Welcher Hobel wofür?
Es gibt unzählige Arten von Handhobeln: Schlicht- und Putzhobel, Raubank und Schrupphobel, Simshobel, Falzhobel und viele mehr. Hinzu kommen unterschiedliche Bauformen mit einem Hobelkasten aus Holz oder Metall, Fase oben oder unten. Auf die schwierige Frage, welche Hobel in die Grundausstattung gehören, gibt es keine eindeutige Antwort. Sie sollten für sich zunächst die Frage beantworten, welche Arbeiten Sie mit den Hobeln erledigen möchten. Wir helfen Ihnen dabei, in dem wir zunächst klären, welcher Hobel wofür verwendet wird. Dazu gliedern wir die Werkzeuge in drei Anwendungsgruppen:
- Veredelung von Oberflächen
- Dimensionieren von Holz
- Holzverbindungen Anfertigen
Welcher Hobel eignet sich für die Oberflächenveredelung?
Hobel für die Oberflächenveredelung werden für feine Aufgaben eingesetzt, z.B. um bei Holz, das an der Maschine gehobelt wurde, die Hobelschläge zu beseitigen oder an einem fast fertigen Werkstück die Verbindungen zu putzen.
Um Holzoberflächen zu glätten bzw. zu verputzen, brauchen Sie einen Hobel, mit vergleichsweise kurzer Hobelsohle, damit er leichten Unebenheiten in der Oberfläche folgen kann. Ein Klassiker ist der Hobel Nr. 4 nach der Nummerierung von Stanley (z. B. DICTUM Nr. 4). Mit einem sehr eng eingestellten Hobelmaul und gut geschärftem Hobeleisen können Sie maschinell gehobelte Flächen damit spiegelglatt hobeln. Sollen Kanten gebrochen und Verbindungen wie Zinken oder Schlitz und Zapfen verputzt werden, bietet sich ein kleiner Blockhobel an. Bei den Hobeln mit Metallkörper wäre das der Hobel Nr. 60 ½ (z. B. DICTUM Einhandhobel, Flachwinkel 12°). Der Bettungswinkel dieses Hobels beträgt 12°. Sein Hobelmaul lässt sich leicht einstellen und an die Situation anpassen. Er ist damit bestens geeignet, um dünne Späne abzunehmen und Stirnholz zu glätten.
Abb.: Wer hauptsächlich mit Maschinen arbeitet, kommt meist mit nur zwei Hobeln gut zurecht
Zusammengefasst: Für das Veredeln und Putzen von Holzoberflächen werden kurze Hobel wie der Hobel Nr. 4 und Blockhobel verwendet. Mit einem gut geschärften Hobeleisen und eng eingestelltem Hobelmaul nehmen sie feinste Späne ab.
Welchen Hobel brauche ich zum Dimensionieren von Holz?
Mit »Dimensionieren« ist das Zuschneiden und Aushobeln von Werkstücken auf gewünschte Maße, also Länge, Breite und Dicke, gemeint. Wenn Sie sägeraues Holz von Hand herrichten und dimensionieren möchten, muss das Werkstück zuerst abgerichtet werden. Dazu wird ein Hobel verwendet, der viel Material in einem Zug abtragen kann. Klassisch wird dafür ein Schrupphobel benutzt (z. B. Ulmia Schrupphobel). Mit ihm wird quer oder schräg zum Faserverlauf gehobelt. Als Metallhobel wird stattdessen häufig ein Hobel Nr. 62 oder ein langer Schlichthobel Nr. 5 empfohlen. Für beide Hobel wird ein zusätzliches Hobeleisen stark abgerundet zugeschliffen. Einige Hersteller bieten für den Nr. 62 zu diesem Zweck auch spezielle Zahneisen an. Mit einem sehr weit eingestellten Hobelmaul und einer dickeren Spanabnahme können rasch große Mengen an Holz quer zur Faser abgenommen werden. Das Verstellen des Hobelmauls geht beim Nr. 62 deutlich schneller und einfacher als beim Nr. 5, allerdings muss das Eisen beim Nr. 62, bedingt durch den flachen Bettungswinkel, stärker gerundet werden. (Wie das Abrunden des Hobeleisens funktioniert, können Sie sich in unserem Video »Hobeleisen rund schleifen« ansehen (externer Link))
Nach dem Schruppen wird die Fläche geschlichtet und eine Kante gefügt, dazu wird wieder ein gerades Eisen in den Hobel (Nr. 62 oder Nr. 5) eingebaut und längs zur Faser gehobelt. Bei den Holzhobeln wäre dafür die sogenannte Raubank geeignet, ein schwerer Holzhobel mit langer Hobelsohle. Muss viel Material abgehobelt werden, um die gewünschte Dicke zu erreichen, wird zunächst wieder mit einem Handhobel geschruppt. Zum Aushobeln auf Endmaß wird dann zum Schlichthobel gewechselt, da er eine feinere Oberfläche hinterlässt.
