Leinölfarben
Leinölfarben bestehen aus natürlichen Pigmenten und Leinöl und bieten einen langlebigen, diffusionsoffenen Schutz für Holz und Metall. Sie dringen tief in den Untergrund ein, verfestigen die Oberfläche und vermeiden die Bildung spröder Lackschichten, die später abblättern können. Durch die freie Wahl von Leinölkomponente, Pigmenten und Zusatzstoffen lassen sich Trocknungszeit, Witterungsbeständigkeit und Anwendungsbereich gezielt anpassen. Leinölfarben eignen sich für den Innen- und Außenbereich sowie für den Rostschutz von Metallen. Dank ihrer natürlichen UV-Beständigkeit, hohen Haltbarkeit und der Möglichkeit zur Renovierung ohne vollständiges Abschleifen zählen sie zu den bewährtesten traditionellen Anstrichsystemen.
- Herstellung
- Eigenschaften
- Anrühranleitung
- Außenbereich
- Farbwahl
- Mischkomponente
- Pilzschutz
- UV-Schutz
- Mischkomponente
- Innenbereich
- Farbwahl
- Mischkomponente
- Leinölfarben auf Metallen
- Farbwahl
- Mischkomponente
- Auftrag auf bestehende Lackschichten
- ZU BEACHTEN
- Verbrauch
- Lagerung
- Reinigung
- Auffrischung von Leinölfarbanstrichen
Herstellung
Leinölfarben bestehen, wie der Name bereits ausdrückt, aus Leinöl, das mit Farbpigmenten vermischt wird.
Leinölkomponente
Je nach Anwendungszweck werden am Markt Leinölfarben mit unterschiedlichen Leinölkomponenten (z. B. rohes Leinöl oder Leinölfirnis) angeboten, das mit unterschiedlichen Mengen und Arten von Sikkativen und Fungiziden vermischt wird. Wir bieten dem Anwender die Möglichkeit, seine Leinölkomponente je nach gewünschter Trockenzeit und Einsatzzweck frei zu wählen. Darüber hinaus kann auch frei darüber bestimmt werden, ob, welche und wieviel Sikkative und Fungizide in der fertigen Farbe sind.
Farbpigmente
Bei fertig gemischten Farben ist man sich nie sicher, wieviel Pigmentanteil die Farbe enthält. Verwendet man jedoch trockene, pulverisierte Pigmente, ist es oft schwierig, diese gleichmäßig mit Leinöl zu vermischen und zu sättigen. Die von uns angebotenen Pasten enthalten nur reines, zermahlenes Pigment, das mit etwas Leinöl gesättigt und unter einer Stahlwalze optimal vermengt wird. Diese Pasten lassen sich einfach mit Leinöl strecken und problemlos vermengen.
Eigenschaften Leinölfarben
- 100 % natürliche Inhaltsstoffe
- Diffusionsoffen - das Holz kann »atmen«
- Auftrag auf geölten oder bereits bemalten Flächen möglich
- Verfestigung der Oberfläche
- Natürlicher UV-Schutz
- Zieht ins Holz ein und verhindert so einen unerwünschten Schichtaufbau und damit ein Abblättern (häufige Langzeitreaktion bei industriellen Farbprodukten)
- Lange Haltbarkeit - selbst nach langer Lagerzeit einsetzbar
Anrühranleitung für Leinölpasten
- Füllen Sie die gewünschte Menge an Farbpaste in einen geeigneten Behälter; klopfen Sie den Behälter leicht, z. B. auf einer Tischoberfläche, bis die Malpaste eine ebene Oberfläche bildet
- Die fertige Leinölfarbe besteht aus einem gleichwertigen Gemisch von Leinöl, Firnis oder Öllack und pigmentierter Paste; um die Pastenmenge leichter bestimmen zu können, halten Sie einen hölzernen Rührstab senkrecht in die Farbpaste; am Holzstab lässt sich die Menge der Malpaste ablesen; verdoppeln Sie die Menge und markieren Sie diese mit einem Strich auf dem Stab
- Stellen Sie den Behälter auf eine Waage und fügen Sie der Paste, wenn gewünscht, Sikkativ (beschleunigt den Trocknungsprozess der Ölfarbe) hinzu; der Maximalgehalt an Sikkativ für die Pasten ist je nach Farbton unterschiedlich hoch; die Angabe finden Sie auf dem Etikett der Farbpaste; als Richtwert gilt ca. 10 ml Sikkativ pro 1 kg Paste
- Fügen Sie nun das Leinöl bzw. den Öllack zur Farbpaste; dafür kippt man es in kleinen Mengen in den Behälter und rührt Paste und Öl, Öllack oder Firnis gut zusammen; die Trocknungszeit der gesamten Farbe wird zusätzlich durch die unterschiedlichen Öle und Öllacke sowie Firnisse bestimmt; aus diesem Grund können diese auch mit Sikkativen angemischt werden, um die Trockenzeiten zu verkürzen
- Enthält der Behälter so viel Farbe wie am Holzstab markiert, ist die Leinölfarbe fertig; Leinölfarben können mit Balsamterpentinöl zum besseren Eindringen und evtl. auch schnelleren Trocknen verdünnt werden; das ist jedoch nicht sinnvoll, da die Verdünnung die Haltbarkeit der Leinölfarbe stark herabsetzt
Leinölfarben können sowohl für den Außen- als auch den Innenbereich angewendet werden; dabei sind für Farbwahl, Mischkomponenten und andere Eigenschaften folgende Hinweise zu beachten:
Außenbereich
Farbwahl
Für den Außenbereich empfehlen sich helle Farbtöne. Dunklere Farbtöne ziehen in der sonnigen Jahreszeit die Hitze an.
