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Ziehklingen schärfen

Eine Ziehklinge ist ein sehr einfaches Werkzeug, denn sie besteht im Grunde nur aus einem einzigen Stück Stahl bzw. Stahlblech. Dennoch ist sie vielseitig einsetzbar und ein praktischer Helfer bei Problemfällen. Wir möchten Ihnen dieses oft unterschätzte Werkzeug etwas näherbringen und erklären, wie Sie eine Ziehklinge schärfen und richtig benutzen können.

Wie arbeitet man mit einer Ziehklinge?

Die Ziehklinge wird in der Regel mit beiden Händen gehalten. Anders, als es der Name vermuten lässt, kann mit ihr nicht nur ziehend gearbeitet werden. Meist wird sie eher gedrückt bzw. geschoben. Mittels Daumen- oder Fingerdruck wird sie dabei etwas durchgebogen, sodass sie nicht über die gesamte Breite Späne abnimmt, sondern nur partiell. Die Klinge wird dabei etwas in Schnittrichtung geneigt. Wie stark sie geneigt wird, hängt von angezogenen Grat ab. Dazu später mehr.

 

Abb.: Gut geschärfte Ziehklingen erzeugen keinen Staub, sondern feine Holzspäne

Wie funktioniert eine Ziehklinge?

Ziehklingen werden aus relativ harten Stählen hergestellt, wie sie zum Beispiel auch für Sägeblätter verwendet werden. Sie sind in unterschiedlichen Stärken und Formen erhältlich. Die Ziehklinge ist ein schneidendes Werkzeug. Voraussetzung ist, dass sie richtig geschärft ist und einen scharfen Grat besitzt, der in der Lage ist, sehr feine Holzspäne abzutragen. Die Spanabnahme kann durch ihre Neigung und den ausgeübten Druck sehr fein dosiert und der jeweiligen Situation angepasst werden.

 

Abb.: Der feine Grat arbeitet im Prinzip wie ein sehr kleines Hobeleisen

Wofür verwendet man Ziehklingen?

Sie eigenen sich für folgende Aufgaben:

  • feiner Materialabtrag, auch stellenweise
  • Glätten wechselwüchsiger Hölzer
  • Formgebung 
  • Entfernen von alten Lack- und Farbschichten
  • Nacharbeiten von gerundeten und gewölbten Oberflächen

Durch den sehr feinen Materialabtrag hat die Ziehklinge besonders in schwierigen Situationen einige Vorteile. Sie kann mit, gegen und quer zur Holzfaser geführt werden. Mit ihr können Sie wechselwüchsige Hölzer glätten, die mit Hobeln nur schwer zu bearbeiten sind (siehe unten »Schabhobel«). Kommt es beim Hobeln zu Ausrissen oder gibt es kleinere Verwachsungen und Äste im Holz, können Sie mit ihr die Problemstellen gezielt bearbeiten. Dabei wird in einem größeren Bereich um die Stelle herum, von außen nach innen, schrittweise Material abgetragen, bis die Oberfläche an der Problemstelle glatt und ausrissfrei ist. Das Ergebnis ist eine sanfte Vertiefung, die meist kaum sichtbar ist.

Um Lack- und Farbschichten ohne Chemie zu entfernen, sind stärkere Ziehklingen ein einfaches und kostengünstiges Werkzeug. Dazu müssen sie nicht einmal besonders geschärft sein. Es reicht, wenn Sie ab und zu den Grat grob nachziehen (dazu später mehr).

 

Was macht man mit einer Schwanenhalsziehklinge?

Für das Nacharbeiten von Vertiefungen (z. B. Sitzmulden, Eingriffe, Schnitzarbeiten) und Rundungen (z. B. gewölbte Türen, Profilleisten, Messergriffen) gibt es sie in unterschiedlichen Formen. Vielseitig einsetzbar sind Ziehklingen, deren Längskanten gerade und an den kurzen Seiten einmal konvex und einmal konkav geformt sind. Für stärker geformte Oberflächen ist der sogenannte Schwanenhals gedacht. Er bietet eine Vielzahl an unterschiedlich großen Innen- und Außenradien.

 

Was ist besser, dünne oder dicke Ziehklingen?

Ziehklingen gibt es von 0,25 bis 1 mm Stärke. Dünne lassen sich leichter durchbiegen als dicke. Das ist vor allem beim Bearbeiten von Details und auf kleinen Flächen von Vorteil, hat jedoch den Nachteil, dass die Ziehklinge dem Widerstand des Holzes nachgibt und meist auch schneller stumpf wird. Je größer die zu bearbeitende Fläche und je mehr Materialabtrag gewünscht ist, umso stärker kann der Stahl sein. Das Durchbiegen einer 1 mm starken Klinge kann auf Dauer jedoch recht anstrengend werden. Da sie kostengünstige Werkzeuge sind, ist selbst die Anschaffung eines Satzes mit unterschiedlichen Stärken für die meisten Holzhandwerker eine erschwingliche Investition.

