Faktoren ab:
- der Feinkörnigkeit des Schärfsteins (je feinkörniger, umso schärfer)
- der Feinkörnigkeit und Härte des Klingenstahls (je feiner und härter das Gefüge, umso schärfer)
- der Geometrie der Schneide (je kleiner der Schneidenwinkel, umso geringer der Schnittwiderstand)
- dem Können des Schärfers
Winkeltabelle
Die in der folgenden Tabelle angegebenen Winkel können als Anhaltspunkte genommen werden. In speziellen Fällen können die Schneidenwinkel von den angegebenen Werten abweichen.
| O | Schaber / Ziehklingen | bis 75° |
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O | Scheren | 55° – 60° |
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O | Stemm- / Hobeleisen | 23° – 35° |
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O | Spalt- / Fälläxte | 25° – 30° |
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O | Forstäxte | 20° – 25° |
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O | Messer / Bildhauereisen | 15° – 25° |
Schärfsteine
Das Schärfen von Hand auf Banksteinen hat den Vorteil, dass:
- die Härte des Stahls nicht beeinträchtigt wird, da keine Hitze entsteht (kein Ausglühen)
- eine exakte Geometrie der Schneide erzeugt werden kann (keine Abrundung wie bei Filz- oder Gummischeiben)
- das Schärfen selbst ungefährlich ist (kein Funkenflug)
- beliebig feine Körnungen verfügbar sind
- die erforderliche Grundausstattung keinen hohen finanziellen
Aufwand erfordert
Wassersteine
Das Wasser dient hier als Spülmedium. Es verhindert, dass die Poren des Steins durch den Abrieb zugesetzt und seine Schleifwirkung verringert wird. Wird der Stein weniger häufig mit Wasser gespült, bildet sich aus dem Abrieb eine pastöse Schlämme, die die Schleifwirkung herabsetzt. Dies wird von geübten Schärfern ausgenutzt, um eine feinere Schleifwirkung zu erhalten und damit einen größeren Körnungssprung zwischen Schärfsteinen auszugleichen. Die Steine müssen vor Gebrauch 10-15 Minuten im Wasserbad gelagert werden. Keramische Steine, beispielsweise von Shapton, nehmen kaum Wasser auf. Hier reicht ein kurzes Wasserbad von einer Minute.
Synthetische Schleifmittel
1) Siliziumkarbid zeichnet sich durch besonders scharfkantige Kristalle aus, ist jedoch sehr spröde. Es wird vor allem für grobe Körnungen verwendet und hat durch seine Form einen sehr guten Abtrag.
Grünes Siliziumkarbid ist die zäheste und reinste Form des Siliziumkarbids.
2) Korund (Aluminiumoxid) ist nach dem Diamant das zweithärteste Mineral und eignet sich durch seine massive Form hervorragend als Schleifmittel. Im Schleifverhalten ist es deutlich feiner als Siliziumkarbid.
Edelkorund weiß (»weißes« Aluminiumoxid) ist eines der reinsten Schleifmittel und wird deswegen auch als »Edelkorund weiß« bezeichnet.
Diamantbeschichtete Schärfblöcke
Alternativ zu japanischen Wassersteinen können auch Schärfmittel mit Diamantbeschichtung verwendet werden. Die Diamantpartikel sind auf extrem planen, verzugsfreien und unzerbrechlichen Trägerplatten aufgebracht. Dies hat den Vorteil, dass die Diamantsteine in hohem Maße verschleißfest sind und dauerhaft plan bleiben. Kein Hohlschleifen mehr, kein Abrichten mehr. Die hochwertigen monokristallinen Diamantpartikel gewährleisten einen raschen Abtrag selbst bei härtesten Werkzeugstählen wie HSS, HM- und PM-Stählen. Wir empfehlen, die Diamantsteine mit Wasser zu benetzen und mit wenig Druck zu schleifen.