Dies führt zu:
- Schnellerem Abbau des Öls und dadurch einer Verkürzung der Pflegeintervalle
- Risse und Verzug des Holzes und damit Beschädigungen der Oberfläche
Pilzschutz
Je höher der Zinkanteil in einem Pigment, desto besser ist die Pilzhem-
mung. Dies ist für den Außenbereich ein wichtiger Faktor bei der Auswahl der Farben. Die Angabe zum Zinkgehalt finden Sie bei den Produkttexten der Pasten. Bei Farben mit geringem Zinkanteil sollte Leinölfirnis mit Fungizid-Beimengung zum Anrühren der Farbtöne verwendet werden.
UV-Schutz
Ein UV-Schutz, der dem rohen, kaltgebleichten, gekochten Leinöl oder Firnis in reiner Form fehlt, ist durch das Hinzufügen von Farbpigmenten generell vorhanden.
Mischkomponente
Da das Streichen im Außenbereich stark von der Witterung abhängig ist und deshalb lange Trockenzeiten zum Problem werden können, empfehlen wir, als Basis Leinölfirnis oder Öllack zu verwenden. Öllack zieht nur sehr wenig ins Holz ein und bildet im Gegensatz zum Leinölfirnis eine Lackschicht. Bauteile, die starken Holzfeuchteschwankungen unterworfen sind, wie Fenster und Türen sollten daher besser mit Firnis behandelt werden. Auch Kiefernholzteer kann mit den Leinölpasten zur Erzielung eines anderen Farbtons gemischt werden.
Innenbereich
Farbwahl
Für den Innenbereich können alle Farben verwendet werden.
Mischkomponente
Rohes, kaltgebleichtes Leinöl, Öllack oder Firnis ist hier die geeignete Mischkomponente. Im Innenbereich keinen Leinölfirnis mit Fungiziden einsetzen, da diese auch nach längerer Zeit ausdampfen können!
Leinölfarben auf Metallen
Farbwahl
Auch Metalle können mit Leinölfarben angestrichen werden, um diese vor Rost zu schützen. Als Farben eigenen sich hier Hämatit Eisenmennige und Graphit. Beide verfügen über hervorragende Rostschutzeigenschaften.
Mischkomponente
Da die Grundierung tief ins Metall ein-
ziehen soll, empfehlen wir als Mischkomponente Leinöl. Der zweite und dritte Auftrag sollte in Verbindung mit einer Öllack- Komponente (Le Tonkinois, Nr. 810087) erfolgen, um das Bauteil langfristig gegen das Eindringen von Wasser zu versiegeln.
Eine detaillierte Anleitung finden Sie in
unserer Gebrauchsanweisung.
Auftrag auf bestehende Lackschichten
Leinölfarbe kann auf fast allen bemalten Flächen aufgetragen werden. Wurden allerdings Lacke verwendet, die die Oberfläche versiegeln, kann das Leinöl die Anstrichschicht nicht durchdringen und so das Holz nicht dauerhaft konservieren. In diesem Fall empfiehlt es sich, die alten Lackschichten mit einem Abbeizer abzulösen. Ein Auftrag auf geölten Flächen ist ohne Probleme möglich.
Bei der Anwendung von Leinölfarbe ist Folgendes zu beachten
- Immer einen Probeanstrich vornehmen, um die Farbgebung sowie die Trockenzeiten zu bestimmen
- Die ersten 24 Stunden nach Auftragen der Leinölfarbe im Außenbereich sollte es möglichst nicht regnen, da sich die Wassertropfen auf der Farboberfläche absetzen und diese dann fleckig erscheinen lassen
- Leinölfarbe muss gut ausgestrichen und förmlich ins Holz einmassiert werden; wird eine zu dicke Farbschicht aufgetragen, trocknet diese langsamer und es besteht die Gefahr von Kräuselungen; deshalb Leinölfarben unbedingt immer dünn auftragen!
