Öl- vs. Wassersteine
 

Wodurch unterscheiden sich Öl- und Wasserschärfsteine? Wann ist das eine, wann das andere Schärfsystem besser einsetzbar? Worauf beruhen die Unterschiede zwischen Ölsteinen und Wassersteinen? Diesen Fragen werden wir im Folgenden etwas genauer nachgehen.

Warum werden Schärfsteine mit einer Flüssigkeit verwendet und nicht trocken?

Viele gehen davon aus, dass die Flüssigkeit als Gleit- oder Schmiermittel beim Schärfen dient. Natürlich erleichtert die Verwendung von Wasser oder Öl die Bewegung des Werkzeuges auf der Steinoberfläche. Der Hauptgrund für die Verwendung von Flüssigkeiten ist jedoch, dass sie verhindern, dass sich der Abrieb von Werkzeug und Stein auf der Steinoberfläche festsetzen kann. Ohne die Flüssigkeit würde sich der Abrieb zwischen die Schleifpartikel setzen und verhindern, dass die Partikel den Stahl berühren und der Stein wirkungsvoll arbeitet.

Banksteine mit Flüssigkeit benetzt

Beim Schärfen werden Banksteine mit Flüssigkeit benetzt

 

Warum werden unterschiedliche Flüssigkeiten verwendet?

Warum werden manche Steine mit Öl und andere mit Wasser verwendet? Manche Steine funktionieren mit Wasser nicht, weil sie sich entweder beim Gebrauch mit Wasser schnell zusetzen oder weil Wasser von ihrer Oberfläche abperlt. Dazu gehören zum Beispiel die aus dem gleichnamigen US-Staat kommenden Arkansas-Steine, die sich sehr schnell zusetzen, wenn sie mit Wasser benutzt werden.

Welcher Schärfstein ist für welche Werkzeuge geeignet?

Ölsteine sind in der Regel härter, weshalb sich ihre Oberfläche nicht so schnell abnutzt. Sie bleiben länger eben und Werkzeuge, die eine sehr kleine Auflagefläche auf dem Stein haben, hinterlassen weniger Riefen oder Kratzspuren in der Steinoberfläche. Darum sind Ölsteine bei Bildhauern sehr beliebt, deren Schnitzwerkzeuge oft sehr stark gerundete Schneiden haben. Durch die höhere Stabilität der Steine lassen sich aus ihnen filigrane Formsteine (Satz 5-tlg.) herstellen, die bei Bildhauerwerkzeugen zum Abziehen der Innenseiten nötig sind.

Durch die hohe Härte arbeiten die Ölsteine jedoch langsamer. Bei den vergleichsweise weicheren Wassersteinen brechen verbrauchte, stumpfe Schleifpartikel schneller aus der Oberfläche heraus und machen Platz für frische, scharfe Partikel. So haben Wassersteine immer die volle Schleifleistung und sind somit schneller bzw. effizienter im Abtrag. Die weichere Bindung lässt Wassersteine aber auch viel schneller abnutzen, weshalb sie häufiger abgerichtet werden müssen.

Welche Schärfsteine sind praktischer?

Die verwendete Flüssigkeit bringt zudem Unterschiede bei der Verwendung der Steine mit sich. Öl funktioniert sehr gut in der Werkstatt. Für unterwegs ist Wasser einfacher zu handhaben. Wasser ist fast immer und überall verfügbar und deutlich billiger als Öl. Es macht weniger Schmutz und hinterlässt keine Flecken. Im Outdoor-Bereich ist es viel einfacher, mit Wassersteinen zu arbeiten. Ein typisches Beispiel dafür ist der Wetzstein zum Sensenschärfen.

Wasser führt bei rostenden Stählen (Kohlenstoffstahl) sehr schnell zu Korrosion. Da die meisten Werkzeuge aus solchem Stahl sind, muss das Wasser nach dem Schärfen rückstandsfrei entfernt bzw. die Werkzeugklinge gut abgetrocknet werden. Öl dagegen verhindert das Rosten.

Woher kommen Ölsteine und Wassersteine?

Es gibt regionale Unterschiede, ob Öl oder Wasser verwendet wird. Ursprünglich wurden zum Schärfen nur Natursteine verwendet. Im englischsprachigen Bereich, USA und GB, sind die aus USA stammenden Arkansas-Steine weit verbreitet. Dort wird auch heute noch sehr häufig mit Ölsteinen geschärft, während die Belgischen Brocken (Wassersteine, die aus Belgien kommen) bei uns in fast jeder alten Schreinerei zu finden waren. Darum wird bei uns meist mit Wassersteinen geschärft.