Abb.: Wer Handarbeit liebt, wird mehrere Hobel zum Dimensionieren von Holz brauchen
Zu guter Letzt müssen beim Dimensionieren alle Teile auch auf Länge gebracht werden. Dazu werden sie grob abgesägt und in einer Hobellade auf die genaue Länge bestoßen. Der Hobel wird dabei mit seitlich liegendem Hobelkörper geführt. Auch hier leistet der Nr. 62 gute Dienste. Für den 62er gibt es deshalb einen Zusatzgriff, den sogenannten Hotdog, der auf den Kasten des Hobels aufgesetzt werden kann. Da fast immer Hirnholz gehobelt wird, empfehlen wir zum Bestoßen ein zusätzliches Hobeleisen, das auf 25° geschliffen ist. Der 62er hat einen Bettungswinkel von 12°, somit ergibt sich dann ein Schnittwinkel von 37°. Auch die Raubank kann auf der Seite liegend in einer Hobellade benutzt werden.
Zusammengefasst: um Holz auf Dicke, Breite und Länge auszuhobeln werden verschiedene Handhobel benötigt. Vielseitig einsetzbar ist ein Nr. 62 mit unterschiedlich geschliffenen Eisen. Klassische wird zunächst mit der Raubank viel Material grob abgehobelt und anschließend die Flächen mit dem Schlichthobel geglättet. Zum Bestoßen wird zusätzlich eine Hobellade genutzt.
Kann ich Holzverbindungen mit einem Hobel anfertigen?
Auch zum Anfertigen von Holzverbindungen werden Handhobel benutzt. Dies sind meist Spezialhobel und nur für einen speziellen Zweck gemacht. Sie gehören nicht in die Grundausstattung und werden in der Regel erst dann angeschafft, wenn ein bestimmter Anwendungsfall eintritt. Die einfachsten Verbindungen, die Sie mit einem Hobel angefertigen können, sind Falzen und Nuten. Einen Hobel dafür werden Sie also relativ bald brauchen, wenn Sie sich mit dem Thema Holzverbindungen beschäftigen möchten. Ein Falzhobel (z. B. Veritas Falzhobel) kann mithilfe von Anschlägen auf das gewünschte Falzmaß eingestellt werden. Die Lage der Nut und ihre Tiefe kann beim Nuthobel (z. B. Veritas Nuthobel) ebenfalls mit Anschlägen eingestellt werden. Um die Breite der Nut verändern zu können, kommen mehrere, unterschiedlich breite Eisen zum Einsatz. Zur Nachbearbeitung von Falzen und bei ähnlichen Formen, beispielsweise zur Nachbearbeitung des Zapfens und der Zapfenschulter, wird gerne ein Simshobel verwendet. Diesen gibt es in unterschiedlichen Breiten und Größen. Unsere Empfehlung: wählen Sie das größere Modell, da Sie mit einem breiten Simshobel auch schmale Falze bearbeitet können, umgekehrt ist das nicht möglich.
