Plattenzuschnitt auf dem Multifunktionstisch
 

Das Angebot an handlich zugeschnittenem Plattenmaterial ist in den meisten Bau- und Heimwerkermärkten auf eine vergleichsweise geringe Auswahl der gebräuchlichsten Hölzer bzw. Furniere und Beschichtungen beschränkt. Wer anspruchsvollere Projekte mit ausgewählten Hölzern oder ausgefallenen Beschichtungen umsetzen möchte, muss sich entweder an einen Handwerksbetrieb wenden oder selbst zur Kreissäge greifen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit geringem Aufwand Plattenwerkstoffe in der eigenen Werkstatt selbst exakt zuschneiden können.

Was brauche ich für den Plattenzuschnitt?

• Handkreissäge/Tauchsäge
• passende Führungsschiene
• Balken oder dickere Leisten
• Werkstattböcke oder Multifunktionstisch

Um Spanplatten, Tischlerplatten, MDF und Co. selbst zuschneiden zu können, brauchen Sie eine Handkreissäge oder Tauchsäge mit passender Führungsschiene. Die Führungsschiene sollte ca. 30 cm länger sein als das Plattenmaterial, das zugeschnitten wird. Grobschnitte bzw. Besäumschnitte erfolgen auf Balken oder einem Zuschnittbrett am Boden. Das eigentliche Formatieren erfolgt dann auf Böcken oder einem Multifunktionstisch. Um die Platte zu unterstützen, damit sie nicht durchhängt, oder um den MFT zu schonen, brauchen Sie noch ein paar etwas stärkere Leisten.

Ansonsten benötigen Sie noch eine Absaugeinrichtung, persönliche Schutzausrüstung (Gehörschutz) und Anreißwerkzeuge. Praktisch ist ein Stahllineal mit Anschlag, um damit gleiche Maße wiederholgenau anzuzeichnen bzw. die Führungsschiene parallel auszurichten.

Wie schneide ich Platten selbst zu?

1. Zuschnittplan

Erstellen Sie einen Zuschnittplan! Das ist eine einfache Skizze, auf der Sie die Platte zeichnerisch so unterteilen, dass Sie Sägeschnitte mit gleicher Breite möglichst an einem Stück durchführen können. So sparen Sie beim Zuschnitt Zeit und Material. Achten Sie dabei auf die Laufrichtung von Furnieren und Vollholzstreifen und bedenken Sie den Materialverlust durch den Sägeschnitt – aus einer 800 mm langen Platte können Sie keine zwei Werkstücke mit 400 mm Länge zuschneiden.

Mithilfe eines Zeichenprogramms können Sie solche Zuschnittpläne am Computer erstellen. Für manche Konstruktionsprogramme gibt es Erweiterungen und Plugins, die Zuschnittpläne automatisiert erstellen, zum Beispiel das Plugin »CutList« für die Vollversion des 3D-Design-Programms »Sketchup«.

Zuschnittplan

Eine einfache Handskizze reicht als Plan für den Zuschnitt aus

 

2. Grobzuschnitt/Besäumschnitt

Da es meist sehr umständlich wäre, die großen Platten allein auf einen Tisch oder normale Böcke zu heben, erfolgt der große Zuschnitt am Boden oder auf niedrigen Böcken. Der erste Schnitt mit der Kreissäge erzeugt eine saubere, gerade Kante an der Platte. Markieren Sie diese Schnittkante, denn sie dient als Referenz zum Anzeichnen der weiteren Maße. Nun werden nacheinander zunächst Streifen von der Platte aufgetrennt. Wenn Sie mit Ihrer Kreissäge und Führungsschiene genau schneiden können, kann dieser Zuschnitt direkt auf die endgültige Breite erfolgen. Ansonsten können Sie zunächst die Streifen mit etwas Zugabe vorbereiten und später noch genau zuschneiden.

Die große Platte wird zunächst in handlichere Formate aufgetrennt

Die große Platte wird zunächst in handlichere Formate aufgetrennt

 

Bei Massivholz wird zunächst die Baumkante besäumt und dann parallele Schnitte zu diesem Besäumschnitt gemacht. Um möglichst sauber und effizient zu schneiden, wird dabei ein Längsschnittsägeblatt verwendet. Für die Kappschnitte wird anschließend auf ein Querschnittsägeblatt oder Universalsägeblatt gewechselt.

