Oberfräsen
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Oberfräsen
EXPERTENWISSEN OBERFRÄSE
Was kann ich mit einer Oberfräse alles machen?
Im Gegensatz zu den meisten anderen Elektrowerkzeugen ist die Oberfräse ein echtes Multitalent! Während Sie mit einer Bohrmaschine nur bohren und schrauben und mit einer Handkreissäge nur gerade Sägeschnitte machen können, eignet sich diese Maschine für sehr unterschiedliche Anwendungen. Im Grunde können Sie mit einer Oberfräse komplette Möbelbauprojekte umsetzen:
- Kanten profilieren. Viele Holzhandwerker nutzen ihre Oberfräse ausschließlich zum Verzieren von Kanten. Im Vergleich zum Arbeiten am Frästisch bzw. an der Tischfräse ist die handgeführte Oberfräse hier klar im Vorteil, denn es ist viel einfacher, die Fräse an der Kante entlang zu führen, als z. B. eine große Tischplatte auf dem Maschinentisch am Fräser vorbeizuschieben. Und die Auswahl an Profilfräsern für Oberfräsen ist riesig!
- Holzverbindungen herstellen. Mit passenden Schaftfräsern und entsprechenden Vorrichtungen lassen sich zahlreiche klassische Holzverbindungen, wie zum Beispiel Fingerzinken, Schwalbenschwanzverbindungen, Nuten und Falze oder Gratleisten mit maschineller Unterstützung herstellen. Mit sogenannten Konterprofil-Profilfräsern können Sie mit nur zwei Fräsgängen Rahmenteile verzieren und gleichzeitig eine haltbare Verbindung anfertigen.
- Verbindungssysteme. Auch Verbindungen, die üblicherweise mit Verbindungssystemen angefertigt werden, können mit einer Oberfräse hergestellt werden. Dazu zählen beispielsweise Flachdübel (sogenannte Lamellos), lose Zapfen (sogenannte Dominos) oder Holzdübel.
- Mit Schablonen fräsen. Um Möbelteile mit geschwungenen Formen (z. B. Türbogen), Ausschnitte für Einlagen, Saftrillen an Schneidbrettern und ähnliches zu fräsen, können Sie Schablonen anfertigen und diese mit der Oberfräse nachfahren. Insbesondere wenn Sie mehrere identische Werkstücke anfertigen möchten, lohnt sich der Schablonenbau. Auch für Lochreihen im System 32 gibt es passende Bohrschablonen und spezielle Bohrfräser.
- Gravieren und Schnitzen. Einfache Motive, Ornamente und Schriftzüge können Sie mit der Oberfräse und geeigneten Gravurfräsern selbst anfertigen. Dies können Sie entweder ebenfalls mithilfe von Schablonen tun oder, mit etwas Übung, auch frei Hand.
Welche Oberfräse kaufen?
Das hängt vor allem davon, was Sie mit der Fräse machen möchten. Wie oben zu lesen ist, können Oberfräsen für sehr unterschiedliche Aufgaben genutzt werden. Und je nachdem, in welchen Dimensionen, mit welchen Werkstoffen und wie intensiv Sie die Fräse nutzen möchten, sind unterschiedliche Leistungs- und Ausstattungsmerkmale entscheidend.
Wie viel Leistung sollte die Oberfräse haben?
Es gibt Oberfräsen mit einer Motorleistung von 800 bis über 2000 Watt. Vereinfacht ausgedrückt kann man sagen, je mehr Leistung eine Oberfräse hat, um so mehr Material kann sie in einem Arbeitsgang entfernen. Wer beispielsweise im Treppenbau arbeitet und die Stufen in Treppenwangen einfräsen möchte, kann eine Oberfräse mit 2200 Watt gut gebrauchen. Dies hat jedoch seine Grenzen und auch Nachteile. Je mehr Leistung der Motor liefert, umso größer ist er und umso schwerer sein Gewicht. Wenn Sie also hauptsächlich Kanten fräsen und einfache Holzverbindungen anfertigen möchten, reicht wohl eine Fräse mit ca. 1000 Watt aus. Oberfräsen im mittleren Leistungsbereich mit ca. 1400 Watt sind vielseitig nutzbar. Sie verfügen über ausreichend Leistung, um auch größere Holzverbindungen zu fräsen, und sind noch leicht genug, um sie ohne große Kraftanstrengung übers Werkstück schieben zu können. Die Motorleistung ist übrigens unabhängig von der Drehzahl zu sehen. Nahezu alle Oberfräsen arbeiten in einem Drehzahlbereich zwischen 10 000 bis 22 000 U/min.
Wie tief kann ich mit einer Oberfräse fräsen?
