fertiger MSV
 

Mit der richtigen Einspannvorrichtung eignet sich eine Tischkreissäge neben den üblichen Zuschnittarbeiten auch für Sonderarbeitsgänge wie die Herstellung von Schlitzen und Zapfen, Schifterschnitten, Nuten, Falzen und vieles mehr. Und auch am Frästisch oder an der Werk- und Hobelbank ist es sehr praktisch, eine vielseitige Einspannvorrichtung nutzen zu können. DICTUM Kursleiter Roland Heilmann hat hierfür die Multi-T-Nut-Spannvorrichtung, kurz MTS entwickelt.

Was kann ich mit der Multi-T-Nut-Spannvorrichtung machen?

Mit der MTS können Sie an der Tischkreissäge zum Beispiel lange Werkstücke senkrecht auf dem Maschinentisch einspannen und bearbeiten, um etwa Schlitz-und-Zapfen-Verbindungen herzustellen oder spitze Winkel bei Schifterschnitten zu schneiden. Je nach Durchmesser des Sägeblatts lassen sich auch lange Zapfen und Schlitze herstellen. Die maximale Länge der Werkstücke ist nur durch den Abstand zur Raumdecke begrenzt. An bzw. in der Multi-T-Nut-Spannvorrichtung wird das Werkstück mit Hebelzwingen oder Waagrechtspannern befestigt. Die MTS wird dann wie ein Schiebeschlitten am Parallelanschlag entlanggeführt. Zwei stabile Rundhölzer dienen als Griffe zum sicheren Führen. Wenn Sie eine Unterflurzugsäge wie z. B. die MAFELL Erika 85 nutzen, können Sie die MTS auch am Parallelanschlag festklemmen.

MTS an Kreissäge

Mit der MTS lassen sich Werkstücke hochkant bearbeiten

 

Material für die Multi-T-Nut-Spannvorrichtung

 
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Die MTS besteht im Wesentlichen aus zwei T-Nut-Platten

 

Unsere Multi-T-Nut-Spannvorrichtung besteht aus Multiplexplatten mit einer Stärke von 21 mm. Diese können roh oder beschichtet sein. Die MTS hat zwei rechtwinklig zueinanderstehende Platten mit T-Nuten. In diese passen DICTUM Ganzstahl-Schraubzwingen für Führungsschienen, der Niederhalter für DICTUM T-Nutschienen und T-Nutsteine für weitere Anschläge und Sterngriffschrauben.

MateriallisteMaße in mm 
1 x Multiplex Birke 620 x 305 x 21 (Teil 1)
1 x Multiplex Birke 620 x 225 x 21 (Teil 2)
2 x Multiplex Birke 620 x 70 x 21 (Teil 3 und 4)
2 x Rundstangen, Schrauben, Dübel Ø 30, Länge 200  
Schrauben, Dübel    

Multi-T-Nut-Spannvorrichtung selbst bauen

Für die Herstellung der MTS sollten Sie mit dem richtigen und sicheren Arbeiten an der Oberfräse vertraut sein. Beachten Sie die korrekte Fräsrichtung im Gegenlauf. Verwenden Sie Augen- und Ohrenschutz, sowie eine Absaugung. Zuschnittliste und Zeichnungen zum Herunterladen


1. Fräsen der T-Nuten


Benötigt wird ein T-Nutfräser M8, eine Oberfräse mit mindestens 1000 W Leistung (z. B. Festool Oberfräse OF 1010 REBQ), der Parallelanschlag und ein Zusatzanschlag zum Fräsen paralleler Nuten.

Für die ersten kantennahen T-Nuten wird die Oberfräse mit dem Parallelanschlag geführt. Stellen Sie die Frästiefe auf 12 mm ein. Hilfreich sind lange Anschlagbacken. Die von uns verwendete Festool OF 1010 hat einen Parallelanschlag mit kurzen, nicht verstellbaren Anschlagbacken. Wir haben deshalb die Kunststoffbacken durch eine ca. 300 mm lange Leiste ersetzt, sodass eine sichere Freihandführung ohne Abkippen möglich ist. Mit dem so modifizierten Parallelanschlag werden die ersten T-Nuten parallel zu den Werkstückkanten rundherum gefräst.

modifizierter Parallelanschlag

Eine durchgehende Leiste als Anschlag verhindert ungewolltes Abkippen

 

Um die folgenden Nuten mit einem gleichbleibenden Abstand zueinander zu fräsen, benötigen Sie eine Führungshilfe mit Führungsleiste. Hier eignet sich die Multifunktions-Basisplatte CRB 7 perfekt. Die Führungsleiste hat einen Querschnitt von 8 x 11 mm, Länge ca. 340 mm. Sie wird direkt an die CRB 7 angeschraubt. Damit sich die dünne Leiste nicht biegen kann, haben wir noch zwei zusätzliche Löcher in die Kunststoffplatte der CRB 7 gebohrt. Achten Sie beim Anschrauben darauf, dass die Leiste rechtwinklig zur Basisplatte montiert wird, um die Parallelität der Nuten zu gewährleisten. Die Oberfräse sitzt jetzt auf der Platte der CRB 7 und damit stimmt die zuvor eingestellte Frästiefe nicht mehr. Vor dem Fräsen der weiteren Nuten müssen Sie die Frästiefe neu einstellen! Die Werkstücke haben wir mit weiteren 21 mm starken Platten in eine Art Führungsrahmen fixiert. Damit wird das Kippen beim Anfahren und am Ende der Nut vermieden. Fräsen Sie mit diesen Einstellungen alle restlichen T-Nuten.

