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Werkzeugkiste aus Holz selbst bauen

Der international bekannte Woodworker, Künstler und Autor Toshio Odate hat nicht nur japanische Werkzeuge in aller Welt bekannt gemacht, er hat in seinem Buch »Die Werkzeuge des japanischen Schreiners« auch deren Aufbewahrung beschrieben. Dort finden sich detaillierte Zeichnungen und eine ausführliche Beschreibung der traditionellen japanischen Werkzeugkiste. In dieser Bauanleitung zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie eine solche Werkzeugkiste aus Holz selber bauen können.

Vorteile der Werkzeugkiste nach Toshio Odate

„Japanische Werkzeugkisten“, so schreibt er, „sind nicht zur Aufbewahrung gedacht, sondern zum Transport des Werkzeuges“. Darum wird kein Wert auf eine aufwändige Fertigung gelegt, sondern einzig die Funktionalität und das leichte Gewicht sind wichtig. Alle Einzelteile sind lediglich mit Nägeln und Leim verbunden, trotzdem sind diese Werkzeugkisten verblüffend stabil. Es sind keine Schrauben oder Beschläge notwendig, denn der Deckel wird durch einen cleveren Schiebemechanismus gehalten.


Abb.: Grundkonstruktion der Werkzeugkiste nach Toshio Odate

 

Die hier vorgestellte Werkzeugkiste aus Holz folgt sehr nahe dem Vorbild von Odate. Diese Kiste ist schnell gebaut und die genauen Abmessungen können Sie selbst wählen. Die Größe der Kiste richtet sich nach den Werkzeugen, die hineinpassen sollen. Bei japanischem Werkzeug ist es in der Regel die größte Säge, welche die Länge vorgibt. Planen Sie den Werkzeugkasten nicht zu groß, viel länger als 600 mm sollte er nicht werden, damit Sie ihn auch noch bequem tragen können.

Wie kann ich eine Werkzeugkiste aus Holz selber bauen?

Für den Bau einer Werkzeugkiste im Japanstyle sind folgende Arbeitsschritte nötig:

  1.  Zuschnitt der Teile
  2.  Anreißen der Holzverbindungen
  3.  Eckverbindungen nuten
  4.  Montage des Korpus
  5.  Tragegriffe anbringen
  6.  Deckel montieren

 

Welches Material eignet sich für die Werkzeugkiste?

Als Material für unsere Beispielkiste haben wir Esche gewählt und auf 12 mm Stärke ausgehobelt. Im Grunde eignen sich alle langfaserigen Holzarten, auch Eiche, Kiefer oder Tanne. Der Zuschnitt erfolgte an der Kreissäge und alle Oberflächen sind nur mit dem Hobel geputzt und roh belassen, bekommen also keine aufwändige Oberflächenbehandlung. Wenn Sie fertiges Plattenmaterial aus dem Baumarkt verwenden möchten, eignen sich z. B. Leimholzplatten in 16 mm Stärke. Für den Zusammenbau brauchen Sie außerdem geschmiedete Nägel (30 mm Länge), diese sehen nicht nur schöner aus, sondern bieten auch mehr Halt als einfache Drahtstifte.

 

Aus welchen Teilen besteht die Werkzeugkiste?

2x Seitenteile
2x Kopfbretter
1x Boden
1x Deckel
2x Griffleisten
4x Deckleisten
1x Schiebegriff

 

Anreißen

Machen Sie sich zunächst eine detaillierte Skizze bzw. einen Bauplan mit den Maßen ihrer Werkzeugkiste, um die Konstruktion zu verstehen. Alle Maße werden direkt von den Werkstücken abgenommen bzw. übertragen, so vermeiden Sie Messfehler. Zum Anreißen des Abstandes der Nut zur Stirnseite der Seitenteile verwenden Sie die Griffrohlinge und für die Breite der Nut die Kopfbretter.

 

Welche Eckverbindung für die Werkzeugkiste?

Alle Verbindung sind sehr einfach und werden nur genagelt (eventuell etwas Holzleim, keine Schrauben). Kleine ca. 2 mm tiefe Nuten in den Seiten, halten die Kopfbretter beim Zusammenbau in Position. Für die Herstellung der Nut haben Sie mehrere Möglichkeiten: 

  • Sie reißen sie mit dem Messer an und stemmen die Nut mit dem Stemmeisen aus
  • Nach dem Anreißen sägen Sie am Riss die Flanken ein und stemmen den Abfall dazwischen aus
  • Sie können zur Beseitigung des Abfalls auch einen Grundhobel (mit Tiefenanschlag) benutzen oder
  • Sie benutzen einen Nuthobel. Dieser muss zwei Vorschneider besitzen, da quer zur Holzfaser gehobelt wird
  • Maschinell können Sie die Nuten an einer Tischkreissäge schrittweise sägen oder
  • mit der Handoberfräse und einem Nutfräser ausfräsen

Sind die Nuten gemacht, können Sie direkt mit dem Zusammenbau des Korpus beginnen. 