Hierbei gibt es mehrere Aspekte zu beachten:
- Maximaler Materialabtrag pro Fräsgang. Um ein gutes Fräsergebnis zu erreichen und den Fräser zu schonen, sollten Sie stets schrittweise arbeiten und das Holz in mehreren Durchgängen abtragen. Abhängig vom Material und vom Fräser können Sie in den ersten Fräsgängen 5 bis 10 mm tief fräsen. Gegen Ende der Fräsarbeiten sollte der Abtrag max. 2 bis 3 mm betragen, um eine saubere Oberfläche zu erhalten.
- Frästiefe des Fräsers. Jeder Schaftfräser hat eine begrenze Schneidenlänge und damit auch eine eingeschränkte Frästiefe. Bitte niemals den Fräser aus der Spannzange herausziehen, sodass er nicht mehr bis zur Mindesteinspanntiefe eingespannt ist, um ein paar Millimeter mehr Frästiefe zu erreichen. Das geht sehr schnell schief und kann zu schlimmen Verletzungen führen!
- Hub des Fräskorbs. Die meistgenutzten Oberfräsen sind sogenannte Tauchfräsen, bei denen sich das Fräsaggregat in der Höhe absenken bzw. die Frästiefe einstellen lässt. Die Distanz, die am Fräskorb zwischen Motorblock und Grundplatte dafür zur Verfügung steht, wird als Fräskorbhub bezeichnet. Üblich sind 50 mm Fräskorbhub, ein paar Modelle haben auch 70 mm und mehr Hubhöhe (z. B. Festool OF 1400 EBQ).
Welches Zubehör brauche ich für eine Oberfräse?
- Schaftfräser. Ohne sie ist eine Oberfräse sinnlos! Das Angebot an Schaftfräsern ist riesig und es gibt für fast jede Anwendung den passenden Fräser: Profilfräser zum Verzieren von Kanten, Nutfräser zum Schlitzefräsen, Schwalbenschwanzfräser für Zinken und Grate, Abplattfräser, Konterprofil-Profilfräser, T-Nut-Fräser ... Für den Anfang ist ein Fräserset mit 12 oder 22 Fräsern eine gute Grundausstattung, die Sie dann mit Spezialfräsern für Ihre Projekte erweitern können.
- Kopierringe. Zum Abtasten von Schablonen können Sie Kopierringe in die Grundplatte der Fräse einsetzen. Bei manchen Fräsen ist ein Zentrierdorn nötig, um den Kopierring exakt mittig auszurichten (z. B. Festool OF 1010 REBQ). Bei einigen Oberfräsen werden die Kopierringe durch die Aufnahme in der Grundplatte automatisch zentriert (z. B. bei Mafell LO 55 und Festool OF 1400 EBQ). Durch geschickte Kombination von Kopierringen mit unterschiedlichen Durchmessern können Sie zum Beispiel mit einer einzigen Schablone sowohl den Ausschnitt als auch ein genau passendes Inlay fräsen.
- Spannzange. Um Fräser mit unterschiedlichen Schaftdurchmessern nutzen zu können, empfehlen wir stets eine exakt passende Spannzange zu verwenden. Üblich sind Spannzangen für Fräser mit 8 und 12 mm Durchmesser und 1/2 Zoll (12,7 mm). Kleinere Durchmesser, wie 6 mm und 1/4 Zoll (6,3 mm), sind mittlerweile eher selten. Ob eine Oberfräse auch größere Spannzangen mit 12 oder 12,7 mm Durchmesser aufnehmen kann, hängt von ihrer Säulenbohrung ab, in die die Spannzangen eingesetzt werden. Wichtig: Jede Spannzange benötigt eine passende Überwurfmutter, in die sie eingeklinkt werden kann!
- Parallelanschlag. Zum Fräsen entlang einer Kante oder für parallellaufende Nuten ist bei den meisten Oberfräsen ein Parallelanschlag im Lieferumfang enthalten. Besonders praktisch sind Parallelanschläge mit Feineinstellung, da sich diese leichter und genauer einstellen lassen als einfache Anschläge. Je nach Anwendung können Sie den Parallelanschlag auch modifizieren, z. B. mit etwas längeren Anschlagsbacken aus Sperrholz, um beim Kantenfräsen am Anfang und am Ende mehr Anlagefläche zu haben.
- Frästisch. Für einige Anwendungen muss die Oberfräse aus Sicherheitsgründen in einem Frästisch montiert werden, z. B. beim Arbeiten mit Konterprofil-Profil-Fräsern. Allgemein erweitert ein Frästisch, in dem die Oberfräse unter Tisch montiert wird, das Anwendungsspektrum der Fräse enorm. Auf einem Frästisch können Sie beispielsweise auch schmale Leisten sicher bearbeiten und die Fräse zum Abrichten von Kanten nutzen.