Wie schärfe ich eine Ziehklinge für die Holzbearbeitung?

Zur Grundausstattung für das Schärfen von Ziehklingen gehören eine Feile (ohne Heft), Banksteine von grob bis fein oder ein Kombistein (1000/6000), Abrichtwerkzeug für Banksteine und ein Abziehstahl. Das Ziehklingenschärfen erfolgt in drei bis vier Schritten:

  •  Kante feilen/abrichten
  •  Kante und Seiten schleifen
  •  Verdichten
  •  Grat anziehen

 

Abb.: Mit dem Abziehstahl wird der Gart angezogen

1. Abrichten

Benötigte Werkzeuge:

  •  Flachfeile (Einhieb)
  •  Einspannmöglichkeit
  •  Optionale Hilfsmittel: Feilenhalter/Abrichtlehre.

Da neue Ziehklingen in der Regel gestanzt werden und dadurch auf der einen Seite abgerundet, auf der anderen ausgefranst sind, müssen die Kanten mit einer Feile (ohne Heft) abgerichtet werden. Spannen Sie die Ziehklinge in einen Schraubstock mit Holzzulagen oder die Vorderzange einer Hobelbank ein. Lassen Sie sie ein paar Millimeter überstehen. Streichen Sie mit der Feile in Längsrichtung über die Ziehklingenkante und nehmen soviel Material ab, bis alle Stanzspuren beseitigt sind. Achten Sie darauf, die Feile genau im rechten Winkel zur Klinge bzw. parallel zur Fläche der Hobelbank zu führen, eine Abrichtlehre kann dabei helfen. Ziel ist eine rechtwinklige Kante.

2. Kante und Seiten schleifen

Benötigte Werkzeuge: 

  • Schärfsteine-Satz oder Kombistein 
  • Wasser
  • Optionale Hilfsmittel: Holzklotz 

Nachdem alle Stanzspuren beseitigt sind, wird die Kante nun rechtwinklig geschliffen. Richten Sie den Schleifstein vor dem Schärfen ab. Beginnen Sie das Schleifen mit einer groben Körnung (800 bis 1000). Ideal ist eine Diamantabrichtplatte. Anschließend wechseln Sie auf eine feiner Körnung (1000 bis 2000) und abschließend auf einen Abziehstein (6000 bis 8000). Auf dem Abziehstein werden auch die Seitenflächen der Ziehklinge poliert. Für den gelegentlichen Gebrauch reicht auch ein Kombistein mit Körnung 1000/6000. Achten Sie darauf, dass die Ziehklinge exakt senkrecht zum Schärfstein geführt wird. Ein Holzklotz kann dabei als Führung dienen. Bewegen Sie die Klinge stets leicht schräg/diagonal über den Stein, damit sie sich nicht in den Stein einschleift und in ihm tiefe Rillen hinterlässt. Ziel ist eine glatte Kante mit korrekten 90 Grad Winkeln.

3. Verdichten

Benötigte Werkzeuge:

  •  Abziehstahl / Ziehklingenstahl
  •  Öl

Die scharfe Ziehklingenkante eignet sich bereits jetzt zum Abschaben und Kratzen, wird jedoch schnell wieder stumpf. In diesem Schritt wird der Stahl an der Kante verdichtet und nach außen gedrückt, um das Anziehen des Grates vorzubereiten. Legen Sie die Klinge dazu nahe der Tischkante auf die Arbeitsfläche und geben eins-zwei Tropfen Öl auf die Ziehklinge. Nun streichen Sie mit etwas Druck auf den Abziehstahl über die Seitenflächen. Drehen Sie die Ziehklinge um und wiederholen den Vorgang. Ziel ist es, den Stahl zu verdichten und etwas Material nach außen zu treiben.

4. Grat anziehen

Benötigte Werkzeuge:

  •   Abziehstahl / Ziehklingenstahl 
  •  Einspannmöglichkeit 

Wie ziehe ich eine Ziehklinge richtig ab? 

Im letzten Schritt wird das nach außen getriebene Material umgelegt, sodass sich ein schneidender Grat an der Kante bildet. Dazu spannen Sie die Ziehklinge in den Schraubstock/die Vorderzange ein. Legen Sie den Abziehstahl zunächst waagerecht auf und streichen Sie damit ein paar Mal über die Kante. Anschleißend neigen Sie den Abziehstand etwas, um den Grat etwas stärker anzuziehen. Der Winkel variiert zwischen 5° bis 15°, je stärker die Neigung, um so agressiver der Grat. Achtung, beim Schärfer Carbur 2 sind die Hartmetalleinsätze etwas geneigt zum Griff ausgerichtet, das erleichtert das Anziehen des Grates, muss aber zu Beginn des Vorgangs beachtet werden. Der Carbur 2 besitzt zwei unterschiedlich geformte Hartmetalleinsätzen aus verschleißfesten Carbiden. Der runde Einsatz dient zum Glätten mit normalem Druck, der Spitzeneinsatz bringt einen hohen Verformungsdruck und sorgt so für eine stärkere Gratbildung. Beim Accu-Burr Abziehstahl sind bereits drei gebräuchliche Winkel (5°, 10° und 15°) vorgegeben. Ziel ist es, einen Grat anzuziehen, der zur beabsichtigten Tätigkeit passt.

