Schnelle und exakte Kappschnitte mit der Japansäge
 

Wenn Werkstücke von Hand auf ihre endgültige Länge zugeschnitten werden, sollen die Schnittflächen möglichst glatt und im rechten Winkel sein. Japanische Tischler verwenden dafür unterschiedliche Schnitttechniken. Soll der Sägeschnitt präzise und sehr glatt werden, wird jeweils nur ein kleines Stück am Anriss entlang eingeschnitten und das Werkstück mehrfach gekippt. Diese Technik ist sehr zeitaufwendig, bringt aber das beste Ergebnis. In diesem Kurz-Tutorial verraten wir Ihnen, wie saubere Kappschnitte mit nur drei Schnitten perfekt gelingen.

Voraussetzungen für saubere Kappschnitte

Auch bei dieser Schnitttechnik wird stets nur entlang des sichtbaren Anrisses geschnitten. Gesägt wird ohne Druck, die Säge macht die Arbeit. Für Kappschnitte quer durchs Holz wird eine Japansäge mit Querschnittbezahnung (z. B. Kataba Quer 255) oder die entsprechende Seite der Ryoba verwendet. Nachdem die Position des Sägeschnitts auf mindestens drei Seiten angerissen ist, spannen Sie das Werkstück vor sich quer auf die Hobelbank. Öffnen Sie die Hinterzange einen Spalt, damit Platz für das Sägeblatt ist und Sie nicht in die Bankplatte sägen.

Erster Einschnitt

Setzen Sie die Säge an der abgewandten Werkstückkante an und schneiden Sie eine Kerbe entlang des oben liegenden Anrisses ein. Diese Kerbe dient der Japansäge bereits als Führung. Vertiefen Sie den Sägeschnitt an der Ihnen zugewandten Seite diagonal, entlang am sichtbaren Anriss. Das Werkstück ist jetzt bereits zur Hälfte durchtrennt.

Erster Schnitt, halb durchtrennt

Beim ersten Einschnitt wird der Querschnitt bereits zur Hälfte durchtrennt

 

Zweiter Einschnitt

Nun kippen Sie das Werkstück eine Viertelumdrehung von sich weg und spannen es fest. Schneiden Sie nun wieder entlang des Ihnen zugewandten Risses diagonal nach unten. Der zuvor gemachte Einschnitt bietet dem Sägeblatt eine gute Längsführung. Das Werkstück ist nun zu drei Vierteln durchtrennt.

Zweiter Schnitt, dreiviertel durchtrennt

Beim zweiten Schnitt nochmals diagonal nach unten sägen

 

Dritter Sägeschnitt – Abtrennschnitt

Im Werkstück steht nun noch ein Viertel des Materials in Form eines nach oben weisenden Dreiecks. Das Sägeblatt wird durch die zuvor geschnittenen Fugen an drei Seiten sauber geführt. Ohne umzuspannen können Sie den letzten Sägeschnitt mit leichten Bewegungen nahezu waagerecht ausführen. Entlasten Sie die Säge gegen Ende des Sägeschnitts. Wenn nur noch wenig Material zu durchtrennen ist, ändert sich das Sägegeräusch deutlich hörbar. Wenn Sie etwas Übung mit dieser Sägetechnik haben, werden Sie Schritt zwei und drei ohne abzusetzen erledigen.

Das Ergebnis

Das Ergebnis ist eine glatte, rechtwinklige Schnittfläche. Wenn dies nicht auf Anhieb gelingt, gilt auch hier: Übung macht den Meister. Wichtig ist, dass die ersten zwei Einschnitte gerade am Anriss entlanglaufen und dem Sägeblatt eine korrekte Führung bieten. Diese Sägetechnik eignet sich sehr gut für größere Querschnitte (Balken), da das Werkstück nur einmal gekippt werden muss und auch für einfache Winkelschnitte.