- Frässchablone. Um rechteckige oder geschwungene Formen wiederholgenau fräsen zu können, sind sie sehr praktische Hilfsmittel. Zum Ausfräsen von rechteckigen oder quadratischen Formen (Inlays, Aussparungen, Saftrillen in Schneidbrettern etc.) gibt es verstellbare Fräsrahmen, die Sie auf die passende Größe einstellen können (z. B. das DICTUM Universalführungsschienen-Set). Beim Fräsen von Verbindungen (z. B. Eckverbindung bei Küchenarbeitsplatten) beschleunigen fertige Frässchablonen den Arbeitsablauf erheblich. Und immer, wenn Sie mehrere geschwungene Teile in exakt der gleichen Form herstellen möchten, lohnt sich das Anfertigen einer entsprechenden Frässchablone.
- Fräsvorrichtungen. Wie schon erwähnt, ist die Oberfräse das vielseitigste Elektrowerkzeug zur Holzbearbeitung. Mit angepassten Vorrichtungen, die entweder direkt mit der Oberfräse oder auf dem Frästisch genutzt werden, lassen sich standardisierte Aufgaben bzw. Arbeitsschritte präzise ausführen. Zum Beispiel können Sie mit einer Zinkenvorrichtung im Nu Fingerzinken oder Schwalbenschwanzzinken herstellen. Besonders vielseitig ist der PantoRouter, eine Fräsvorrichtung, bei der Schablonen über einen Storchenschnabel bzw. Pantografen abgetastet werden.
Tipps für sicheres Arbeiten mit der Oberfräse
Sicherheit hat beim Arbeiten mit Maschinen stets oberstes Gebot! Deshalb hier ein paar Tipps, die zum sicheren Umgang mit der Oberfräse beitragen:
- Allgemeiner Umgang mit der Oberfräse: Lesen Sie vor Inbetriebnahme die Bedienungsanleitung ihrer Maschine. Warten, pflegen und säubern Sie die Oberfräse und Fräser in regelmäßigen Abständen.
- Beim Fräserwechsel, Einstellen, Warten die Fräse vom Stromnetz trennen und immer den Netzstecker ziehen.
- Nur einwandfreie und scharfe Fräser benutzen, die im Schaftdurchmesser genau der Spannzange entsprechen und für den Einsatz im Handvorschub zugelassen sind (Kennzeichnung MAN). Fräser stets in der Mindesttiefe einspannen und dabei Markierung am Fräser beachten (in Form eines K).
- Drehzahl an den Werkstoff und die Fräsergröße anpassen. Grundregel: je größer der Durchmesser des Fräsers, umso geringer die Drehzahl.
- Große Profile und Frästiefen stets in mehreren Frässchritten ausführen, das schont den Fräser und verbessert das Fräsergebnis.
- Das Werkstück immer einspannen und mit geeigneten Spannelementen gegen Verrutschen sichern.
- Persönliche Schutzausrüstung tragen. Achten Sie beim Fräsen auf enganliegende Kleidung, Gehörschutz, Schutzbrille und bei Bedarf Haarnetz oder Haargummi.
- Verwenden sie eine geeignete Absaugvorrichtung. Holzstäube sind gesundheitsgefährdend und teilweise sogar krebserregend.
In welcher Richtung fräst man mit einer Oberfräse?
Grundsätzlich wird mit der handgeführten Oberfräse im sogenannten Gegenlauf gefräst! Beim Arbeiten im Gegenlauf wird die Maschine an das Werkstück gedrückt und entgegen der Drehrichtung des Fräsers vorgeschoben. Da sich bei Oberfräsen die Fräser immer im Uhrzeigersinn drehen, also rechtsherum, wird die Oberfräse entsprechend gegen den Uhrzeigersinn um das Werkstück herumgeführt. Nur beim Fräsen in Ausschnitten wird die Oberfräse im Uhrzeigersinn geführt. Die Fräse wird aber auch dabei im Gegenlauf vorgeschoben. Tipp: Strecken Sie den Zeigefinger und den Daumen der rechten Hand aus und legen Sie den Daumen an die Kante, die Sie fräsen möchten. Der Zeigefinger weist Ihnen die Vorschubrichtung!
Nutzen Sie unser Kursangebot! In unseren Workshopzentren und in unseren Onlinekursen haben Sie Gelegenheit, das sichere Arbeiten mit der Oberfräse von erfahrenen Kursleitern zu lernen. Einen Gutschein zur Teilnahme an einem Oberfräsenkurs erhalten Sie in der Regel beim Kauf einer Oberfräse von uns direkt dazu!