Sägen schärfen - Kompakt
 

Für viele ist das Sägenschärfen ein Buch mit sieben Siegeln. Mit ein wenig Geduld und Sorgfalt ist das Nachschärfen einer Säge jedoch kein Hexenwerk.

Was brauche ich, um eine Säge zu schärfen?

Sie brauchen eine Feilkluppe, eine Abrichtfeile, auch ein Permanentmarker ist nicht schlecht, eine Sägefeile mit Griff, eventuell einen Winkelmesser, den Veritas Feilenhalter oder eine selbstgebaute Winkellehre und einen Schärfstein oder Diamantschärfblock.

Der Arbeitsbereich sollte gut ausgeleuchtet sein. Am besten ist es, wenn man vor einem Fenster arbeiten kann. Geht das nicht, nehmen Sie eine Lampe mit schwenkbarem Arm, sodass Sie die Beleuchtung nach Bedarf einstellen können. Bei sehr feinen Sägezahnungen hilft zur besseren Sicht eine Lupe oder Stirnlupe.

Welche Sägen sind nachschärfbar bzw. bei welchen Sägen lohnt sich das Nachschärfen?

Alle alten Sägen, die nicht allzu verbraucht oder kaputt sind, und hochwertige neue Sägen westlicher Bauart sind zum Nachschärfen gut geeignet. Sägen, deren Zahnspitzen gehärtet sind (z. B. Japansägen mit Wechselblättern), können nicht nachgeschärft werden. Bei Sägeblättern, die aus einem weichen Stahl sind (z. B. billige Sägeblätter für Gestellsägen), lohnt es sich meist nicht, Arbeit in das Schärfen zu stecken.

In welchem Winkel sollen die Zähne gefeilt werden?

In der Regel werden Sägen mit Dreikantfeilen geschärft. Mit einem Feilenstrich werden sowohl die Zahnbrust als auch der Zahnrücken des benachbarten Zahnes bearbeitet. Das bedeutet, die Zähne haben alle an der Spitze einen Winkel von 60°. Die Schnitteigenschaften werden von zwei anderen Winkeln beeinflusst. Der eine ist die Neigung der Zahnbrust gegenüber der Senkrechten, der sogenannte »Rake«-Winkel. Der andere Winkel ist die Schrägung oder der »Fleam«-Winkel. Dieser gibt an, wie schräg die Zahnbrust zur Längsachse gefeilt wird.

In welchem Winkel sollen die Zähne gefeilt werden?

Fleam bezeichnet die Schrägung zur Längsachse, Rake die Neigung der Zahnbrust

 

Aus der nachfolgenden Tabelle können Sie gängige Rake/Fleam-Paarungen für die jeweilige Schnittrichtung der Säge entnehmen.

Art der BezahnungNeigung - „Rake“Schrägung - „Fleam“
Längs
Quer 15° 20°
Hybrid 10° 15°

Wenn Sie die vorhandenen Winkel einer Bezahnung ermitteln möchten, können Sie eine Sägefeile in die Zahnzwischenräume legen und mit einem Winkelmesser Rake- und Fleam-Winkel abnehmen oder die Winkel an dem Feilenhalter direkt einstellen.

So schärfen Sie Ihre Säge nach:

Es sind nur wenige Arbeitsschritte notwendig, um in kurzer Zeit eine stumpfe Handsäge wieder flott zu machen.

Abrichten. Mit einer Schlichtfeile ohne Griff, am besten Einhieb, werden die Zahnspitzen alle auf gleiche Höhe gebracht. Dazu die Feile möglichst rechtwinklig über die Zähne führen. Machen Sie nur so viele Feilenstriche, wie notwendig sind, um alle Zahnspitzen zu erreichen. Wenn die Zähne vor dem Abrichten unterschiedlich hoch waren, haben Sie jetzt unterschiedlich große Flächen auf den Zahnspitzen. Markieren. Um den Fortschritt des Schärfens besser erkennen zu können, schwärzen Sie die Bezahnung (Zahnbrust und -rücken) über die gesamte Länge mit einem Permanentmarker ein.