Fräsen mit CRB 7

Fräsen paralleler Nuten mit der CRB 7 und einer passenden Anschlagleiste

 

Tipp: Bei unbeschichteten Platten immer zuerst gegen die Faser fräsen, die Fräsungen in Faserrichtung erfolgen erst danach. Dadurch verhindern Sie unschöne Ausrisse an den Kreuzungspunkten.

 

2. Verbinden der Einzelteile

Eine Dübelverbindung sorgt für eine exakte Eckenbildung der Werkstücke zueinander. Wir haben dafür die Festool DOMINO Dübelfräse DF 500 verwendet. Alternativ können Sie auch andere Verbindungssysteme (z. B. MAFELL DuoDübler oder Lamello) verwenden. Die Dübel sorgen dafür, dass sich die Teile bei der nachfolgenden Verschraubung nicht verschieben.
Domino-Fräsung

Zusätzliche Dübel halten die Platten beim Verschrauben in Position

 

Die Teile 1, 2 und 3 werden mit Taschenlochbohrungen verschraubt. Wir haben dazu die UJK Taschenloch-Bohrschablone benutzt. Anschließend werden die Sackloch-Bohrungen zur Aufnahme der Rundhölzer an der Ständerbohrmaschine oder Freihand gebohrt. Verschrauben Sie zuerst die beiden T-Nutplatten (Teile 1 und 2). Achten Sie darauf, dass die beiden T-Nutplatten rechtwinklig zueinanderstehen. Dann setzen Sie die Rundhölzer in die Sacklochbohrungen und schrauben die Teile 3 und 4 fest (Teil 4 wird einfach gegen Teil 1 geschraubt). Entschärfen Sie alle Kanten mit einem Schleifklotz (auch die an den T-Nuten!). Das schützt vor unangenehmen Schnitten und Verletzungen.

Taschenlochbohrung

Alle Schrauben sind in den Taschenlochbohrungen gut verdeckt

 

Weitere Anwendungsbeispiele

ACHTUNG! Bei diesen Arbeiten handelt es sich um Sonderarbeitsgänge, bei denen der Oberschutz des Sägeblatts entfernt wird. Hierbei besteht besondere Sorgfaltspflicht. Montieren Sie nach fertiger Arbeit den Oberschutz sofort wieder! Arbeiten Sie im Normalfall nie ohne diesen Schutz.

Spitze Winkel, steiler als 45°, können Sie an der Tischkreissäge nur sägen, wenn das Werkstück senkrecht auf dem Maschinentisch steht. Die Multi-T-Nut-Spannvorrichtung übernimmt dabei die Maschinentischfunktion. In die T-Nuten der Anschlagplatte können Sie Hebelzwingen oder Niederhalter zur Fixierung des Werkstücks schieben. Auch selbstgebaute Anschlagklötze, auf denen Waagrechtspanner sitzen, sind hilfreich und dienen dem sicheren Einspannen. Vorsicht, der keilförmige Abschnitt fällt nach unten und kann sich im Spalt des Sägetischs verklemmen und wegfliegen. Stellen Sie sich immer so hin, dass Sie nicht von wegfliegenden Teilen getroffen werden können. Es dürfen sich auch keine anderen Personen im Gefahrenbereich aufhalten.

Schifterschnitt mit MTS

So lassen sich sehr spitze Winkel an der Kreissäge schneiden

 

Das Bearbeiten von kleinen und schmalen Werkstücken an einer Hobelbank mit der Oberfräse, aber auch mit Handwerkzeugen, scheitert oft an den nicht vorhandenen Einspannmöglichkeiten. Hier dient die MTS als echter Problemlöser. Ihre rechtwinklige Bauweise ermöglicht das Auflegen auf einer Bankplatte. Mittels Spannzwingen, Niederhaltern oder Schnellspannern werden die Werkstücke in der MTS gehalten. In unserem Video-Tutorial können Sie alle Arbeitsschritte noch einmal detailliert anschauen und auch die Anwendungsbeispiele in der Praxis erleben. Sicherlich fallen Ihnen noch viele weitere Möglichkeiten zur Anwendung der Multi-T-Nut-Spannvorrichtung ein.

Verwendung an der Werkbank

Auch an einer Hobelbank ist die MTS vielseitig einsetzbar