 

Verleimen und Nageln des Korpus

Die Positionen, an denen die Nägel sitzen sollen, werden angezeichnet und schwalbenschwanzförmig (abwechseln leicht schräg) vorgebohrt. Dies verschafft der genagelten Verbindung mehr Auszugsstabilität. Wichtig: die Löcher bzw. ihr Durchmesser muss zum dem Schaft der Nägel passen. Unsere Schmiedenägel haben einen 2,5 mm Schaft, entsprechend haben wir die Löcher mit einem 2-mm-Bohrer vorgebohrt. Nach dem Vorbohren werden die Außenflächen mit dem Hobel geputzt. Der Leim wird in der Nut angegeben und die Seiten vernagelt. Anschließend können Sie direkt mit dem Aufnageln der Bodenplatte fortfahren. Dadurch wird der Korpus winklig ausgerichtet und dauerhaft im Winkel gehalten. Wie bei den Seiten zeichnen Sie die Position der Nägel zuerst an und bohren vor. Dann wird auch der Boden geputzt, Leim angegeben und der Boden aufgenagelt.

 

Abb.: Die abwechselnd schräg eingeschlagenen Nägel verleihen der Verbindung mehr Stabilität

Wie mache ich die Tragegriffe für die Kiste?

Für die Griffe kommt etwas dickeres Material zum Einsatz. Für einen besseren Halt beim Tragen der Kiste werden die Unterkanten der Griffe etwas nach innen angeschrägt. Dazu reißen Sie die Schräge mit dem Streichmaß an und hobeln sie an. Alternativ können Sie sich eine entsprechende Leiste auch an der Tischkreissäge zuschneiden. Da die Schräge keine weitere Funktion hat, muss dies nicht sehr genau sein. Die scharfen Kanten runden Sie vor der Montage noch etwas ab und verputzen die Außenflächen. Sie können die Griffe jetzt an die Kopfhölzer leimen und mit den Seiten vernageln, wenn Sie möchten. Ist der Leim an den Griffen getrocknet, wird die Oberkante der Werkzeugkiste bündig geputzt. Anschließend können Sie die beiden zuvor geputzten und gefasten Deckleisten aufleimen und vernageln.

 

Wie funktioniert der Verschluss eines japanischen Werkzeugkastens?

Der Deckel ist etwas länger als die Öffnung zwischen den beiden Deckleisten. Der Deckel muss also zuerst schräg unter eine Deckleiste geschoben werden und ruht dann auf seinen beiden Deckleisten, die seitlich am Korpus aufliegen. Die genaue Position der Deckleisten auf dem Deckel muss ermittelt werden. Der Deckel soll sich so weit einschieben lassen, dass er mit beiden Enden gleich weit unter den beiden Deckleisten des Korpus steckt. In unserem Video ist diese genau zu sehen.

 

Abb.: Das Verschließen des Deckels erfolgt durch einen cleveren Schiebemechanismus

Fertigung des Deckels

Abb.: Bei geschlossenem Deckel sind alle Maße X gleich groß

Bevor die Deckleisten auf den Deckel geleimt und genagelt werden, sollten Sie alle Teile mit dem Hobel putzen und anfasen. Damit Deckel und Deckleisten möglichst fest verbunden sind, werden etwas längere Nägel verwendet, die nach dem Einschlagen an der Innenseite des Deckels etwas überstehen. Die Nägel werden vorgebohrt, eingeschlagen und dann die überstehenden Spitzen an der Innenseite des Deckels umgeschlagen. Der diagonal verlaufende Schiebegriff wird direkt am Deckel angerissen, genau abgesägt und nach dem Verputzen ebenfalls aufgeleimt und vernagelt. Alle noch verbleibenden Kanten werden zum Schluss noch leicht angefast.

Fazit/Zusammenfassung

Mit nur wenig Material- und Werkzeugeinsatz haben Sie jetzt eine stabile und ansprechende Kisten selbst gebaut, in der Sie Ihre Werkzeuge griffbereit aufbewahren und transportieren können. Solche robusten Kisten eignet sich aber nicht nur für Werkzeug, sondern auch zur Aufbewahrung anderer Kleinteile in der Werkstatt. Und da das Bauen recht schnell geht, ist diese Technik auch bestens für edle Verpackungen von Geschenken aller Art geeignet. Bauen Sie z.B. eine kleinere Kiste für eine gute Flasche Wein, oder verwenden Sie edle Hölzer für ein Schmuckkästchen.

Alle benötigten Handwerkzeuge und Elektrowerkzeuge, zum Selbstbauen der Werkzeugkiste, finden Sie in unserem Onlineshop oder in unseren Shops in München und Plattling. Wenn Sie auf der Suche nach weiteren DIY Bauanleitungen für Einsteiger sind, können wir Ihnen den Onlinekurs Projekt: Sechs-brett-Truhe empfehlen!

Unsere Top Auswahl für Sie



Wir wünschen viel Spaß und Erfolg beim Bau Ihrer japanischen Werkzeugkiste!

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