Messschieber und Schieblehre

Der Gliedermaßstab ist bei vielen Handwerkern ein beliebtes Messwerkzeug, vor allem in der Metallbearbeitung. Wenn es genau werden soll, dann hilft der Griff zum Messschieber. Messschieber verfügen über eine Anzeigegenauigkeit von bis zu 0,01 mm. Mit ihnen lassen sich Innen- und Außenmaße präzise messen. Die meisten Messschieber erlauben darüber hinaus die präzise Bestimmung vom Tiefenmaß.

Mit der präzisen Messung von Tiefenmaß und Innenmaß sind Gliedermaßstäbe trotz aller Flexibilität zumeist überfordert. Diese Werte lassen sich auf Messschiebern hingegen präzise bestimmen – diese sind im Handwerk nicht an Genauigkeit zu überbieten.

In den folgenden Abschnitten haben wir für Sie die wichtigsten Informationen rund um Messschieber zusammengefasst.

 

Welche Arten von Messschiebern gibt es?

Grundsätzlich lassen sich Messschieber in drei Kategorien einteilen:

  • Analoger Messschieber - in der Regel mit Nonius
  • Messschieber mit analoger Uhr / Uhrmessschieber oder Uhrenmessschieber
  • Digitaler Messschieber / Digital-Messschieber
 

Ein klassischer analoger Messschieber erlaubt keine ganz so hohe Präzision wie die anderen Messschieber – für die Schreinerwerkstatt reicht er zumeist vollkommen aus. Die Bedienung ist schwieriger als bei anderen Modellen – der Umgang mit dem Nonius muss zunächst erlernt werden. Gängig sind Messgenauigkeiten zwischen 0,02 mm und 0,05 mm.

Der Uhren-Messschieber ist einfacher zu bedienen und stellt auf der großen Rundskala die 1/100 mm des gemessenen Wertes dar. Die Uhrenanzeige (die Messuhr) ist hierbei genau genug, um die verschiedenen Werte voneinander abgrenzen zu können. Nachteil: Der empfindliche Mechanismus kann ich harten Werkstatt-Alltag leiden, beispielsweise in einer Schlosserei.

Völlig intuitiv ist ein digitaler Messschieber zu verwenden, der ebenfalls eine Präzision bis zu 0,01 mm bietet. Ohne Zusammenrechnen der Werte der verschiedenen Skalen (Lineal + Nonius oder Lineal + Uhrenskala) wird der gemessene Wert im Display mit Nachkommastellen bis auf 1/100 mm angezeigt. Zusätzlich können digitale Messschieber teilweise auch zwischen Inch/Zoll und Millimeter umstellen. Die einfache Handhabung ist vor allem dann nützlich, wenn auch Ungeübte die Messwerte ablesen sollen. Hierbei ist die Digitalanzeige am einfachsten zu verwenden. Nachteil: Seine Batterie ist meist genau dann leer, wenn er benötigt wird.

 
Klassischer Analog-Messschieber

Klassischer Analog-Messschieber – hier mit Nonius

Uhrmessschieber

Uhrmessschieber – einfache Bedienung, empfindlicher Mechanimus

 
Digital-Messschieber

Digital-Messschieber – hohe Präzision und einfach abzulesen

Messschieber im Scheckkarten-Format

Eine Sonderform - ein Messschieber im Scheckkarten-Format

 

Wie liest man den Nonius ab?

Als Nonius bezeichnet man die zusätzliche Skala, die es ermöglicht, die Zwischenräume zwischen zwei Strichen auf der Hauptskala mit einer höheren Genauigkeit zu messen. Das Auge kann ab einer bestimmten Strich-Dichte nur noch schwer zwischen den einzelnen Strichen unterscheiden. Eine exakte und doch komfortable Steigerung der Ablesegenauigkeit ist mit dem Nonius möglich.

Um den Nonius exakt abzulesen, müssen Sie genau senkrecht auf den Nonius hinabschauen. Zunächst lesen Sie den letzten ganzzahligen Wert der Hauptskala vor der 0 der Nonius-Skala ab. Danach suchen Sie den Strich auf der Nonius-Skala, der einen beliebigen Strich der Hauptskala verlängert. Dieser gilt für den Wert Nonius-Skala. Beispielweise in den Maßstäben 1/100, 1/20 oder 1/10.

Nonius ablesen

Im ersten Schritt lesen Sie die Hauptskala ab – es gilt der letzte Wert der Hauptskala vor der 0 der Nonius-Skala (28). Im zweiten Schritt suchen Sie den Strich auf der Nonius-Skala, der exakt einen beliebigen Strich der Hauptskala verlängert (85). Dieser entspricht dem mit dem Nonius ermittelten Wert. Das Messergebnis beträgt also 28,85 mm.