Ölsteine
Manche Steine bilden in Kombination mit Öl einen gleitfähigen Schmierfilm, der den Stein greifen lässt. Poröse Steine sind in der Regel mit Öl vorgetränkt und benötigen zum Schärfen nur ein paar Tropfen Schleiföl auf der Steinoberfläche. Steine mit geschlossenen Poren saugen nicht viel Öl, auch hier reichen ein paar Tropfen Schleiföl auf der Oberfläche. Da Öl den Stein nicht wie Wasser spült, setzt er sich schneller zu. Der Stein kann mit Petroleum gereinigt werden.
Wieso gibt es zwischen einzelnen Herstellern, Schärfsteinserien und selbst innerhalb von Schärfsteinserien Steine, die gefühlt eine bessere Schleifleistung haben als andere?
Shapton erklärt dieses komplizierte Zusammenspiel von fünf Komponenten im nebenstehenden Diagramm.
Die zwei Diagramme zeigen den Unterschied zwischen einem 4000er Stein
mit härterer Bindung und einem 4000er Stein mit weicherer Bindung.
Als Referenz haben wir noch das Diagramm eines 220er Steins mit harter
Bindung abgebildet. Alle Komponenten beeinflussen sich untereinander.
- Schleifgefühl Jeder Schärfer kennt den Unterschied zwischen einem Stein, der »zieht« (der guten Abtrag hat oder sich anfühlt, als würde er gut abtragen) und einem Stein, der gefühlt keinen Abtrag hat bzw. nur über den Stein kratzt. Shapton hat versucht, dieses »Gefühl« in firmeninternen Tests mit Mikroskopmessungen darzustellen.
- Härte des Bindematerials Dies könnte man auch als Verschleißfestigkeit bezeichnen. Der Wert zeigt an, wie lange ein Schleifkorn gehalten wird, bevor es aus der Bindung »entlassen« wird. Harte Stähle verlangen nach einer weicheren Bindung, weiche Stähle nach einer härteren Bindung.
- Empfindlichkeit Diese Komponente gibt an, wie »empfindlich« ein Schleifstein ist. Ein »empfindlicher« Stein kann zum Beispiel nicht dauerhaft im Wasser gelagert werden oder bricht eventuell schneller als ein robuster Stein.
- Härtegrad des Schleifmaterials Je härter das Schleifmaterial desto tiefer die Spuren am zu schleifenden Werkzeug und desto höher die Schleifkraft.
- Reinheit der Körnung Je gleichmäßiger (reiner) die Körnung umso besser das Schleifergebnis. Eine Mischkörnung bzw. nicht reine Körnungen ergeben immer Abstriche im Schleifverhalten.
Nach welchen Kriterien wähle ich den für mich geeigneten
Schärfstein aus?
Schärfsteine sind stets für bestimmte Stahlsorten und oft auch Anwendungszwecke (z. B. Rasiermesser) ausgelegt. Dies bedeutet nicht, dass ein Schärfstein, der beispielsweise für niedriglegierte Stähle entwickelt wurde, nicht für HSS verwendet werden kann. Wer optimale Performance sucht, kommt jedoch an dieser Empfehlung nicht vorbei. Vor allem, wenn die Stahlarten sich extrem unterscheiden, merkt selbst der Laie den Unterschied sofort am Schleifgefühl (Eisen saugt sich am Stein fest, Stein schmiert sofort zu…)
Bringen Sie ihr Werkzeug einfach mit in unsere Ladengeschäfte oder in unsere Workshops und testen Sie unsere unterschiedlichen Steinserien vor dem Kauf.
Dass die Angaben des Herstellers nicht nur Marketingzwecken dienen, sondern sich sowohl auf das Schleifgefühl als auch auf das Schärfergebnis auswirken, prüfen wir durch Mikroskopaufnahmen, bevor wir eine neue Schärfsteinserie in unser Sortiment aufnehmen.
Falls Sie Fragen haben beraten wir Sie gerne!