Leder nähen, schneiden, bearbeiten
Wer mit dem Lederhandwerk als Hobby beginnen möchte, braucht nur ein paar wenige ausgewählte Werkzeuge. Ganz gleich, ob Sie Lederscheiden für Ihre Messer oder Ihre Werkzeugklingen fertigen, hochwertige Gürtel oder elegante Taschen und Etuis nähen möchten, für dieses Hobby brauchen Sie nicht viel Platz und auch das benötigte Werkzeug hält sich in Grenzen. Wir geben Ihnen Tipps für die Zusammenstellung einer Grundausstattung an Lederwerkzeugen.
Welche Werkzeuge brauche ich, um Leder zu bearbeiten?
Im Grunde sind nur wenige Werkzeuge für die einzelnen Arbeitsschritte bei der Lederverarbeitung nötig. Hier zunächst eine grobe Übersicht über die Tätigkeiten und Werkzeuge:
- Arbeitsplatz einrichten: unterschiedliche Unterlagen zum Schneiden, Lochen und Stanzen, Punzieren und Ausschärfen
- Leder zuschneiden: Cuttermesser, Ledermesser, Halbmond, Riemenschneider
- Leder kleben: Lederkleber, Kontaktkleber, Pinsel und Hammer
- Leder nähen: Prickeisen, unterschiedliche Ahlen und Hefte, Garn, Nadeln
- Leder-Kantenbearbeitung: Lederhobel bzw. Kantenhobel, Lederpolitur, Kantenpolierer, Lappen
- Leder pflegen: Lederöl, Lederpflege, Ledermilch, Bürsten und Lappen
Welche Unterlagen brauche ich für die Lederbearbeitung?
Für das Arbeiten mit Leder brauchen Sie drei unterschiedliche Arbeitsunterlagen, nämlich eine für den Zuschnitt, ein zum Lochen und Stanzen und eine zum Ausschärfen und Punzieren.
Abb.: Unterschiedliche Arbeiten brauchen verschiedene Unterlagen
Worauf kann ich Leder schneiden?
Abgesehen von einem Tisch, auf dem Sie arbeiten, brauchen Sie eine Schneidunterlage. Die grünen Matten mit Zentimeterraster eignen sich sehr gut für das Zuschneiden von Leder mit Cuttern, Skalpellen und Furniermessern. Beim Schneiden und Ausschärfen mit einem Halbmond-Messer bieten sie allerdings zu viel Widerstand. Durch das aufgedruckte Raster benötigen Sie beim rechtwinkligen Zuschnitt von Lederteilen keinen zusätzlichen Winkel.
Kann ich auf der Schneidmatte auch Lochen und Stanzen?
Eine Schneidunterlage ist zu dünn und wird durch die festen Schläge und das Durchschlagen der Locheisen schnell beschädigt. Um die Schneiden von Loch- oder Prickeisen zu schützen, brauchen Sie eine festere Unterlage. Ausreichend ist ein Stück Holz, zum Beispiel ein altes Schneidbrett. Küchen-Schneidbretter aus weichem Kunststoff funktionieren ebenfalls gut.
Welche Unterlage verwende ich zum Lederausdünnen und Punzieren?
Beim Ausschärfen von Lederkanten ist eine polierte Steinplatte, beispielsweise eine Granitplatte als Unterlage hilfreich. Eine polierte Steinplatte als Unterlage verhindert beim Ausschärfen das Hängenbleiben und Einschneiden in die Schneidunterlage. Auch wenn Sie Leder punzieren wollen, ist die Steinplatte als Unterlage praktisch, da sie ausreichend Gegendruck bietet und die Schläge gut dämpft.
Kann ich Leder mit einem Kugelschreiber markieren?
