Scharfe Bildhauereisen sind aus mehreren Gründen wichtig:
Ein scharfes Eisen schneidet die Holzfasern kontrolliert durch. Ein stumpfes Werkzeug reißt oder quetscht das Holz eher – besonders bei feinen Details oder quer zur Faser. Mit einer scharfen Schneide braucht es weniger Kraft. Dadurch lässt sich präziser arbeiten, was bei Figuren, Ornamenten oder feinen Übergängen entscheidend ist. Und was erstmal widersprüchlich klingt: stumpfe Werkzeuge sind oft gefährlicher - man muss stärker drücken, das Werkzeug kann plötzlich abrutschen oder „springen“. Zudem hinterlassen scharfe Eisen glatte Schnittflächen, die oft kaum nachgeschliffen werden müssen und gerade bei längeren Arbeiten merkt man den Unterschied deutlich in Händen, Armen und Schultern.
Viele Bildhauer sagen deshalb: „Nicht Kraft macht die Arbeit – sondern die Schärfe.“
Hohl-/Schnitzeisen
Die Außenseite von Hohleisen wird in einer Art Abrollbewegung auf herömmlichen Banksteinen geschärft. Diese Technik verlangt etwas Übung, liefert jedoch gute Schärfergebnisse. Je nach Abnutzung (Scharten) wird das Eisen entweder auf dem Schruppstein vorgeschärft oder nur auf dem Schärf- und Abziehstein abgezogen.
- Legen Sie das Eisen mit der Fasenseite (wie im Titelbild) mittig auf den Bankstein auf
- Rollen Sie das Eisen mit einer kombinierten Längsbewegung über den Bankstein; um die Gefahr des Einschneidens auf dem relativ weichen Stein zu verringern, arbeitet man beim Schärfen quer zur Schneide mit einer leicht drehenden Bewegung, wobei man ebenfalls den vorgegebenen Fasenwinkel möglichst exakt einhält
Die Innenseiten von Hohleisen sind in der Regel von Herstellerseite poliert. Somit reicht ein Abziehen mit einem 8000er Multiformstein. Halten Sie das Eisen mit einer Hand und führen Sie mit der anderen Hand den Multiformstein von innen nach außen zur Schneide hin. Lassen Sie den Stein an der Innenfläche anliegen und machen Sie geradlinige Bewegungen. Häufig werden Hohleisen wie auch Drechseleisen innen und außen noch mit Leder poliert, entweder von Hand auf einem sogenannten Stoßriemen oder maschinell.
V-Eisen (Geißfuß)
V-Eisen werden auf die Außenfase aufgelegt und entlang dem Schärfstein geführt, ähnlich wie bei Stecheisen. Dabei ist wichtig, dass der Druck nur auf der Fase lastet, um den Fasenwinkel nicht umzuschleifen. Auch muss darauf geachtet werden, dass an beiden Seiten gleich viel Material abgenommen wird, um eine gleichmäßige Schneidengeometrie zu gewährleisten. Die Innenseite wird wie bei den Hohleisen mit dem Multiformstein abgezogen. Sollten die Kanten des Multiformsteins nicht scharfkantig genug sein, kann der Schärfstein vorher bearbeitet werden.
Beim Schleifen des Geißfußes bildet sich häufig in der Mitte der Schneide eine kleine Nase. Dies liegt daran, dass in dieser Ecke die Klinge stärker ist als an den beiden Seitenwänden. Um die unerwünschte
Nase zu vermeiden, sollten Sie daher vor dem
Schärfen die Ecke etwas abrunden.
Polieren
Häufig werden Bildhauereisen zusätzlich auf Leder poliert. Mit einem zugeschliffenen Stück Holz und darauf geklebtem Leder lassen sich beliebig geformte Abziehblöcke herstellen. Achten Sie beim Polieren darauf, dass die scharfe Schneide das Leder nicht verletzt.
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