Abb.: Für Holzverbindungen gibt es eine Vielzahl von Spezialhobeln
Möchten Sie Gratverbindungen anfertigen, brauchen Sie dafür einen Grathobel und einen Grundhobel (z. B. Veritas Großer Grundhobel). Während Sie mit einem Grathobel ausschließlich Grate hobeln können, eignet sich ein Grundhobel auch für die Fertigung weiterer Holzverbindungen, beispielsweise Überblattungen, und das Nacharbeiten von Schlitz-und-Zapfen-Verbindungen.
Zusammengefasst: für einfache Holzverbindungen wird oft ein Falzhobel oder ein Simshobel verwendet. Auch ein Grundhobel ist für Holzverbindungen bzw. zum Nacharbeiten vielseitig nutzbar. Spezialhobel wie ein Grathobel oder ein Nut- und Federhobel für Spundungen, gehören nicht in die Grundausstattung. Viele weitere Hobel sind seltener zu finden, da sie sehr eingeschränkte Anwendungsgebiete haben. Es gibt unzählige Profilhobel für das Anfertigen bestimmter Profile, Schabhobel zum Verputzen von Intarsien und Marketerien und noch viele weitere Spezialhobel der einzelnen Gewerke, wie zum Beispiel bei den Stellmachern oder Küfern. In einer Hobel-Grundausstattung sind sie in den meisten Fällen jedoch fehl am Platz.
Resümee
Wer hauptsächlich mit Maschinen und Elektrowerkzeugen arbeitet, jedoch ab und an Verbindungen und Versätze bündig hobeln und eventuell die Flächen verputzen möchte, kommt mit einem Hobel Nr. 4 und einem Blockhobel aus. Wollen Sie Holz von Hand dimensionieren, dann brauchen Sie zusätzlich noch einen Schrupphobel (Nr. 62 mit rund geschliffenem Ersatzeisen), einen Schlichthobel (ebenfalls Nr. 62, jedoch mit geradem Hobeleisen) oder eine Raubank. Für alle weiteren »Spezialaufgaben« kommen besondere Hobel zum Einsatz, die in der Regel erst angeschafft werden, wenn dazu Bedarf besteht.
Unsere Empfehlung für Einsteiger: Alle, die zunächst nur einen einzigen Hobel haben möchten, sollten einen Blockhobel mit 12° Bettungswinkel (z. B. DICTUM Einhandhobel, Flachwinkel 12°) in Betracht ziehen. Dieser kleine, kompakte Hobel mit verstellbarem Hobelmaul eignet sich für sehr unterschiedliche Aufgaben wie das Verputzen von Holzverbindungen, das Anfasen von Kanten und Anpassungen bei der Montage. Zudem ist er in allen drei Anwendungsgruppen enthalten und gehört somit auf jeden Fall in die Hobel-Grundausstattung.
Häufige Fragen zum Thema »Welcher Hobel wofür?«
Was ist der Unterschied zwischen Schlicht- und Putzhobel?
Beide Hobel sind ähnlich aufgebaut und haben in der Regel einen Spanbrecher. Ein Putzhobel hat jedoch mit 50° bis 60° einen steileren Schnittwinkel als ein Schlichthobel mit 40° bis 45° und ist deshalb zum Putzen von schwierigen Hölzern mit wechselndem Faserverlauf besser geeignet. Mehr zum Thema »Schnitt- und Fasenwinkel bei Hobeln« in unserem Video.
Was ist ein Doppelhobel?
Ein Doppelhobel ist ein klassischer Holzhobel und dem Schlichthobel in Größe und Bauform sehr ähnlich. Er hat einen Schnittwinkel von 45° und besitzt ein sog. »Doppel-Hobeleisen«, also ein Eisen mit Klappe bzw. Spanbrecher. Da auch die meisten Schlicht- und Putzhobel inzwischen mit Spanbrechern ausgestattet sind, ist er zunehmend seltener zu finden.