Die Tinte des Kulis dringt tief ins Leder ein und kann nach einiger Zeit auf der gegenüberliegenden Lederseite Flecken verursachen. Mit einer Rundahle können Sie die Schnittlinien und Nähte sicherer und deutlicher markieren. Zum Markieren des Nahtabstands zur Lederkante oder der Lochabstände an Gürteln eignet sich ein Spitzzirkel hervorragend. Die Spitzen von Ahle und Zirkel dürfen nicht zur scharf sein und kratzen. Es soll lediglich eine Vertiefung in die Lederoberfläche gedrückt werden. Entschärfen und polieren Sie gegebenenfalls die Spitzen der Werkzeuge. Mit einem sog. Silberstift können Sie direkt aufs Leder zeichnen. Er ist gut erkennbar, dringt nicht tief ein und lässt sich hinterher nahezu rückstandslos entfernen.
Mit welchen Werkzeugen kann ich Leder schneiden?
Zum Schneiden können Sie zwischen diversen Messern wählen. Klassisch wird in der Lederbearbeitung das Halbmondmesser verwendet. Der Umgang damit und vor allem das Nachschärfen bedarf aber sehr viel Erfahrung und Übung. Gerne werden Rollmesser verwendet, deren Klingen allerdings sehr dünn und biegsam sind. Mit ihnen sollte deshalb nur mit sehr wenig Druck geschnitten werden, da sonst die Kanten schräg werden. Empfehlenswert ist das japanische Ledermesser. Es ist einseitig rechts geschliffen und kann deshalb sehr exakt am Lineal geführt werden. Seine Spitze ist schlank, sodass Sie damit auch kleinere Radien gut schneiden können. Falls vorhanden, geht für den Anfang auch ein Skalpell oder Cuttermesser.
Abb.: Ein einseitiger Anschliff des Ledermessers ist beim Schneiden am Lineal sinnvoll
Um gerade Kanten schneiden zu können, brauchen Sie ein Stahllineal. Wenn Sie vorhaben, Gürtel zu fertigen, empfiehlt sich eine Lineallänge von mindestens einem Meter. Zum Schneiden von Bändern, Riemen und Gürteln ist ein Riemenschneider sehr praktisch. Sein Anschlag bzw. Messer wird auf die gewünschte Breite eingestellt - an einer geraden Kante entlanggezogen, schneidet er dann stets gleich breite Riemen zu.
Was brauche ich zum Leder nähen?
Wollen Sie zwei oder mehrere Lederteile vernähen, werden diese in der Regel zuerst mit Klebstoff fixiert. Bei Verwendung von Kontaktklebstoff, beispielsweise Kövulfix Haftkleber, ist es ratsam, die Verklebung mit einem Hammer zu klopfen. Der Hammer sollte eine abgerundete Bahn haben, damit er keine sichtbaren Dellen im Leder hinterlässt. Ein Lederhammer mit Finne ist praktisch, um auch schmale Ecken zu erreichen. Auch ein japanischer Zimmererhammer funktioniert, da auch er eine gerundete Bahn hat.
Für Anfänger lohnt sich die Anschaffung einer Nähmaschine sicherlich nicht. Nähmaschinen für Leder müssen sehr robust sein und sind entsprechend kostspielig. Sie können Leder jedoch prima mit der Hand nähen.
Die Löcher zum Nähen von Leder werden in der Regel vorher markiert und mit einem Prickeisen vorgestochen. Das Prickeisen gibt sowohl die Stichlänge als auch die Neigung der Schwertahle vor. Lange gerade Nähte werden effizient mit einem breiten Prickeisen mit mindestens sechs Zähnen gestochen, für engere Radien und Ecken kommen Vorstecheisen mit nur drei oder weniger Zähnen zum Einsatz. Die Prickeisen werden mit einem Schonhammer oder Rohhauthammer auf einer geeigneten Unterlage geschlagen (siehe oben).
Um auch durch sehr dicke Lederschichten zu kommen und um beim Nähen die Löcher etwas zu erweitern, benötigen Sie noch eine Schwertahle. Beim Vernähen der Nahtenden wird mit einer Rundahle eingestochen.
