Schwingschleifer
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Schwingschleifer
Expertenwissen - Schwingschleifer
Schwingschleifer oder Exzenterschleifer?
Bei Schwingschleifern sitzt der Motorblock über dem Schleifschuh, der durch ein Exzentergetriebe in kreisende Schwingungen versetzt wird. Die Schwingbewegung der Schleifplatte ist recht kurz, weshalb auch von Schleifhub oder Schwingkreis gesprochen wird. Gängige Schwingschleifer haben einen Schleifhub von 2 bis 5 mm. Auch die meisten Exzenterschleifer sind ähnlich aufgebaut, jedoch ist ihre Schleifscheibe rund und drehbar gelagert. Der »Schleifteller« wird durch das kreisende Schwingen zusätzlich in eine Rotation um die eigene Achse versetzt. Die zusätzliche Rotationsbewegung sorgt für ein feineres Schleifbild und einen gleichmäßigen Materialabtrag. Nachteile: Der runde Schleifteller ist für das Schleifen in Ecken ungeeignet. Da die Rotation nicht durch einen Antrieb gesteuert wird, kann sie durch zu starkes Drücken oder harzige Oberflächen gehemmt werden.
Vorteile eines Schwingschleifers
Die Handhabung eines Schwingschleifers ist einfach und bedarf keiner größeren Einweisung. Der Materialabtrag erfolgt bei diesem Schleifgerät wohldosiert und kann deshalb besser gesteuert werden als beispielsweise bei einem Bandschleifer. Seine rechteckiger Schleifschuh eignet sich auch zum randnahen Schleifen von Falzen und in Ecken. Abhängig von der Größe des Schwingkreises eignen sich die Schleifer für unterschiedliche Schleifarbeiten: Mit einem großen Hub von 5 mm zum Beispiel zum Schleifen von größeren Vollholz- und furnierten Flächen (Möbelkorpusse, Türen etc.) oder zum schnellen und kontrollierten Abschleifen von Lackschichten. Schwingschleifer mit 2 mm Schwingkreis sind ideal für den Feinschliff vor der finalen Oberflächenbehandlung und den Zwischenschliff zwischen zwei Farbaufträgen geeignet. Kleine Schleifmaschinen mit geringem Gewicht sind beim Abschleifen von eingebauten Teilen wie Tür- und Fensterrahmen und beim Renovieren von Vertäfelungen, Treppen oder Einbaumöbeln besonders praktisch, da sie sich auch über längere Zeit gut vertikal oder über Kopf nutzen lassen.
Woher kommt die Bezeichnung »Rutscher«?
Als »Rutscher« werden gerne alle Schwingschleifer mit einem rechteckigen Schleifschuh bezeichnet. Der namensgebende »Rutscher« stammt aus dem Hause Festool. Es handelt sich also um eine Gattungsbezeichnung für diese Art Elektrowerkzeuge, wie etwa auch bei Winkelschleifern, die gerne als »Flex« bezeichnet werden.
Tipps für das Schleifen mit dem Schwingschleifer
- Das passende Schleifmittel verwenden. »Passend« ist in diesem Zusammenhang mehrdeutig. Zum einen muss das Schleifmittel zur Aufgabe und zum Material passen. Für den groben Materialabtrag beim Formschliff von Vollholz benötigen Sie ein anderes Schleifmittel als etwa beim Zwischenschliff von Lack. Zum anderen muss es zu Ihrem Schwingschleifer passen. Die verschiedenen Modelle haben unterschiedlich große Schleifplatten mit unterschiedlich positionierten Öffnungen für die Staubabsaugung. Auch bei der Befestigung gibt es Unterschiede. Die meisten Schwingschleifer haben einen Schleifschuh, an dem Schleifpapier oder Schleifgitter mittels Klettverschluss haften. Hier gibt es zwischen den Herstellern jedoch Unterschiede in der Positionierung von Schlingen und Kletthaken bzw. nicht alle Schleifpapiere haften an jedem Schleifschuh gleich gut. Manche Modelle besitzen (zusätzliche) Klemmen, in die Schleifpapier von der Rolle eingespannt werden kann (Achtung, diese haben keine Absaugöffnungen, deswegen ist die Absaugung eingeschränkt). Achten Sie beim Schleifpapierwechsel darauf, dass die Löcher im Schleifpapier mit den Absaugöffnungen im Schleifschuh übereinstimmen.
- Schutzauflage benutzen. Adapter-Pads bzw. Interface-Pads werden zwischen Schleifpapier / Schleifgitter und Schleifschuh gelegt. Sie verbessern den Halt des Schleifmittels, sorgen für eine bessere Absaugung des Schleifstaubs und schützen den Schleifschuh vor Beschädigungen.
- Schleifen ohne Druck. Das Eigengewicht der Schleifmaschine und das Schleifmittel sollen die Arbeit machen. Wenn Sie auf den Schwingschleifer drücken, werden die Holzfasern herabgedrückt und können vom Schleifmittel nicht abgeschliffen werden. Starker Druck verlangsamt die Schleifbewegung und es entsteht unnötig viel Wärme, die das Harz im Holz oder den Lack bzw. das Öl weich werden lässt. Letztendlich leiden unter dem Druck die Maschinen, das Schleifmittel und das Schleifergebnis.
