Leinöl wird aus den Samen des Flachses gewonnen und zählt zu den traditionsreichsten natürlichen Holzschutzmitteln. Kaltgepresstes Leinöl ist lebensmittelecht, frei von chemischen Zusätzen und geruchsarm. Es dringt tief in das Holz ein, betont die natürliche Maserung und schützt zuverlässig vor Feuchtigkeit und Verschmutzung. Besonders geeignet ist es für Möbel, Schneidbretter, Werkzeuggriffe, Spielzeug und Musikinstrumente im Innenbereich. Mit jeder Schicht gewinnt die Oberfläche an Widerstandsfähigkeit und Charakter.
Herstellung
Leinöl wird aus dem Samen der Flachspflanze (Linum usitatissimum) durch eine warme oder kalte (schonendere) Pressung gewonnen. Am Markt findet man sowohl unbehandeltes als auch »kaltgebleichtes« Leinöl, das durch Voroxidierung, also Anreicherung mit Sauerstoff, deutlich schneller trocknet und zudem durch eine etwas hellere Farbe auch farbechter ist als die rohe Ausführung (siehe Titelbild). Darüber hinaus gibt es sogenannte Leinölfirnisse, die in der Regel aus gekochtem Leinöl mit Zusätzen (Trocknungsbeschleunigern) bestehen und nach dem Aushärten - ähnlich wie Lacke - eine wasserab- weisende Schutzschicht bilden. Die von uns angebotenen schwedischen Leinöle werden durch schonende kalte Pressung gewonnen. Es handelt sich um reine, lebensmittelechte Naturprodukte ohne chemische Zusätze.
Eigenschaften
- Lebensmittelecht, ohne chemische Zusätze
- Geruchsarm
- Betont die Maserung
- Guter Schutz vor Feuchtigkeit und Verschmutzung
- Dunkelt leicht nach
Anwendung
Innenbereich mit leichter bis mittlerer Beanspruchung,
z. B. Möbel, Musikinstrumente, Schneidbretter, Griffe, Spielzeug.
Verbrauch
30 ml/m² je Auftrag
Trocknungszeiten*
Ra Linolja (rohes Leinöl) 1-4 Wochen
Linolja (kaltgebleichtes Leinöl) 8 Tage
* Abhängig von Umgebungsbedingungen, Holzart und Vorbehandlung der Fläche
Auftrag
- Öl für besseres Eindringverhalten im Wasserbad (55 °C) erwärmen oder mit 10 % Balsamterpentinöl verdünnen
- Dicker erster Auftrag mit Pinsel, Walze oder Lappen
- Nach 15 Minuten mit trockenem Lappen abwischen und polieren, bis kein überschüssiges Öl mehr auf der Fläche ist
- Trocknung von einem, besser zwei Tagen je Schicht
- Zwischenschliff mit Körnung 240 (in Faserrichtung) und anschließendem unverdünntem dünnem Auftrag
- Öl beim zweiten Auftrag nach etwa 5 Minuten kräftig einmassieren (feuchtes Öl wird klebrig und zieht Staub an)
- Möglicher dritter bis vierter Auftrag ohne Zwischenschliff und Verdünnung; Endhärte erst nach mehreren Wochen
Sicherheitshinweis
Achtung Selbstentzündung! Bei ölgetränkten und feuchten Lappen besteht Selbstentzündungsgefahr! Lappen nach Benutzung in geschlossenen luftdichten Behältern aufbewahren, zum Trocknen ausbreiten oder sofort verbrennen.
Tiefimprägnierung
Kleine Objekte mit hoher Beanspruhung (z. B. Griffe oder Holzlöffel) kön- nen auch durch mehrtägiges vollständiges Tauchen in Leinöl tiefimprägniert werden. Vollständige Durchtränkung eines Griffes mit Ø 30 mm nach zwei Tagen.
Querschnitt eines Werkzeugheftes
(1) Normaler Auftrag (2) In Leinöl eingelegt
Rezeptvorschläge
Leinöl-Ei-Tempera
Die Grundlage dieser Farbe besteht aus einer Mischung von Leinöl, Ei und Wasser. Dabei dient das Ei als Emulgator, der es ermöglicht, zwei nicht mit- einander mischbare Flüssigkeiten (Öl und Wasser) miteinander zu verbinden.
1 Ei, 80 ml Leinöl, 80 ml Wasser, 1 gestrichener Esslöffel natürliches Pigment (z. B. Eisenoxid rot)
Das Ei und das Öl in eine Schüssel geben und verrühren. Nach und nach Wasser hinzugeben. Pigment mit kleiner Menge der angerührten Mischung zu einer klumpenfreien Paste vermengen. Zum restlichen Ei-Öl-Wasser-Gemisch geben und einrühren. Mischung reicht für 1,5 m². Lagerung im Kühlschrank bis zu einem Tag.
Sam Maloof’s Lack-Ölmischung
Öl zu mischen scheint im ersten Moment unmöglich. Der Möbelbauer Sam Maloof jedoch hat genau diese Mischung für viele seiner Möbel verwendet. Wir haben die Angaben aus seinem Buch aufgeschlüsselt und nach zahlreichen Tests die richtigen Zutaten gefunden. Die Vorteile dieser Mischung erschließen sich in drei Punkten:
- Einfacher Auftrag
- Haptik und Aussehen ähnlich einer geölten Oberfläche
- Hohe Beständigkeit gegen Wasser und Säureflecken (Rotwein, Essig)
330 ml Leinöl, 330 ml Tungöl, 330 ml Clourethan
Wir empfehlen, zur schnelleren Trocknung rohes Leinöl zu erwärmen (55 °C) oder kaltgebleichtes Leinöl zu verwenden. Nachdem alle Zutaten gut vermengt wurden, wird die Mischung unter viel Druck ins Holz einmassiert. Der Zwischenschliff kann nach zwei Tagen erfolgen. Weitere Schichtaufträge nach selbem Prinzip.
Rotweinflecken nach 5 Minuten Einwirkzeit
(1) Lack-Ölmischung 3 Aufträge (2) Leinöl 3 Aufträge
Sam Maloof’s Öl-Wachsmischung (natürliche Alternative)
500 ml Leinöl, 500 ml Tungöl, 50 g Bienenwachs
Rohes Leinöl auf 55 °C erwärmen und Bienenwachs hinzufügen. Nach Auflösen des Bienenwachses Tungöl unterrühren. Nach Abkühlung unter viel Druck ins Holz einmassieren. Der Zwischenschliff kann nach zwei Tagen erfolgen. Weitere Schichtaufträge nach selbem Prinzip.
Garrett Hack’s Lack-Ölmischung
Auch Garrett Hack verwendet für viele seiner Möbelstücke eine Lack-Ölmischung. Seine Variante, die allerdings einen hohen Anteil an Verdünnung enthält, trocknet wesentlich schneller.
400 ml Leinöl, 200 ml Balsamterpentinöl, 400 ml Clourethan
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