Abb.: Prickeisen sorgen für ein gleichmäßiges Nahtbild
Bei einer klassischen Sattlernaht wird mit zwei Nadeln gleichzeitig genäht. Achtung, eine sog. »Ledernadel« aus der Kurzwarenabteilung hat eine scharfe dreischneidige Spitze. Die Spitze dieser Nadel würde den Faden bzw. das Garn beim Nähen zerschneiden. Für das Nähen von Leder mit der Hand werden sog. Sattlernadeln mit einer abgerundeten Spitze verwendet. Diese Nadel zerschneidet das Garn beim Nähen nicht und auch das Verletzungsrisiko ist deutlich geringer.
Um beide Hände zum Nähen benutzen zu können, werden die Lederteile in einem sog. Nähkloben gehalten. Dieser hält die Teile beim Nähen zusammen. Tipp: Stellen Sie den Nähkloben leicht schräg bzw. nach rechts geneigt auf, dann haben Sie eine bessere Sicht auf die Naht. Für den Einstieg können Sie sich mit einem Eigenbau oder einem kleinen Schraubstock behelfen.
Für eine robuste Ledernaht empfehlen wir gewachstes Leinengarn. Das Garn wird bereits während der Produktion durch Wachs gezogen und ist dadurch fester und unempfindlicher. Während des Nähens nutzt sich diese Wachsschicht jedoch ab, weshalb Sie das Garn bei einer längeren Naht mit Bienenwachs nachwachsen sollten. (Beim Nähen mit einer Nähmaschine wird der Faden nicht so oft durchgezogen, deshalb kann dabei auch Baumwollgarn oder Kunstfaser für das Nähen von Leder verwendet werden). Eine ausführliche Anleitung zum Nähen von Leder bzw. für die klassische Sattlernaht finden Sie in unserem YouTube-Video.
Wie mache ich Gürtellöcher und Löcher für Nieten?
Wenn Sie Ledergürtel machen möchten oder um Nieten anzubringen, müssen Sie das Leder mit Löchern versehen. Für Gürtel reicht eine gute Lochzange. Sind die Lochstellen allerdings weiter innen im Lederstück angeordnet, kommen Sie um die Verwendung von Locheisen nicht herum. Weil mit Locheisen alle Stellen erreichbar und sie auch zum Schneiden von Innenrundungen sehr praktisch sind, empfehlen wir einen Locheisensatz mit vielen verschiedenen Durchmessern. Locheisen und Prickeisen sollten Sie nur mit einem Schonhammer auf geeigneter Unterlage benutzen.
Abb.: Locheisen eignen sich auch zum Schneiden von Innenrundungen
Welchen Werkzeuge brauche ich zur Kantenbearbeitung von Leder?
Nach dem Zuschnitt werden die Lederkanten meist nachbearbeitet. Dabei werden zuerst die Schnittkanten auf der Lederober- und -unterseite mit einem sogenannten Kantenhobel gefast oder gerundet. Für unterschiedliche Lederstärken ist der Kantenhobel-Satz mit drei unterschiedlich starken Radien praktisch.
Wurden mehrere Lagen Leder miteinander vernäht oder vernietet, sollten leichte Versätze der Schichten vor dem Runden der Kanten mit Schleifpapier beseitigt werden. Außenrundungen in der Kontur der Lederstücke können Sie damit ebenfalls verputzen und versäubern.
Abb.: Mit einem Polierholz und Wasser werden Lederkanten poliert
Mit Hilfe eines Polierholzes bzw. Kantenpolierers und Wasser können die Kanten poliert werden. Etwas schneller geht das Polieren mit Tokonole. Auch die raue Lederseite (Fleischseite) können Sie damit stellenweise glätten. Mit einem schmalen Falzbein können Sie enge, weniger gut erreichbare Stellen glätten und nachpolieren.