- Schleifstaub absaugen. Schleif- und Holzstaub sind gesundheitsgefährdend! Zu Ihrem eigenen Wohlergehen sollten Sie deshalb stets darauf achten, dass der Schwingschleifer effizient abgesaugt wird. Zudem verlängert eine effiziente Absaugung die Nutzungsdauer der Schleifmittel. Viele Schwingschleifer besitzen eine sog. Eigenabsaugung, d.h. sie haben einen eingebauten Ventilator, der den Schleifstaub von der Oberfläche absaugt und in einen Staubfangbeutel bläst. Diese Eigenabsaugung ist vor allem beim Arbeiten mit einem Akku-Schwingschleifer praktisch, da keine zusätzliche, meist kabelgebundene, Staubabsaugung benötigt wird. Neue Akku-Schwingschleifer sind aber auch in der Lage, die Absaugung z. B. via Bluetooth im Akku ein- und auszuschalten. Eine Absauganlage bzw. ein Absaugmobil saugt den Schleifstaub deutlich effizienter ab als die integrierte Eigenabsaugung.
Brauche ich alle unterschiedlichen Körnungen?
Für Schwingschleifer gibt es Schleifmittel von sehr grober (40) bis extrafeiner (600) Körnung. Die Grundregel besagt, dass die nächsthöhere Körnung jeweils die Schleifspuren der vorhergehenden Körnungsstufe schnell und zuverlässig entfernt. Sie können auch einmal eine Körnung überspringen, insbesondere bei den feinen Schleifmitteln. Dabei kann es jedoch sein, dass nicht alle Schleifspuren entfernt werden bzw. dass es sehr lange dauert, bis die Schleifspuren der zuvor genutzten Körnung weggeschliffen sind. Im Allgemeinen reicht es aus, bei Vollholz, Leimholzplatten und furnierte Platten im ersten Schritt mit 80er oder 100er Korn zu schleifen und anschließend einen Zwischenschliff mit 120er oder 150er Schleifpapier durchzuführen. Bei Vollholz, das anschließend lackiert oder geölt wird, ist mit Körnung 180 bereits der Feinschliff erreicht. Flächen, die furniert sind oder gebeizt werden sollen, werden bis 220er Korn geschliffen.
Verwendung unterschiedlicher Körnungsstufen bei der Holzbearbeitung:
Grober Abtrag mit 40er, 60er Korn: Formschliff (Ausgleichen von Unebenheiten), schnelles Entfernen von
Leim und Lack
Grundschliff mit 80er bis 120er Korn: Maschinenspuren entfernen (Sägespuren der Kreissäge, Hobelschläge), bei
furnierten Flächen Fugenpapier entfernen
Zwischenschliff mit 150er bis 180er Korn: Feinschliff von Vollholz
Feinschliff mit 220er Korn: furnierte und gewässerte Flächen vorbereiten (Schleifen vor dem
Beizen), Kanten brechen
Extrafein mit 220er bis 400er Korn: Zwischenschliff bis Endschliff bei Lacken und Spachtelmassen
Lohnt der Kauf eines teuren Schwingschleifers von Festool oder Mafell?
Schwingschleifer sind beliebte Elektrowerkzeuge, es gibt sie in Baumärkten z. B. von Einhell oder Bosch oder in Online-Auktionshäusern auch von Makita und anderen Marken. Hierbei gilt es zu bedenken, dass es auch der Hobbyhandwerker bei kleineren Projekten bereits auf stattliche Schleifzeiten bringt. Verwendet man dabei vermeintlich günstige Schwingschleifer wie z. B. von Einhell oder aus der grünen Serie von Bosch, muss man gravierende Abstriche hinsichtlich Gewicht, Lautstärke und Vibrationsübertragung auf das Handgelenk hinnehmen. Werte dazu werden von Herstellen wie Makita, Bosch grün und Einhell nicht einmal angegeben und sind damit nicht vergleichbar. Auch die Ergonomie des Schwingschleifers ist ein entscheidender Faktor für langfristig handgelenkschonendes Schleifen.
Bei den manuellen Bauteilen ist die Blattbefestigung relevant für ein stressfreies Arbeiten. Oft leiern die Federn der Schleifbandklemmungen bei günstigen Schwingschleifern nach kurzer Zeit aus oder greifen das Blatt nicht mehr an allen Stellen gleich gut. Da die Modelle häufig wechseln, sind Ersatzteile oft nicht mehr erhältlich. Die Watt Zahl (Leistungsaufnahme) liegt meist deutlich unter Schwingschleifern von Festool und Mafell. Sieht man von diesen Punkten ab, stellt sich immer noch die Frage zur Haltbarkeit von Schwingschleifern, bei denen kein bürstenloser Motor (Stand der Technik) verbaut wird.