Abrichten

Beim Abrichten werden alle Zähne auf gleiche Höhe gebracht

 

Schärfen. Sie können alle Zähne von einer Seite schärfen oder Sie schärfen zuerst jeden zweiten Zahn von der einen Seite, drehen dann die Säge um, und schärfen dann die dazwischen liegenden Zähne von der anderen Seite. Wenn Sie alles von einer Seite feilen, müssen Sie lediglich den Fleam-Winkel verändern (bei Quer- und Hybridverzahnung). Dann bilden sich aber einseitige Grate an der Bezahnung. Beim Schärfen von zwei Seiten müssen Sie beide Winkel verändern, dafür ist die Gratbildung gleichmäßig auf beiden Seiten der Zahnung.

Schärfen

Routine führt beim Schärfen zu einem gleichmäßigen Ergebnis

 

Gewöhnen Sie sich eine Routine beim Feilen an. Wenn die Arbeitsschritte immer gleichmäßig und in gleicher Reihenfolge gemacht werden, machen Sie weniger Fehler und das Ergebnis wird gleichmäßiger.

Um die Winkel permanent einzuhalten, stellen Sie die passenden Winkel an dem Feilenhalter ein oder benutzen Sie eine selbstgebaute Winkellehre. Wie Sie eine Winkellehre selbst bauen können, zeigen wir in unserem Video-Tutorial. Im ersten Durchgang werden bei den Bezahnungen mit Fleam-Winkel erst alle Zähne gleichmäßig gefeilt, die von Ihnen weggeneigt sind. Dann alle dazwischen liegenden Zähne. Bei Längsschnittsägen ohne Fleam können Sie jeden Zahnzwischenraum bzw. Sägezahn feilen.
Im zweiten Durchgang feilen Sie nun die Sägezähne auf gleiche Größe, bei denen vom Abrichten noch Flächen verblieben sind. Dabei werden die Zähne mehr bearbeitet, die größere Flächen aufweisen. Um besser sehen zu können, wie weit Sie beim Schärfen fortgeschritten sind, können Sie vor jedem Feildurchgang die Zähne wieder mit dem Marker einschwärzen. Anschließend wird die komplette Bezahnung in einem Durchgang nochmals gleichmäßig durchgefeilt, damit alle Flächen auf den Zähnen sicher weggefeilt und alle Zähne wirklich schön scharf sind.

Entgraten und Finetuning. Zum Schluss werden beide Seiten mit einem Schärfstein oder einem Diamantschärfblock entgratet. Dazu auf beiden Seiten des Sägeblatts einmal den Schärfstein über die Zahnflanken ziehen, jeweils vom Griff zur Sägenspitze hin. Nun machen Sie einen Probeschnitt, bei dem Sie die Säge so locker wie möglich führen, um möglichst nicht zu verkanten und die Säge auf eine Seite zu drücken. Verläuft der Sägeschnitt in eine Richtung, ziehen Sie die Seite, zu der die Säge verläuft, ein weiteres Mal mit dem Schärfstein ab. Wiederholen Sie die Probeschnitte und das Abziehen, bis die Säge gerade schneidet und nicht mehr verläuft.

Entgraten und Finetuning

Sägen stets entgegen der Schnittrichtung vom Griff zur Spitze entgraten

 

Schränken. Wenn die Säge noch genügend Schränkung aufweist, dann sind Sie jetzt schon fertig. Nach fünf bis zehn Mal Schärfen muss die Säge allerdings nachgeschränkt werden. Das passiert in der Regel vor dem letzten Feilendurchgang, also nachdem alle Zähne auf gleiche Höhe gebracht wurden und die verbleibenden Flächen auf den Spitzen fast verschwunden sind. Dazu die Schränkzange so einstellen, dass der Zahn in den oberen zwei Dritteln umgelegt wird und die Schränkung maximal 10 % der Sägeblattstärke beträgt. Es wird jeder zweite Zahn entsprechend der alten Schränkung zu einer Seite geschränkt, die Säge umgedreht und die dazwischen liegenden Zähne zur anderen Seite geschränkt. Nach dem Schränken muss die Säge nochmals ganz leicht abgerichtet werden. Mit einem leichten Schärfdurchgang werden die entstandenen Flächen auf den Zähnen beseitigt. Dann wird wieder entgratet und probegeschnitten.

Mit den genannten Arbeitsschritten und ein wenig Übung ist das Sägenschärfen schnell erledigt. Trauen Sie sich! Sie werden erstaunt sein, um wie viel besser Ihre Sägen wieder schneiden.