Tipp 1: Experimentieren Sie anfangs mit unterschiedlichen Winkeln, leicht oder stark angezogenen Graten und Neigungswinkeln der Klinge. Eine richtig geschärfte Ziehklinge schneidet dünne Holzspäne ab, eine stumpfe produkiert nur Staub.

 

Tipp 2: Eine rechteckige Ziehkinge hat vier Kanten. Wenn Sie auch die kurzen Seiten schärfen und an alle einen Grat anziehen, können Sie insgesamt 8 Seiten bzw. Grate zum Arbeiten benutzen. Passen Sie aber beim Arbeiten auf, damit Sie sich an den Graten nicht schneiden.

 

Wie schärfe ich eine Schwanenhals-Ziehklinge?

Eine Schwanenhalsklinge können Sie wie eine normale Ziehklinge schärfen. Da dies bei der geschwungenen Form jedoch wesentlich aufwendiger ist und meist nur ein kleiner Abschnitt bzw. eine bestimmte Rundung zum Einsatz kommt, wird ein Schwanenhals nur partiell geschliffen. Dies verringert zudem das Verletzungsrisiko. Alle konvexen Kanten können Sie auf normalen Schärfsteinen schärfen, für konkave Innenrundungen benötigen Sie Formsteine.

 

Abb.: Zum Schärfen einer Schwanenhals-Ziehklinge werden Formsteine verwendet

Kann ich eine stumpfe Ziehklinge nachschärfen?

Der Grat nutzt sich im Gebrauch ab, irgendwann ist er nicht mehr scharf und schneidet nicht mehr. Solange keine Macken oder Ausbrüche in den Schneiden sind, können Sie auf das Abrichten (Schritt 1) verzichten. Oft reicht es sogar aus, wenn Sie den Grat wieder flachlegen (Schritt 3) und neu abziehen (Schritt 4). 

 

Wie bewahre ich scharfe Ziehklingen richtig auf?

In einem Lederetui bewahren Sie die Klingen sicher und schonend auf. Die Grate sind optimal geschützt, die Ziehklingen bleiben lange scharf. Unterschiedlicher Stärke und Form können Sie darin auch bereits geschärft sicher bereithalten. 

 

Sonderformen

Beim Profilschabhobel kommen Klingen zum Einsatz, die je nach Profil ausgeformt sind. Die Form des Profilschabhobels erinnert an einen Schweifhobel. Er besitzt zusätzlich einen Seitenanschlag und wird wie ein Schweifhobel mit beiden Händen über das Werkstück geführt. Mit einem Profilschabhobel können Sie Leisten verzieren, Kanten abrunden und profilieren und auch Flächen strukturieren.

Sogenannte »Scratch stocks« sind eine sehr einfache Form des Profilschabhobels. Sie bestehen im Grunde aus einem einfachen Holzklotz, in den eine speziell geformtes Stück Ziehklingenbleck eingeklemmt wird. Die Form des Profils wird einfach mit kleinen Schlüsselfeilen negativ hinein gefeilt. Er wird an der Werkstückkante angelegt, leicht geneigt und dann mit wenig Druck gezogen oder geschoben.

Der Schabhobel ist im Grunde eine große, sehr starke Ziehklinge, die in einem Hobelkasten geführt wird. Es ist für Oberflächenbearbeitung von harten, wechselwüchsigen Hölzern geeignet und kann ebenfalls entgegen der Holzfaser geführt werden. Das Hobeleisen wird ähnlich einem normalen Hobeleisen geschliffen (45 ° Fasenwinkel). Zusätzlich kann ein Grat angezogen werden. Die Neigung des Hobeleisens lässt sich bei den meisten Modellen von 75 bis 90 ° variieren.

 

Der Ziehklingenschaber ist ein Werkzeug für grobe Arbeiten. In ihm sitzen zwei vorne gebogene Bleche, die mit ihren scharfen Kanten beim Entfernen von Leim- und Farbresten, Abziehen von Bootslacken und Abschaben von Obstbaumrinden hervorragende Dienste leisten.

Fazit

Mit etwas Übung und wenigen Werkzeugen können Sie jede Ziehklinge schärfen. Richtig geschärft nimmt sie dünne Späne ab, hinterläßt eine glatte Oberfläche und eignet sich auch für schwierige Aufgaben, an denen ein normaler Hobel scheitert. In unserem Onlineshop finden Sie hochwertige Ziehklingen in unterschiedlichen Stärken und Formen sowie alles, was Sie zum Schärfen und Abziehen benötigen.

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