Grundsätzlich gilt, je glatter eine Metalloberfläche, desto weniger rostanfällig ist sie. Das Polieren reduziert die Kratzer auf den Schneidflächen erheblich. Gerade bei Klingen aus klassischem, nicht rostfreiem Kohlenstoffstahl (also bei vielen japanischen Küchen- und Outdoormessern) ist ein Polieren demnach durchaus sinnvoll.
Welchen Zweck hat das Polieren von Schneidflächen?
Verhinderung von Rost:
Grundsätzlich gilt, je glatter eine Metalloberfläche, desto weniger rostanfällig ist sie. Gerade bei Klingen aus klassischem, nicht rostfreiem Kohlenstoffstahl ist ein Polieren demnach durchaus sinnvoll.
Steigerung der mechanischen Belastbarkeit:
Das Mikro-Relief an der Schneide wird durch das Polieren geringer. Die Schneide ist kompakter und bricht weniger leicht aus. Allerdings ist dies auch abhängig vom Werkzeugtyp und dem Schnittgut. Bei Küchenmessern und Werkzeugen für die Holzbearbeitung steigert die Politur die mechanische Belastbarkeit. Bei Seglermessern (Seilschnitte) ist eine unpolierte Klinge standfester. Beim Schneiden von Seilen und Tauen rutscht eine polierte Klinge leichter ab, der Schneidvorgang erfordert mehr Druck.
Verbesserung der Schärfe:
Treffen mehr Punkte an der Schneide aufeinander, ist die Klinge schärfer. Wird jedoch zu lange oder mit zu weichen Poliermitteln poliert, wird die Schneide ausgerundet.
1000-fache Vergrößerung einer Messer-klinge mit Schneidlage aus VG-10 Stahl:
- Geschliffen mit Körnung 1000/6000
und abgezogen auf Leder ohne Paste.
- Geschliffen mit Körnung 1000/6000
und abgezogen mit Jende Nanocloth
Polierblock und Polier-Emulsion
Diamant, 4 Micron.
- Geschliffen mit Körnung 1000/6000 und abgezogen mit Jende Nanocloth Polierblock und Polier-Emulsion Diamant, 4 Micron und 0,5 Micron.
Entfernen des Grats nach dem Schärfen
Ein weiterer wichtiger Anwendungsfall für das Polieren ist das Entfernen des Grats nach dem Schärfen. Bei Holzbearbeitungswerkzeugen ist dies nicht unbedingt erforderlich, da der Grat beim Arbeiten meist selbst abfällt oder vom Anwender auf dem Holz entfernt werden kann. Bei Messern kann der Grat, der sich durch das Abziehen auf harten Wassersteinen bildet, durch Benutzung nur schwer entfernt werden. Dieser Grat lässt sich nur mit einem weicheren Material entfernen.
Langes Polieren auf weichem Material (Leder) oder mit viel Druck führt jedoch zu einer Ausrundung der Schneide. Hier gilt: Weniger ist mehr!
Stoßriemen und Abziehblöcke
Um Messer oder Werkzeugschneiden zu polieren, benötigt man einen Stoßriemen oder einen Abziehblock. Im Grunde handelt es sich um einen Holz- oder verzugsfreien Kunststoffsockel mit aufgeklebtem Leder. Diese können bereits fertig bezogen erworben werden, lassen sich aber auch einfach selbst herstellen.
Glatte oder raue Lederseite?
Hierzu gibt es verschiedene Meinungen und Erfahrungen. Zwei wichtige Eigenschaften des Leders gilt es jedoch zu beachten:
- die Härte der Lederoberfläche
- die Fähigkeit der Lederoberfläche, Polierpaste aufzunehmen
Die glatte Lederseite ist die härtere. Diese Seite ermöglicht ein präziseres Polierergebnis ohne Ausrundung der Fase. Sie kann nicht viel Paste aufnehmen und eignet sich deshalb für die Schneidenpolitur mit einer sehr feinen und harten Polierpaste.
Die raue Lederseite ist die weichere. Sie entfernt den Grat besser als die glatte Lederseite und kann viel Paste aufnehmen. Feine Polierpasten verlieren sich jedoch in den Fasern.