Messerscheide selbst entwerfen und bauen
Zu einem selbstgebauten Messer gehört eine individuelle Scheide. Diese sollte in Funktion und Aussehen zum Messer passen. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie eine eigene Messerscheide von Grund auf entwickeln und was Sie beim Bau des Prototyps beachten sollten.
Ideen sammeln
Schauen Sie sich zunächst verschiedene Messerscheiden an. Was gefällt Ihnen gut, welche Funktionen bieten die unterschiedlichen Designs und was könnte verbessert werden? Welche Form würde gut zu Ihrem Messer passen? Was möchten Sie mit Ihrem Messer machen und welche Messerscheide wäre dabei praktisch?
Materialwahl
Messerscheiden werden meist aus Leder gefertigt. Es gibt aber auch andere Materialien, die sich als Schutz für eine Klinge eignen. Beispielsweise haben wir in unserem Video zum Thema Messerscheide selbst entwerfen und bauen eine Lederscheide mit einem Sicherheitsinlay und einem Gürtelclip aus Kydex kombiniert. Messerscheiden können auch aus Holz gefertigt werden, wie bei manchen japanischen Jagdmessern.
Handwerkstechnik
Welche Fertigkeiten besitzen Sie oder möchten Sie erlernen, um den Bau der Messerscheide in die Tat umzusetzen? Eine klassische Sattlernaht ist wohl die beste Technik für eine klassische Lederscheide, aber auch eine, die viele erst erlernen müssen. Leichter geht es mit einer einfachen Flechtnaht oder durch Kleben und Vernieten. Möchten Sie das Leder mit der sog. »Nassformtechnik« an die Form des Messers anpassen? Mit Kydex können Sie ähnliche Formen wie bei der »Nassformtechnik« vergleichsweise einfach herstellen. Zudem werden Messerscheiden aus Kydex meist nur vernietet und verschraubt. In unserem Videotutorial Kydex – 4 Beispiele finden Sie dazu mehr Informationen.
Musterentwicklung
Nachdem sich Ihre Ideen konkretisiert haben, Sie wissen aus welchem Material
und in welcher Technik die Scheide entstehen soll, geht es nun darum, ein
erstes Muster auf Papier zu entwickeln. Die Musterentwicklung ist ein
komplexer Prozess, bei dem alle zuvor genannten Aspekte mit einfließen. Sie
benötigen dafür festes Papier mit ca. 300 g/m² oder dünnen Karton. Neben
Zeichenwerkzeug wie Stift, Lineal und Geodreieck brauchen Sie auch alle
Materialien und Halbzeuge (Leder, Holz, Nieten, Druckknöpfe, Sicherheitsinlay
etc.). Hilfreich sind ein Messschieber-, zum Ermitteln von Materialstärken,
und Klammern, um Materialien oder Teile temporär miteinander verbinden und
ausmessen zu können.
Zu Beginn der Musterentwicklung zeichnen Sie die
Konturen des Messers auf dem Papierbogen auf. Um diese Form herum entwickeln
Sie nach und nach alle Bestandteile Ihrer Messerscheide. Meist beginnt man mit
der eigentlichen Scheide, in der die Klinge stecken wird. Beachten Sie dabei
die Materialstärke und die Biegeradien des Materials. Dünnes Leder legt sich
beispielsweise leichter bzw. enger um die Klinge als ein dickes. Um solche
Variablen wie Biegeradien und Steifigkeit zu ermitteln, ist es zwingend
notwendig, die Materialien griffbereit zu haben.
Als nächstes folgt dann
der obere Bereich der Messerscheide mit dem Verschluss, der das Messer in der
Scheide festhält, und der Aufhängung (z. B. eine oder zwei Gürtelschlaufen
oder eine Öse für ein Nackenband). So entsteht allmählich die Grundform der
Scheide. Eine Messerscheide besteht meist aus mehreren Teilen wie Grundplatte,
Vorderteil, Verschlussriemen und Gürtelschlaufe. Es ist aber auch möglich, die
komplette Scheide aus einem einzigen Stück Leder herzustellen. In unserem Video zeigen wir diesen Entwicklungsprozess Schritt für Schritt.
Prototyp
Nachdem alle Ideen in das Papiermuster eingeflossen sind, schneiden Sie die
Teile aus. Anhand dieser Muster können Sie manche Details bereits überprüfen.
Zum Beispiel lässt sich jetzt oft schon erkennen, ob genügend Materialzugabe
für Nähte oder Nieten eingeplant wurde.
Die Papiermuster dienen nun als
Schablonen, um die Formen auf das gewählte Material zu übertragen. Achten Sie
beim Anzeichnen darauf, dass die Muster mit der richtigen Seite nach oben
liegen und nicht aus Versehen spiegelverkehrt übertragen werden!
Nun
schneiden Sie die Teile Ihrer Messerscheide zu und setzen Ihre Idee in einen
ersten Prototyp um. Wenn Sie die Messerscheide aus einem hochwertigen, teuren
Leder bauen möchten, ist es empfehlenswert, das Muster aus einem günstigen
Leder zu bauen. Es geht in diesem Schritt nur darum, den Entwurf auf
Umsetzbarkeit, Passgenauigkeit und Funktionalität zu überprüfen. In der Regel
werden Sie jetzt die eine oder andere Schwachstelle feststellen. Dies kann zum
Beispiel ein Fehler im Herstellungsablauf sein, wenn eine Öse sich nach dem
Nähen nicht mehr gut einschlagen lässt. Auch die Position oder der Winkel des
Verschlusses oder der Gürtelschlaufe kann sich als suboptimal herausstellen.
Vielleicht entspricht auch einfach die Optik der Messerscheide nicht Ihren
Vorstellungen. Alle Änderungen können Sie auf den Papiermustern vermerken bzw.
einzeichnen. Mit diesen Verbesserungen fertigen Sie dann einen weiteren
Prototyp oder, wenn es nur kleine Änderungen gibt, auch gleich die endgültige
Scheide.
Scheitern
Es ist völlig normal, dass bei einem solchen Entwicklungsprozess nicht alles auf Anhieb so funktioniert, wie Sie sich das vorgestellt haben. Manche Ideen scheinen genial, erweisen sich aber in der Umsetzung als unpraktisch. Typisch sind Fehler im Herstellungsablauf. Je mehr Teile zusammengefügt werden müssen, um so leichter kann ein Fehler im Ablauf passieren. Durch die Herstellung eines Prototyps können Sie die Verbesserungsmöglichkeiten leicht erkennen. Der Entwicklungsprozess ist wesentlich zeitaufwendiger als die endgültige Umsetzung. Wenn Sie beispielsweise einen Tag für den ersten Entwurf der Messerscheide gebraucht haben, kennen Sie den Ablauf genau und wissen, welche Arbeitsschritte in welcher Reihenfolge erfolgen müssen. Änderungen und Verbesserungen an Form und Funktion sind schnell umgesetzt und die zweite Messerscheide erfahrungsgemäß in wenigen Stunden fertig. Und diese Messerscheide ist dann die ideale Ergänzung zu Ihrem selbstgebauten Messer.