Was sind typische Eigenschaften von Öl- bzw. Wassersteinen?

Ölsteine. Von den oben erwähnten Arkansas-Steinen gibt es sehr feinkörnige Exemplare, mit denen sich die Schneide sehr gut auspolieren lässt. Sie sind als Poliersteine sehr beliebt. Wenn zum Abziehen der Schneide ein solcher Ölstein Verwendung findet, ist es sinnvoll, für die Vorarbeiten ebenfalls Ölsteine zu verwenden. Die gröberen Varianten der Arkansas-Steine sind allerdings sehr weich, darum haben sich hierfür synthetisch hergestellte Steine durchgesetzt. Ein Hersteller solcher künstlichen Ölsteine ist die Firma Norton. Norton-Steine sind jedoch relativ grob und der Körnungsabstand zu den Arkansas-Abziehsteinen ist recht groß. Diese Lücke schließen Kunsuto-Ölsteine mit mittleren Körnungen.

Eigenschaften von Öl- bzw. Wassersteinen

Typische Vertreter von Ölsteinen

 

Zur Pflege von Ölsteinen sollten sie von Zeit zu Zeit gereinigt werden. Dazu verwenden Sie am besten Petroleum oder Terpentinersatz. Das Abrichten von hohl geschliffenen Ölsteinen geschieht auf die gleiche Weise wie bei den Wassersteinen, mit Abrichtplatten oder Wasserschleifpapier. Sie sollten zum Abrichten jedoch eines der oben genannten Lösungsmittel benutzen.

Wassersteine. Der Belgische Brocken als Naturstein wurde schon erwähnt. Dieser ist ein sehr feiner Abziehstein mit sehr guten Abtrags- und Poliereigenschaften. Da die Gesteinsschichten, aus denen die Belgischen Brocken stammen, sehr dünn sind, werden die Schleifsteine auf einen Träger aus Schiefergestein aufgeklebt. Der dunklere Schieferstein dient nur als Träger und eignet sich nicht zum Schärfen oder Polieren. Rechteckige Belgische Brocken sind mittlerweile selten und teuer, meist findet man unregelmäßig geformte Stücke. Auch aus Japan kommen sehr gute natürliche Steine mit unterschiedlicher Körnung. Wegen der größeren Homogenität und Reinheit der Schleifmittel haben sich bei den Wassersteinen künstlich hergestellte Banksteine durchgesetzt.

Verschiedene Wassersteine

Weich- und hartgebundene Wassersteine unterschiedlicher Hersteller

 

Die größte Verbreitung haben Sun Tiger/King-Steine. Sie sind sehr weich und bestens geeignet für die in Japan verwendeten, reinen Carbon-Stähle. Durch ihre weiche Bindung sind sie sehr schnell, müssen allerdings häufig abgerichtet werden. Andere japanische Hersteller stellen ebenfalls Steine mit unterschiedlichen Härten her. Shapton bietet für Wassersteine vergleichsweise hart gebundene Steine an. Shapton-Steine (z. B. Glass Stones Set) vermitteln trotz ihres sehr schnellen Abtrags selbst in den feinsten Körnungen ein sehr weiches Schärfgefühl.

Gibt es Steine, die mit Öl und Wasser benutzt werden können?

Ein Hersteller solcher Steine ist Missarka (Missarka Kombi-Schärfstein, Körnung 150/1200 und Missarka Kombi-Schärfstein, Körnung 1200/4000). Diese sind ebenfalls hart gebunden und können sowohl mit Öl als auch mit Wasser benutzt werden. Allerdings sollten Sie bei der gewählten Flüssigkeit bleiben, wenn Sie sich einmal entschieden haben. Ein Wechseln von Wasser auf Öl ist eventuell noch möglich (Stein muss komplett durchtrocknen). Umgekehrt, von Öl auf Wasser, ist dies aber mit sehr hohem Aufwand verbunden (Stein muss mit Lösungsmitteln aufwendig gereinigt werden).

Welchen Einfluss hat der Stahl bei der Auswahl von Öl- oder Wassersteinen?

Die Legierungsbestandteile von hochlegierten Stahlsorten sind oft sehr grobkörnig, was die weichen Steine schnell abnutzt. Dem wird durch eine härtere Bindung entgegengewirkt, was für die Verwendung von Ölsteinen sprechen würde. Mittlerweile gibt es jedoch auch sehr gute, hart gebundene Wassersteine, die sich für das Schärfen hochlegierter Stahlsorten eignen. Ob nun Öl- oder Wassersteine benutzt werden, bleibt also jedem selbst überlassen und richtet sich nach dessen Vorlieben und Anforderungen.