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Stecheisen
EXPERTENWISSEN STECHEISEN
Ob beim Ausarbeiten von Holzverbindungen, Nachstechen von Passungen, Konturen oder Fasen – das Ergebnis der Arbeit hängt wesentlich von der Qualität und Schärfe des Stecheisens ab. Es muss schnitthaltig, gut schärfbar und leicht zu führen sein.
< Hinsichtlich der Bezeichnung unterscheiden wir Stecheisen für leichte bis mittlere Beanspruchung, die sich besonders zum Nachstechen von Holzverbindungen eignen. Sie werden in der Regel von Hand gestoßen und haben deshalb am Heftende keine armierte Stahlzwinge.
> Stemmeisen dagegen werden mit einem Schlagwerkzeug (Holzklüpfel bei westlichen, Genno bei japanischen Eisen) getrieben. Sie sind daher hinsichtlich der Schneide kräftiger ausgelegt und weisen am Heftende eine Zwinge auf, welche das Bersten des Griffs durch die Hammerschläge verhindert.
Weitere umgangssprachliche Bezeichnungen, welche alle dasselbe spanabtragende Werkzeug meinen, jedoch zum Teil Aufschluss über kleinere Unterschiede hinsichtlich Gebrauch und Einsatzzweck geben, sind: Meißel, Stemmeisen, Beitel oder Stechbeitel.
Stecheisen sind in der Klingenbreite standardisiert und umfassen folgende Breiten: 4, 6, 8, 10, 12, 16, 20, 22, 24, 26, 28, 30, 32, 35 und 40 mm.
Häufig werden Stecheisen im Satz gekauft, z. B. 6-teilig in den Abstufungen 6 / 10 / 12 / 16 / 20 / 26 mm, passend für alle gängigen Holzarbeiten. Viele Holzhandwerker verwenden neben Stemmeisen (mit armierter Zwinge) im Satz (6-teilig oder 10-teilig) jedoch auch oft nur ein 6 oder 10 mm Stecheisen zum Nachstechen von Zinkenverbindungen.
Eine Unterform der Stecheisen ist der Stechbeitel nach englischer Art. Die verkürzte Bauform mit einer Gesamtlänge von 220 mm bis 235 mm, welche vor allem in England und Amerika sehr beliebt ist, bietet den Vorteil des werkstücknahen Arbeitens. Tatsächlich widerstehen diese Beitel durch den groß dimensionierten Knauf am Griffende sogar dem Schlagen mit dem Klüpfel. Das Heft wird aus schlagzähem Holz hergestellt, klassisch ist hier zum Beispiel das Weißbuchenheft oder auch Griffe aus Eiche oder Esche.
Der Vorteil von seitlich abgeschrägten Stecheisen
Um während Stemmarbeiten die seitliche Reibung zu minimieren und ein Klemmen oder Verdrehen des Beitels zu verhindern, ist das Stecheisen auf der Spiegelseite etwas breiter als auf der Fasenseite gestaltet. Diese leichte Verbreiterung der Klinge auf der Spiegelseite sorgt dafür, dass das Werkzeug effizienter und ohne unnötige Reibung arbeiten kann. Die abgeschrägten Kanten (auch Seitenfasen genannt) erleichtern das Einführen und genaue Positionieren des Werkzeugs. Dies erhöht nicht nur die Präzision und Sauberkeit der ausgeführten Arbeiten, sondern auch die Lebensdauer des Werkzeugs, da es weniger Verschleiß durch seitliche Belastungen erfährt.
Laut DIN 5139 unterscheidet man zwei Hauptformen von Klingenquerschnitten bei Stecheisen:
Form A hat im Querschnitt gerade Kanten, d. h. der Querschnitt ist rechteckig. Diese Form eignet sich nur für grobe Arbeiten und kann hier vernachlässigt werden. Ähnliche Formen werden im Bildhauerbereich für Beitel z. B. von Kirschen, Pfeil oder Stubai verwendet. Während die gängigen Hohleisen hauptsächlich für Skulpturen eingesetzt werden, findet diese Form vor allem Anwendung in der Kerbschnitzerei.
Form B hingegen hat im Querschnitt abgeschrägte Kanten. Diese abgeschrägten Kanten bringen, wie oben bereits genannt, Vorteile im Bezug auf Präzision und Langlebigkeit.
Bei einigen Stecheisen, z .B. DICTUM oder Veritas, laufen die Kanten nahezu auf Null aus. Dies ist vor allem beim Nachstechen von Zinkenverbindungen ein entscheidender Vorteil.
Stecheisen schärfen
Geschärft werden Stecheisen genauso wie Stemmeisen, mit einem 25° Winkel an der Fase. Das Abziehen erfolgt auf einem feinen Schärfstein / Schleifstein.
Preisunterschiede bei Stecheisen
Die großen Preisunterschiede bei Stecheisen resultieren aus sehr unterschiedlichen Faktoren. Ein wesentlicher Aspekt ist die Qualität des verwendeten Stahls. Hochwertiger Stahl bietet einen idealen Kompromiss zwischen Schlagfestigkeit, Schnitthaltigkeit und Schärfbarkeit. Da sich diese Eigenschaften gegenseitig negativ beeinflussen, sind viele Standardstähle, die zwar eine oder zwei der Eigenschaften erfüllen, nie aber alle drei, nur bedingt geeignet. Spezielle Legierungen in Abweichung zum herkömmlichen Werkzeugstahl treiben den Preis nach oben.
Ein weiterer, entscheidender Faktor ist die Verarbeitung der Stecheisen. Man mag es dem einfachen Werkzeug nicht auf den ersten Blick ansehen, aber eine präzise und sorgfältige Herstellung erfordert aufwendige Techniken. Die größten Qualitätsunterschiede finden sich im präzisen Schliff der Seitenflanken und der Schneide, der Ebenheit der Spiegelseite und der gleichmäßigen Härte. Eine Stemmeisenklinge durchläuft in der Regel sieben Schleifvorgänge vor der Weiterverarbeitung. Besonders beim Härteverfahren gibt es große Unterschiede zwischen Baumarkt-Produkten und hochwertigen Werkzeugen. Die mittlere Härte soll 60 HRC betragen. Überhärtete Schneiden brechen leicht aus, zu gering gehärtete Schneiden legen sich beim Arbeiten um. Natürlich werden diese Kriterien auch maßgeblich von der Stahlauswahl mit beeinflusst.
Werden die Eisen, wie es beispielsweise bei japanischen Stemmeisen oft der Fall ist, handgeschmiedet, muss auch hier selbstverständlich mit höheren Kosten gerechnet werden als bei einer gesenkgeschmiedeten Massenproduktion.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass aufwendig verarbeitete Stecheisen aus hochwertigem Stahl stets eine lohnende Investition sind. Sie haben in der Regel eine höhere Standzeit und müssen deshalb seltener nachgeschliffen werden. Zudem ist der initiale Schärfaufwand zur Vorbereitung der Eisen deutlich geringer.