Stechbeitel-Sets / Stemmeisen-Sets
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Stechbeitel-Sets / Stemmeisen-Sets
EXPERTENWISSEN STECHBEITEL-SETS
3-teilig, 6-teilig oder 10-teilig – welche Zusammenstellung ist sinnvoll?
Ein Stechbeitel-Set hat meist nicht nur einen Preisvorteil. Es beinhaltet auch alle gängigen Größen, die man im Alltag benötigt. Am häufigsten ist der 6-teilige Satz, bestehend aus 6, 10, 12, 16, 20 und 26 mm breiten Eisen. Bei einem 6-teiligen Stechbeitel-Set beträgt der Preisvorteil zum Beispiel durchschnittlich 8 –12% im Vergleich zum Kauf der Einzeleisen (abhängig von der Qualität der Rolltasche oder Holzschatulle).
Hauptanwendungszweck von Stemmeisen ist das Herstellen einer Zinkenverbindung. Die Zinkenbreite ist jedoch nicht immer gleich, sondern abhängig von der der Holzstärke. Aus diesem Grund ist ein Stechbeitel-Set sinnvoll. In der Regel geht man von 1/3 der Holzstärke aus. Somit braucht ein 20 mm starkes Brett (z.B. für eine Schublade) eine Zinkenbreite von ca. 6,5 mm. Für diese Breite nutzt man ein 6 mm breites Stemmeisen. Wird ein Bettgestell gezinkt, würde man eher ein 30 mm starkes Brett benutzen. Hier wäre ein 10 mm Stemmeisen ideal. Es werden aber nicht nur die Zinkenaussparungen gestemmt, sondern auch die Schwalben. Diese Aussparungen sind bereits an der schmalen Stelle breiter als die der Zinken. Somit ist ein 16 oder 20 mm breites Eisen ideal. Fingerzinken werden in der Regel generell breiter ausgeführt, hier kämen 12 oder 16 mm in Frage.
Auch Schlitz- und Zapfenverbindungen werden häufig mit Stemmeisen hergestellt. Hier drittelt man ebenso in der Regel die Holzstärke, somit kommen häufig das 6 und 10 mm breite Stemmeisen zur Anwendung. Bleibt noch der 26 mm Beitel. Ein breites Eisen sollte im keinem Set fehlen. Es dient dazu, überstehende Teile bündig zu stechen und erlaubt auch auf breiten Flächen eine satte und sichere Auflage.
Bei Stech- oder Stemmeisen für spezielle Anwendungen benötigt man in der Regel keinen vollen 6-teiligen Satz. Hier sind Einzeleisen oder auch 3-teilige Sätze sinnvoll.
10-teilige Stechbeitel-Sets bieten das volle Spektrum. Neben Zwischenbreiten ist hier meist ein 4 mm-Werkzeug für sehr feine Zinken mit Materialstärken um die 10 mm enthalten. Auch kann diese Eisen für schwer zugängliche andere Holzverbindungen eingesetzt werden. Das größte Eisen (36 mm, 38 mm oder gar 40 mm Breite) wird häufig in der Bautischlerei oder für Zimmermannsverbindungen eingesetzt, um z.B. handgesägte Überlappungen nachzuarbeiten.
Ein Stechbeitel-Set aus japanischer Fertigung (Nomi) enthält klassischerweise Werkzeuge in den Größen 6, 9, 12, 18, 24 und 30 mm. Manche Hersteller aus dem englischsprachigen Raum (zum Beispiel Henry Taylor und Lie-Nielsen) fertigen ihre Beitel in Inch. Die gängigen Maße eines Satz sind hier ¼, ⅜ , ½ und ¾ Inch was 6,4 / 9,5 / 12,7 und 19,1 mm entspricht.
Im Unterschied dazu enthält ein Stechbeitel-Set, welches speziell für Zimmerer zusammengestellt wird, naturgemäß größere Eisen, z.B. 15, 24, 30, 42 und 48 mm bei europäischer Bauart. Entsprechend 18, 24, 30 und 42 mm für das japanische Stechbeitel-Set.
Im Rolletui oder in der Holzkassette?
Je nach Ausführung ist bei jedem Stechbeitel-Satz entweder eine Tasche oder eine Holzkassette (auch Holzkasten oder Holzkiste) dabei, um die Beitel schonend aufzubewahren und auch leicht transportiert zu können.
Früher wurde ein Holzkasten noch vom Schreiner selbst angefertigt. Auch in Japan hat die handgefertigte Holzkassette für Werkzeuge aller Art noch einen hohen Stellenwert. Heute sind die meisten Holzkassetten aus fingergefrästem Schichtholz. Die Holzkassetten sind robuster und aufgrund genormter Größen einfacher in Werkzeugkästen unterzubringen. Der Nachteil besteht in der ausschließlichen Nutzung für bestimmte Stemmeisenformen und Werkzeugbreiten.
Eine Rolltasche ist deutlich flexibler. In ihr können auch artverwandte Werkzeuge wie Messer problemlos verstaut werden. Auch ein kleiner Schleifstein zum Schärfen, wie häufig bei den Hohlbeitel-Sets zu finden, kann so mitgeführt werden.
Fazit:
Flexibler sind Sie mit einem Set in der Rolltasche. Wenn Sie eine robustere Aufbewahrung Ihres Werkzeugs wünschen, dann sollten Sie die Holzkassette wählen.
Kurzübersicht zur Art des Beitels, Stahl und Heftmaterial
Rund um das Thema Stechbeitel-Sets gibt es viele Begrifflichkeiten, die hier nochmal kurz dargestellt werden sollen:
Meißel, Holzmeißel, Holzbeitel:
- umgangssprachliche Bezeichnung für Stechbeitel oder Stemmeisen
Stahlauswahl:
- Angaben wie Werkzeugstahl oder Spezialstahl sind hier gängig
- dahinter verbirgt sich Chrom/Vanadiumstahl
- guter Kompromiss zwischen Schärfbarkeit, Rostanfälligkeit und Standzeit
Griffmaterial:
- am gängigsten ist das Weißbuchenheft
- hart genug, dem Schlagen mit dem Hammer (Klüpfel) standzuhalten
- weitere übliche Hartholzarten: Rotbuche, Eiche und Ahorn
Schärfbarkeit
Die Schärfbarkeit variiert je nach verwendetem Stahl. Westliche Stechbeitel sind meist aus hochlegiertem Werkzeugstahl, z. B. Chrom/Vanadium-Stahl mit einem Härtewert zwischen 60 und 62 HRC. Viele Hersteller, darunter Pfeil, Kirschen oder Stubai, geben dabei die Stahlbezeichnung nicht an, sondern nutzen Begriffe wie »Spezial-Werkzeugstahl«. Die japanischen Stechbeitel aus niedriglegiertem Kohlenstoffstahl liegen bei einem Wert von 62-63 HRC. Die höchste Härte und Zähigkeit weisen Stechbeitel aus HSS (kurz für High Speed Steel) mit einem Härtewert von 63 bis 64 HRC auf. Stark vereinfacht kann man sagen: Je größer die Härte, desto länger bleibt das Eisen scharf, doch umso schwerer ist es auch zu schärfen.