- Benutzen Sie immer dichte Pinsel mit vielen und starken Borsten; ein dichter Pinsel mit Chinaborsten eignet sich dafür am besten
- Die Verwendung von kräftigen Reinigungsmitteln (hoher pH-Wert) kann Leinölfarben chemisch verändern und unbrauchbar machen; Flächen, die gestrichen werden sollen, also zuvor nur schleifen und abstauben
- Es ist empfehlenswert, stark saugende Untergründe vorher mit Öl zu grundieren
- Leinölfarben trocknen durch UV-Licht; in dunklen Kellerräumen trocknet die Oberfläche somit nur sehr langsam
- Unbehandeltes Holz sollte mit mindestens drei Lagen Farbe bestrichen werden; die dritte und letzte Beschichtung verlängert die Lebensdauer des Anstriches
- Pigmentierte Leinölfarbe ist ein Naturprodukt, kleine Farbunterschiede sind deshalb völlig normal
- Auf harzreichem, frisch gehobeltem Holz (Lärche) ist ein Leinölfarben-Auftrag nicht zu empfehlen; ist das Holz allerdings verwittert (1 Jahr) ist ein Auftrag ohne Weiteres möglich
- Gartenmöbel, die ständig im Freien stehen und nicht oft gepflegt werden, können abfärben; hier empfiehlt sich eine jährliche Auffrischung mit reinem Leinöl oder die Verwendung von Öllack
Verbrauch
Verbrauch 60-100 ml/m² bei fertigem Mischungsverhältnis 1:1. 500 ml Leinölpaste decken ca. 10-15 m².
Lagerung
Übrig gebliebene Leinölpaste lässt sich gut aufbewahren, wenn sie z. B. in ein Marmeladenglas umgefüllt wird. Bei Berührung mit Luft bildet sich eine Haut auf der Oberfläche der Paste. Um das zu vermeiden ist es wichtig, das Glas bis zum Rand zu füllen. So ist die Farbpaste über viele Jahre haltbar.
Bleibt die angerührte Leinölfarbe über Nacht stehen oder längere Zeit unbenutzt, ist es ratsam vorher etwas Wasser aufzufüllen. Vor dem erneuten Gebrauch das Wasser wieder abkippen und die Leinölfarbe gründlich umrühren. Das Wasser verhindert die Bildung der Haut auf der Farboberfläche. Benutzte Pinsel lassen sich ebenfalls gut in einem Glas mit Wasser aufbewahren, vor Gebrauch müssen diese nur gründlich ausgedrückt werden, z. B. in Zeitungspapier oder einem Lappen.
Reinigung
Nach Gebrauch lassen sich die Pinsel mit Leinölseife oder Terpentin reinigen. Am besten beginnt man mit Leinölseife, welche auch bereits angetrocknete Farbe anlöst, mit Balsamterpentinöl kann man die Pinsel dann nachreinigen. Wichtig ist es, die Pinsel gründlich auszuwaschen, damit keine Seifenreste im Pinsel zurückbleiben. Diese könnten ansonsten die Leinölfarbe beim nächsten Mal anlösen.
Noch nicht eingetrocknete Farbflecken auf der Kleidung lassen sich in der Regel vorsichtig mit Leinölseife entfernen.
Auffrischung von Leinölfarbanstrichen
Auf Flächen im Außenbereich wird das Leinöl in der Farbe mit den Jahren durch Wind und Wetter abgebaut. Ein Auftrag von etwas Leinöl bringt matte Stellen wieder zum Glänzen. Wird die Leinölfarbe nicht in dieser Art und Weise gepflegt, ist irgendwann ein neuer Anstrich nötig. Liegen die Pigmente trocken auf dem Holz, ist dies ein Zeichen dafür, dass ein neuer Anstrich nötig ist. Vor einem neuen Anstrich sollte die Oberfläche feucht gereinigt werden. Ein erneuter Anschliff ist nicht nötig. Bei Verwendung von Öllack als Mischkomponente (Außenbereich) empfehlen wir eine Auffrischung nach
1-2 Jahren.
Sicherheitshinweis
Achtung Selbstentzündung! Bei ölgetränkten und feuchten Lappen
besteht Selbstentzündungsgefahr! Lappen nach Benutzung in geschlossenen
luftdichten Behältern aufbewahren, zum Trocknen ausbreiten oder sofort
verbrennen.
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