Werkzeugaufstellung
Verglichen mit anderen handwerklichen Hobbys sind für den Einstieg in die Lederbearbeitung relativ wenige Werkzeuge notwendig. Hier unser Vorschlag mit 18 Werkzeugen für eine Grundausstattung als Übersicht:
- Schneidunterlage
- Granit-Steinplatte
- Shinwa Lineal 1000
- DICTUM Rundahle, 45 mm
- Französischer Spitzzirkel, Schenkellänge 200 mm
- Japanisches Ledermesser
- Kantenhobel, Satz, 3-teilig
- Kantenpolierer, 4-fach
- Tokonole Lederpolitur
- Falzbein
- Kövulfix Haftkleber
- Vergez Blanchard Lederhammer, Nr. 3
- Vorstecheisen für Leder, 6 Zähne
- Vorstecheisen für Leder, 3 Zähne
- Rohhaut-Hammer mit Bleikern, Gewicht 450 g
- DICTUM Schwertahle
- Henkellocheisen, Satz, 5-teilig
- DICTUM Nähkloben
Die genannten Werkzeuge sind sehr hilfreich und praktisch, einige sind für die Lederbearbeitung absolut notwendig. Für den Anfang können Sie jedoch manche, zum Beispiel Hammer oder Ledermesser, durch bereits vorhandene, ähnliche Werkzeuge ersetzen und zu einem späteren Zeitpunkt durch die passenden Lederwerkzeuge ergänzen.
FAQs Werkzeuge zum Leder nähen, schneiden und bearbeiten
Welche Nadel zum Leder nähen verwenden?
Wir empfehlen sog. Sattlernadeln mit abgerundeter Spitze. Für unterschiedliche Fadenstärken gibt es sie in unterschiedlichen Größen. Sie sind stabiler als einfache Nähnadeln. Normale Nähnadeln für Stoff bzw. Textilien sind spitz und bleiben im Leder stecken oder durchstechen das Garn. Sog. Ledernadel aus der Kurzwarenabteilung haben eine schneidende Spitze und zerschneiden den Faden. Solche Ledernadeln sind hauptsächlich zum Aufnähen von Lederapplikationen, etwa am Ellebogen oder Knie, gedacht.
Was ist die Stichlänge?
Als Stichweite bzw. Stichlänge wird der Abstand zwischen den einzelnen Einstichen beim Nähen bzw. der Abstand der Zähne bei den Prickeisen bezeichnet. In der Regel wird die Stichlänge in Stiche bzw. Zähne pro Inch (1 Inch = 25,4 mm) angegeben.
Wofür wird eine Nähahle benutzt?
Zum Leder nähen mit der Hand wird für gewöhnlich eine Schwertahle und eine Rundahle benutzt. Eine sog. »Nähahle« wird hauptsächlich zum Reparieren von defekten Nähten in Leder oder für grobe Stoffe (Sackleinen, Zeltplanen) genutzt. Eine Nähahle besitzt an der Spitze ein Nadelöhr und am Heft eine Metallspuhle, auf der der Faden zum Nähen aufgewickelt ist. Am Anfang der Naht wird mit der Ahle durchgestochen und der Faden weit durchgezogen, diese dient als Unterfaden. Dann wird die Nähahle zurückgezogen und ins nächste Loch gestochen. Es bildet sich eine Fadenschlaufe, durch die dann der Kettfaden bzw. Unterfaden gezogen wird. Anschließend wird die Nähahle wieder zurück gezogen und der Vorgang über die gesammte Nahtlänge wiederholt. Es entsteht im Grunde eine Naht, die mit der einer Nähmaschine vergleichbar ist.
Zusammengefasst:
Für den Einstieg ins Lederhandwerk sind vergleichsweise wenige Werkzeuge nötig. Eine komplette Grundausstattung für die Lederbearbeitung lässt sich zudem platzsparend verstauen, sodass für dieses kreative Hobby nur kleine Investionen und wenig Platz benötigt wird. Unser Tipp: beginnen Sie die ersten Lederarbeiten mit einer kleinen Auswahl hochwertiger Werkzeuge aus unserem Shop und ergänzen Sie diese nach und nach mit weiteren Qualitätswerkzeugen, die Sie bei Ihren Projekten tatsächlich benötigen. Wenn Sie das Leder nähen einmal beherrschen, können Sie Ihre eigenen Kreationen aus Leder umsetzen und auch alte Taschen, Messerscheiden oder Etuis reparieren. In unseren Workshops können Sie die Lederverarbeitung unter professioneller Anleitung erlernen.