Aus welchem Material soll der Messschieber sein?

Grundsätzlich können Sie zwischen Messschiebern aus Metall oder aus Kunststoff wählen. Metall-Messschieber zeichnen sich durch eine längere Lebenszeit und auch der etwas geringeren Empfindlichkeit gegenüber Stößen aus. Der Vorteil von Messschiebern aus Kunststoff liegt im geringeren Gewicht und auch die geringere Kratz-Gefährdung für empfindliche Oberflächen. Auch bei Elektronikbauteilen.

Welcher Messschieber ist der richtige?

Für welchen Messschieber Sie sich entscheiden, hängt neben dem Anspruch an die Anzeigegenauigkeit auch von Ihren persönlichen Vorlieben ab. Es gibt viele Handwerker, die auf analoge Messschieber aus Edelstahl schwören. Dieser ist robust und mit etwas Übung beim Ablesen des Nonius für die meisten Aufgaben genau genug. Anderen ist unter anderem wichtiger, dass sie mit dem Messschieber keine Kratzer auf die Oberfläche ihrer Messstücke hinterlassen und wählen daher Kunststoff-Messschieber. Wer es einfach, komfortabel und sehr genau haben möchte, der wählt einen digitalen Messschieber – und tut sich bei der Ablesung leichter. Achten Sie auch darauf, wie lang der Messschieber sein muss, damit Sie den Messbereich abdecken, der für Sie in der täglichen Arbeit relevant ist.

Was ist der Unterschied zwischen Messschieber und Schieblehre?

Das Messwerkzeug wird nach DIN 862 als Messschieber bezeichnet. Eine Lehre dient im Gegensatz zum Messwerkzeug zur Reproduktion eines einmal gemessenen/festgelegten Wertes. Bekannte Beispiele sind hier etwas die Innen- und Außentaster, wie sie beim Drechseln verwendet werden. Viele Messschieber verfügen hierzu über eine Feststellschraube, mit der der Messkopf fixiert werden kann. Der Messschieber wird durch das Fixieren zur Lehre - und kann für den Vergleich beliebig vieler Teile mit dem im Vorfeld gemessenen und fixierten Wert eingesetzt werden.

Was kann man mit dem Messschieber messen?

Ein Messschieber ist flexibler als er auf den ersten Blick wirkt. Tatsächlich sind vier verschiedene Messungen mit ihm möglich.

  • Außenmessung – hierbei wird das zu messende Werkstück von den Messbacken umgriffen.
  • Innenmessung – diese wird mit dem Messschnabel vorgenommen. Diese schiebt man beispielsweise in eine Bohrung, ob sie wirklich das gewünschte Maß hat.
  • Tiefenmessungen – hierzu wird der Dorn am Ende des Messschiebers beispielsweise in eine Bohrung geschoben und diese gemessen.
  • Stufenmessung – hierbei wird der feste Messschenkel auf die Stufe aufgelegt und der bewegliche Messschenkel dann bis zum Absatz hochgeschoben und auf ihm platziert.

Welche Tipps gibt es zum Messen mit dem Messschieber?

  • Die Messschieber sind bei der Temperatur 20 Grad Celsius geeicht worden (siehe Angabe auf dem Lineal). Bei dieser Temperatur sind sie exakt.
  • Messen Sie nicht nur mit der Spitze, sondern bewegen Sie das Werkstück so weit wie möglich an das Lineal in den Messschieber hinein.
  • Üben Sie beim Messen keinen Druck auf das Gerät aus. Unterschiedlich starke Kräfte führen auch bei festen Werkstücken zu unterschiedlichen Ergebnissen.
  • Wenn Sie ein Werkstück an einer schwer zugänglichen Stelle messen wollen: Fixieren Sie nach dem Anlegen des Messschiebers an das Werkstück den Messschieber mit der Fixierschraube. Lesen Sie das Ergebnis ab, wenn Sie die Skala besser einsehen können.
  • Messen Sie stets im rechten Winkel zur Objektachse, um keine Verfälschungen durch diagonale Messungen zu erhalten. Verkanten Sie den Messschieber also nicht.
  • Weichmetalle wie Messing, Kupfer oder Aluminium können Sie direkt mit dem Ende der Messbacken anritzen. So vermeiden Sie Fehler z. B. durch eine schräg gehaltene Anreißnadel.
  • Achten Sie bei einer Tiefenmessung darauf, dass Sie den Messschieber senkrecht und bis zur tiefsten Stelle absenken.
  • Reinigen Sie Bohrungen und Fugen und blasen Sie diese ggf. vor der Messung aus.
  • Achten Sie peinlichst genau darauf, dass sich kein Schmutz zwischen den Armen des Messschiebers sammeln.