3. Parallele Schnitte

Vom Boden geht es jetzt auf Böcke oder den Multifunktionstisch. Der Zuschnitt auf dieser Arbeitshöhe ist meist genauer, wesentlich angenehmer und schont den Rücken. Auf Werkstattböcken sollten Sie etwas stabilere Leisten unter das Plattenmaterial legen, damit sich dieses nicht durchbiegt. Auf dem MFT sind Leisten nicht unbedingt nötig, als Opferhölzer schonen sie jedoch die Lochplatte des Tischs. Damit die Leisten nicht verrutschen, können Sie sie mit Verbindungsbuchsen im Lochraster der Tischplatte einstecken.

Die Grundregel beim Formatieren lautet: Lange Schnitte vor kurzen Schnitten! Kleine Abweichungen beim Messen und Anzeichnen wirken sich bei langen Strecken nicht so deutlich aus, wie auf kurzen Distanzen. Demzufolge sollten Sie, wenn möglich, alle langen Sägeschnitte zuerst durchführen. Haben Sie das Plattenmaterial am Boden nur grob zugeschnitten, können Sie es jetzt auf die endgültige Breite zuschneiden. Einen Tipp für den Zuschnitt schmaler Streifen finden Sie gegen Ende des Blogbeitrags.

 

4. Eine 90°-Winkelkante schneiden

Oft ist das Plattenmaterial ab Werk nicht genau im rechten Winkel zugeschnitten. Über die gesamte Länge sind Abweichungen von mehreren Millimetern normal. Aus diesem Grund sollten Sie nun eine kurze Kante genau rechtwinklig zuschneiden und so eine Referenz für die Kappschnitte schaffen.

Eine 90°-Winkelkante schneiden

Voraussetzung für genaue Kappschnitte ist ein rechtwinkliger Anschlag

 
 
Die Fünf-Schnitt-Methode

Um zu prüfen, ob Anschläge und Führungsschiene tatsächlich im rechten Winkel zueinanderstehen, eignet sich die sog. »Fünf-Schnitt-Methode«. Dabei werden die vier Kanten eines Reststücks Holz oder Plattenmaterial nacheinander ringsum einmal frisch besäumt. Achten Sie darauf, dass die zuvor besäumte Kante stets exakt am Anschlag anliegt. Sie müssen nicht viel Material abschneiden, nur gerade so viel, dass eine sauber geschnittene Kante entsteht. Beim fünften Sägeschnitt liegt die zuerst geschnittene Kante wieder parallel zur Führungsschiene. Schneiden Sie jetzt einen schmalen Streifen ab. Nun können Sie nachmessen, ob der Streifen an beiden Enden die gleiche Breite hat, dann ist der Anschlag rechtwinklig, oder ob es Abweichungen gibt, dann müssen Sie den Anschlag korrigieren.

Die Fünf-Schnitt-Methode

Bei der Fünf-Schnitt-Methode summieren sich die Ungenauigkeiten

 

5. Kappschnitt auf Endmaß

Nun können Sie die Werkstücke auf das endgültige Maß zuschneiden. Achten Sie beim Umlegen der Werkstücke darauf, wo sich die Referenzkanten befinden. Die lange Referenzkante soll stets am Anschlag anliegen, die kurze, rechtwinklig geschnitten Kante dient als Ausgangspunkt für das Längenmaß.

Um mehrere Werkstücke bzw. Platten auf gleiche Größe zuzuschneiden, können Sie das gewünschte Maß anzeichnen, das Werkstück an der Gummilippe der Führungsschiene genau ausrichten und einen Anschlag an der kurzen Referenzkante anliegend auf den MFT spannen.

 

Schmale Streifen schneiden

Wenn schmale Streifen (40 bis 100 mm Breite) geschnitten werden, liegt die Führungsschiene nicht mehr sicher auf dem Material auf. In solchen Fällen legen Sie das Werkstück vor die Führungsschiene und addieren die Breite des Sägeschnitts zum Riss dazu. Die Führungsschiene können Sie ggf. mit Plattenabschnitten unterstützen. Spannen Sie den schmalen Streifen auf dem MFT fest, damit er am Ende des Sägeschnitts nicht wegfliegt.

Schmale Streifen schneiden

Rechnen Sie beim Abtrennen von schmalen Streifen die Schnittbreite dazu

 

Ausrissfreier Zuschnitt

Durch die Gummilippe der Führungsschiene und einen korrekt eingestellten Splitterschutz an der Handkreissäge wird der Zuschnitt nahezu ausrissfrei. Manche Handkreissägen, wie die MAFELL Tauchsäge MT 55 CC, bieten eine Vorritzfunktion, bei der die Plattenwerkstoffe wenige Millimeter tief vorgeschnitten werden, bevor der eigentliche Trennschnitt erfolgt. Sie sehen, auch in der eigenen Werkstatt können Sie Plattenwerkstoffe sauber und präzise selbst zuschneiden.